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Entstehung ADHS

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Ursachen und Entstehung von ADHS

Über die Entstehung von ADHS herrscht noch keine endgültige Klarheit. Grundsätzlich können sowohl Kinder als auch erwachsene Menschen betroffen sein. Die Symptome sind phasenweise unterschiedlich stark ausgeprägt. Um das Syndrom in den Griff zu bekommen, nehmen viele Betroffene bzw. Eltern mit ihren betroffenen Kindern eine Therapie in Anspruch, die häufig auch die Gabe von Medikamenten (z. B. Ritalin) an die Betroffenen beinhaltet.

Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) multifaktoriell bedingt

ADHS liegt nach dem derzeitigen Kenntnisstand ein ganzes Ursachenbündel zugrunde. Es ist unklar, welchen Faktoren hierbei die größte Bedeutung zukommt. Man geht davon aus, dass biologische, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken, die wiederum aufeinander rückwirken. Z. T. genetisch bedingte, teils aber auch z. B. vorgeburtlich erworbene Abweichungen in neuronalen Regelkreisen, die Motivation, Kognition, Emotion und Bewegungsverhalten steuern, ließen sich in Studien aufzeigen. Die Bedeutung der genetischen Komponente wird deutlich, wenn man z. B. betrachtet, dass bei Geschwistern von ADHS-Kindern drei- bis fünfmal so häufig ADHS auftritt wie bei Kindern ohne Geschwister mit ADHS. Untersuchungen der leiblichen Eltern von ADHS-Kindern zeigten, dass diese in ca. 18 % der Fälle selbst auch ADHS hatten.

Risikofaktoren und Entwicklung von ADHS im zeitlichen Verlauf

Unterschiedlichsten Faktoren wird nachgesagt, dass sie das ADHS-Risiko erhöhen können. Hierzu zählen: Alkohol- und Nikotinbelastungen des Ungeborenen während der Schwangerschaft; Schwangerschafts- bzw. Geburtskomplikationen sowie ein niedriges Geburtsgewicht; Infektionen, Schadstoffeinwirkungen sowie Erkrankungen/Verletzungen des ZNS (Zentrales Nervensystem). Als wichtiger Faktor, der sowohl die Ausprägung als auch den Verlauf von ADHS in eine negative Richtung beeinflussen kann, zählen eine entbehrungsreiche bzw. psychosozial schwierige Familiensituation. Bedeutend für den ADHS-Verlauf ist offenbar auch, wie alt die Betroffenen bei Diagnosestellung sind und welcher Art die Reaktionen des sozialen Umfeldes im Vorfeld der Diagnosestellung waren.

Es wird angenommen, dass die Verhaltensschwierigkeiten ADHS-Betroffener und die erwähnten biologischen, psychischen sowie sozialen Faktoren miteinander in Wechselwirkung stehen und somit der Verlauf der Erkrankung einem dynamischen Prozess unterliegt. Die Störung der Selbstregulation und der Impulskontrolle, die auf der neurobiologischen Ebene liegt, beeinflusst auf der sozialen Ebene z. B. das Verhältnis zwischen den Betroffenen und seinen Bezugspersonen (Eltern, Geschwister, Lehrer). Ein ablehnender, harscher Umgang der Bezugspersonen mit dem Betroffenen wiederum kann dann negativ auf das Verhalten des Betroffenen zurückwirken. Inwieweit hierdurch wiederum auch neurobiologische Vorgänge beeinflusst werden, ist noch nicht klar.

Zu beobachten ist jedoch häufig eine Art „Teufelskreis“, der zu einer Verschlimmerung der ADHS-Symptome und zum Auftreten komorbider Symptome (Aggression, Leistungsabfall, emotionale Störungen etc.) führen kann. Über medizinische und psychologische Therapiemaßnahmen hinaus kann daher versucht werden, durch eine positive Veränderung der Rahmenbedingungen diesen Teufelskreis zu durchbrechen und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

ADHS-Prävention

Nützlich kann u. U. in der Therapie von Klein-/Schulkindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom das sog. MKT (Marburger Konzentrationstraining) sein. Hierbei erlernen die Kinder u. a. die verbale Selbstinstruktion (Selbstanleitung), je nach Alter bestimmte Basistechniken für die Bearbeitung schulischer Aufgaben, Entspannungstechniken und Verhaltensmodifikation. Ziel ist eine insgesamt verbesserte Selbstkontrolle.

Wichtig ist es auch, von ADHS betroffene bzw. möglicherweise betroffene Personen sowie ihr soziales Umfeld ausführlich über das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom zu informieren, um den weiteren Verlauf der Entwicklung möglichst positiv zu beeinflussen. Hier geht es u. a. darum, hervorzuheben, welchen Charakter die Störung hat und welche Probleme im Alltag auftreten können. Auch über mögliche Behandlungsformen sollte frühzeitig informiert werden, damit ggf. frühzeitig geeignete Maßnahmen eingeleitet werden können.

Inzwischen gibt es nicht nur die Möglichkeit, eine ärztliche bzw. psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen (Auskunft erteilt z. B. der Kinderarzt), sondern es besteht auch die Möglichkeit, sich über Bücher und Online-Foren bzw. Informationsseiten im Internet mit dem Störungsbild des Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndroms vertraut zu machen.

ADHS-Leitlinien

Die Informationen in den vorliegenden Artikeln zu ADHS beruhen auf den Klassifikationssystemen ICD-10 bzw. DSM-IV, nach denen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen nach bestimmten Kriterien definiert und eingeordnet werden. Gemäß den Europäischen klinischen Leitlinien für hyperkinetische Störungen (European clinical guidelines for hyperkinetic disorder) sollten sinnvollerweise diese beiden Konzepte gestuft angewendet werden.

Demnach erfolgt zunächst nach ICD-10 eine Einstufung im Hinblick auf die Subtypen der sog. hyperkinetischen Störungen: Störung von Aktivität und Aufmerksamkeit (F 90.0); Hyperkinetische Störung mit Störung des Sozialverhaltens (F 90.1); andere hyperkinetische Störungen (F 90.8). Der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung nach DSM-IV ist im Hinblick auf alle vier Subtypen der Schlüssel F 90.0 nach ICD-10 zugeordnet. Die vier Subtypen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung nach DSM-IV sind: der vorwiegend hyperaktiv-impulsive Typ, der vorwiegend unaufmerksame Typ („ADS“), der kombinierte Typ sowie ADHS, nicht näher bezeichnet.

Anke Tennemann

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