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Methoden der Adipositas-Chirurgie

Die Expertengruppe Metabolische Chirurgie stellt im Folgenden die derzeit gängigsten Methoden der Adipositas-Chirurgie dar

Chirurgische Verfahren zur Therapie der krankhaften Adipositas und Adipositas-assoziierter Folgeerkrankungen (sog. Komorbiditäten) beruhen grundsätzlich auf zwei Verfahren, die alleine oder kombiniert umgesetzt werden: Der Begrenzung der Nahrungszufuhr durch Verkleinerung des Magens sowie der Verringerung der Nährstoff- und damit Kalorienaufnahme (sog. Malabsorption) durch Ausschalten eines Dünndarmabschnitts. Ein für alle Patienten pauschal zu empfehlendes Verfahren existiert nicht. Bei Auswahl der geeigneten Therapie sollten Kontraindikationen, BMI, Alter, Geschlecht, Komorbiditäten, Adhärenz, Beruf sowie die Präferenz des Patienten berücksichtigt werden.

Die Evidenz zur Adipositaschirurgie belegt die nachhaltige Effektivität bei morbider Adipositas nicht nur hinsichtlich der Gewichtsreduktion, sondern auch hinsichtlich der Reduktion verschiedener Folgeerkrankungen und der möglichen Gefahr für das Leben. Insbesondere bei morbid adipösen Patienten mit Diabetes mellitus Typ II führen einzelne Verfahren zu einer Verbesserung und in vielen Fällen auch zu einer Remission des Diabetes.

Magenbypass

Bei einem Magen-Bypass werden die Nahrungsrestriktion und die Malabsorption kombiniert. Der Arzt teilt den Magen, wodurch eine kleine Magentasche und ein größerer, funktionsuntüchtiger Restmagen entstehen. Die Magentasche kann nur wenig Nahrung aufnehmen und ist schnell gefüllt. Dadurch wird dem Gehirn eine schnelle Sättigung signalisiert. Patienten haben das Gefühl, schneller satt zu werden und auch länger satt zu bleiben.

Zusätzlich wird der Dünndarm „umgeleitet“, wodurch sich Nahrung und Verdauungssäfte erst im mittleren Dünndarm vermischen, was zu einer verminderten Kalorienaufnahme infolge einer verminderten Nahrungsauswertung führt. Der Bypass ermöglicht einen stärkeren Gewichtsverlust, als beispielsweise das Magenband. Dieses Verfahren erfordert eine lebenslange Nahrungsergänzung mit Vitaminen und infolge der anatomischen Veränderung ist eine Magenspiegelung nicht mehr möglich.

Verstellbares Magenband

Bei diesem Verfahren wird ein verstellbares Magenband um den oberen Teil des Magens gelegt. Das Magenband – ein weiches Band aus Silikon, das geringen Druck ausübt – verleiht dem Magen die Form einer Sanduhr, durch deren engen Durchgang Nahrung und Flüssigkeit vom oberen Magenteil in den Rest des Magens geleitet werden. Bei den Mahlzeiten sammelt sich die Nahrung oberhalb des Magenbands und gelangt nur langsam in den unteren Bereich des Magens.

Da sich die kleine, obere Magentasche schnell füllt, wird dem Gehirn signalisiert, der gesamte Magen sei voll. Die Patienten fühlen sich schneller und für längere Zeit gesättigt und essen insgesamt weniger. Bei diesem Verfahren wird keine anatomische Veränderung vorgenommen, die Nahrungsverwertung findet wie bisher im Verdauungstrakt statt. Es handelt sich also um ein rein restriktives Verfahren. Das Magenband ist über einen Zugang (Port), der unter die Haut implantiert wird, verstellbar. Mittels der Zugabe von Kochsalzlösung wird das Füllvolumen verändert und das Band enger bzw. weiter eingestellt.

Für dieses Verfahren ist die Mitarbeit der Patienten von besonderer Bedeutung, da sie lernen müssen, mit dem neuen Sättigungsgefühl umzugehen und ihre Ernährung umzustellen. Die Patienten verlieren durchschnittlich 50 % ihres Übergewichts und senken so ihr Risiko gewichtsassoziierter Krankheiten drastisch. Wenn Patienten mit Magenband jedoch häufig auf stark kalorienhaltige Getränke zurückgreifen oder hochkalorische Nahrungsmittel zu sich nehmen, die das Band leicht überwinden, so wird die Gewichtsreduktion stark beeinträchtigt, sofern sie nicht ganz ausbleibt.

Vorteil des Magenbands ist, dass es auf jeden Patienten individuell eingestellt werden kann. Langfristig kann dieses Verfahren allerdings zu selten auftretenden und korrigierbaren Problemen bzw. Spätkomplikationen wie Magenperforation, Durchrutschen des Magens durch das Band, „Verrutschen“ des Bandes führen. Das Magenband bleibt i. d. R. ein Leben lang im Körper, kann aber jederzeit auch wieder entfernt werden.

Schlauchmagen

Bei einer Schlauchmagen-Operation wird der größte Teil des Magens entfernt, wobei ein schlauchförmiger Restmagen bleibt. Patienten können folglich nur noch geringe Nahrungsmengen auf einmal zu sich nehmen und fühlen sich schneller gesättigt. Der normale Verdauungsprozess bleibt unberührt. Gleichzeitig wird bei einer Schlauchmagen-Operation der Teil des Magens für immer entfernt, der für die Produktion des Hormons zuständig ist, welches das Hungergefühl auslöst (Grhelin). Die Patienten verspüren dadurch weniger Hunger und leiden seltener unter Heißhungerattacken. Bei Patienten mit sehr hohem BMI kann nach der Gewichtsreduktion in einem zweiten Schritt der Schlauchmagen in einen Magenbypass (siehe oben) oder eine Biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch (siehe unten) übergehen.

Das Schlauchmagen-Verfahren ist eine relativ neue Methode, daher liegen noch keine aussagekräftigen Langzeitdaten vor. Auch hier können Patienten durch die Aufnahme von hochkalorischen Nahrungsmitteln und Getränken den Operationserfolg untergraben. An der Naht des Schlauchmagens können Komplikationen wie Undichtigkeit auftreten. Eine Magenspiegelung ist aber z. B. weiterhin problemlos möglich.

Umleitung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsensäfte (Biliopankreatische Diversion)

Bei diesem Verfahren wird der untere Teil des Magens entfernt, was zu einer verminderten Nahrungsaufnahme führt; zudem wird weniger Magensäure produziert. Bei der Operation wird der Dünndarm geteilt, wobei der untere Teil an der Magentasche befestigt wird. Der gesamte Nahrungsbrei bewegt sich nun durch diesen Dünndarmabschnitt. Die für die Verdauung eigentlich notwendigen Gallen- und Bauchspeicheldrüsensäfte treffen erst im letzten Dünndarmsegment auf die parallel transportierte Nahrung. Dieses verzögerte Aufeinandertreffen vermindert die Aufnahme von Fetten und Kohlenhydraten. Der Chirurg kann die Länge der Dünndarmabschnitte variieren und so den Grad der Aufnahme von Proteinen, Fett und Vitaminen bestimmen.

Biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch

Diese Methode ist eine Abwandlung der Biliopankreatischen Diversion unter Erhaltung des Magenausgangsmuskels (sog. Magenpförtner). Dieser Muskel reguliert den Transport von Nahrung vom Magen in den Dünndarm. Die Erhaltung des Magenpförtners hat den Vorteil, dass das sog. „Dumping-Syndrom“, welches sich bei Patienten durch Schweißausbrüche, Schwächegefühl und Übelkeit äußert, vermieden wird.

Den beiden letzten Verfahren gemein ist der größtmögliche Gewichtsverlust aller Adipositas-Operationen. Die Patienten können zudem größere Mahlzeiten zu sich nehmen als bspw. beim Magenband. Auch hier ist allerdings eine lebenslange Nahrungsergänzung notwendig. Darüber hinaus ist die Operation sehr komplex und damit mit mehr Operationsrisiken behaftet.

Weitere Verfahren

Seit einigen Jahren sind verschiedene Verfahren der Elektrostimulation entwickelt worden. Hierbei werden durch einen Schrittmacher einzelne Nerven, die für die Appetitregulation oder die Steuerung des Magens verantwortlich sind, gezielt stimuliert. Diese Verfahren befinden sich derzeit noch in der wissenschaftlichen Evaluation.

Quelle: Ratgeber Metabolisches Syndrom

21.12.12

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