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ADHS

Was ist ADHS?

Hinter dem Kürzel ADHS verbirgt sich das „Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom“, auch „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“ genannt, welche heutzutage bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten wie Unaufmerksamkeit und Unruhe häufig vermutet bzw. diagnostiziert wird. Bei ADHS bzw. ADS („Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom“) kommt häufig aus der Schule die Anregung, das betreffende Kind einem Test zu unterziehen, um Verhaltensauffälligkeiten, die als ADHS-Symptome gedeutet werden, ggf. mit Medikamenten begegnen zu können. Neben einer Therapie besteht für betroffene Kinder und Eltern z. B. auch die Möglichkeit, sich in einem Forum oder einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen auszutauschen.

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Definition und Kennzeichen/Symptome von ADHS und ADS

Das Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssyndrom ist ein komplexes, multifaktoriell bedingtes Störungsbild, das früher auch als Minimale Cerebrale Dysfunktion (MCD) oder Psychoorganisches Syndrom (POS) bezeichnet wurde. Im englischen Sprachgebrauch werden die Bezeichnungen Attention Deficit/Hyperactivity Disorder (ADHD) bzw. Attention Deficit Disorder (ADD) verwendet. Zu den Leitsymptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung zählen eine beeinträchtigte Aufmerksamkeit, starke Impulsivität und eine motorische Überaktivität. Entsprechende Störungen ohne motorische Aktivität nennt man ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom).

Auftreten und Häufigkeit von AHDS

Bereits im Kindesalter entwickelt sich die Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung, an der nach den Kriterien der DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, zu Deutsch: Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen; Klassifikationssystem der American Psychiatric Association; Version IV) etwa 4-8 % der deutschen Schüler leiden – Jungen häufiger als Mädchen. Beim hyperaktiv-impulsiven Subtyp beträgt das Verhältnis Jungen zu Mädchen einer Studie zufolge 5:1, beim primär unaufmerksamen Typ 2:1. 30-70 % der in der Kindheit/Jugend von ADHS Betroffenen leiden auch als Erwachsene darunter.

Schätzungen der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zufolge sind zwischen 2,5 und 4 % aller Erwachsenen in Deutschland von ADHS betroffen. ADHS kommt bei erwachsenen stärker als bei Kindern in einer verstärkten inneren Unruhe zum Ausdruck. Zudem zeigen sich als Symptome im Erwachsenenalter verstärkt psychische Störungen wie z. B. Depressionen und/oder Angststörungen, aber auch soziale Phobien oder Essstörungen. Typisch bei Erwachsenen ADHS-Betroffenen ist eine Konzentrations- und Leistungsschwäche sowie ein Gefühl innerer Rastlosigkeit, mit entsprechenden sozialen Folgen in Beruf und Privatleben. Hierzu können z. B. häufige Stellenwechsel und Umzüge gehören. Stimmung und Leistung sind häufig stark von den äußeren Umständen abhängig.

Die AHDS-Diskussion

Obwohl ADHS heute sowohl nach ICD-10 (Internationales Klassifizierungssystem der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation WHO) als auch nach DSM-IV definiert ist, gibt es auch Stimmen, nach denen ADHS nicht als Krankheitsbild anzusehen ist, sondern als „Konstrukt“.

Demnach werden die Verhaltensweisen der Betroffenen als normale Reaktionen auf veränderte gesellschaftliche Umstände (Reizüberflutung, Leistungsdruck, Bewegungsarmut etc.) angesehen. Entsprechend sei es falsch, die Betroffenen als krank zu „stigmatisieren“ und medikamentös zu behandeln. Manche Kritiker gehen sogar so weit zu behaupten, dass der Begriff „ADHS“ als eine Art „Modekrankheit“erfunden wurde, z. B. um den Medikamentenabsatz anzukurbeln.

Nach einer anderen Sichtweise gilt es, ADHS nicht als Krankheit zu betrachten, sondern als eine individuelle Form der Wahrnehmung, des Denkens bzw. der Art zu leben. Entsprechend geht es nach diesem Modell nicht darum, den Betroffenen zu heilen, sondern ihn zu befähigen, an seinen Schwächen zu arbeiten, seine Stärken zu nutzen und zu einem sinnvollen Umgang mit seinen „Besonderheiten“ zu gelangen. Zu den Stärken bzw. positiven Eigenschaften vieler ADHS-Betroffener gehört z. B., dass sie charmant, sensibel und ideenreich, sehr kreativ, aufgeweckt und phantasievoll sein können. Des Weiteren sind sie oft vielfältig interessiert, aufgeschlossen, flexibel und fröhlich.

Anderen Ansichten nach ist die Bezeichnung „ADHS“ eine unzulässige Subsummierung von unterschiedlichen Symptomen unter einem willkürlichen Oberbegriff. Es gäbe kein entsprechend spezifisches, abgrenzbares Syndrom, da z. B. bei verschiedenen psychogenen Störungsbildern vergleichbare Symptome aufträten und zu vermuten sei, dass entsprechend den Problemen von ADHS-Betroffenen unterschiedliche Ursachen zugrunde lägen.

Die Informationen in den vorliegenden Artikeln zu ADHS richten sich nach den offiziell von fachlicher Seite her anerkannten Klassifikationssystemen ICD-10 bzw. DSM-IV, nach denen das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom nach bestimmten Kriterien diagnostiziert und nachfolgend behandelt wird.

Behandlungsbedarf

Im Allgemeinen lässt sich festhalten, dass der Behandlungsbedarf bei Störungen wie ADHS/ADS sich nicht zuletzt danach richtet, wie gut oder schlecht die Betroffenen in ihrem sozialen Umfeld (in Familie, Schule, Beruf) zurechtkommen bzw. wie problematisch die inneren Unruhezustände für die Betroffenen selbst werden. Z. T. liegt nur eine leichte Beeinträchtigung vor, die Symptomatik ist nicht so stark ausgeprägt, dass ein direkter Behandlungsbedarf besteht. Durch gezielte Information und Förderung kann man in solchen Fällen dazu beitragen, dass die Betroffenen sich positiv entwickeln und die vorhandenen Symptome sich nicht verstärken bzw. den weiteren Lebensweg negativ beeinflussen.

Anke Tennemann

04.09.09

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