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Erdnuss-Allergie bei Kindern ernst nehmen

19.07.09.

Erdnüsse

Shutterstock

Ein anaphylaktischer Schock entsteht bei Kindern am häufigsten durch Nahrungsmittel. Das zeigte eine Auswertung der Daten des Anaphylaxie-Registers für Deutschland. Besonders gefährlich sind Allergien gegen Erdnüsse. Schon winzige Verunreinigungen von zwei Milligramm können eine allergische Reaktion in Gang setzen, die im schlimmsten Fall tödlich endet.

„Eine Sensibilisierung gegen Erdnuss-Allergene lässt sich in Deutschland inzwischen bei jedem zehnten Kind feststellen“, sagt der Aachener Kinder- und Jugendarzt und Allergologe Dr. Frank Friedrichs von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Weil Bestandteile der Erdnuss in die Muttermilch übergehen, können schon Säuglinge eine Überempfindlichkeit entwickeln. Die Erdnuss-Sensibilisierung führt oftmals lebenslang zu Beeinträchtigungen.

„Sowohl bei einer aktuellen, aber auch bei einer früher festgestellten Erdnuss-Allergie müssen die Patienten grundsätzlich auf den Konsum von Erdnuss-Produkten verzichten“, rät Prof. Dr. Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von allergikus. Abgesehen von der Meidung aller erdnusshaltigen Lebensmittel gibt es für die Betroffenen keine Möglichkeit, einer lebensbedrohlichen Schockreaktion vorzubeugen. Die potenziell lebensbedrohliche, nicht therapier- oder heilbare Allergie auf Erdnüsse mindert erheblich die Lebensqualität betroffener Kinder und Jugendlicher. In einer Studie mit Neun- bis Zehnjährigen wurde für Kinder mit Erdnuss-Allergie eine schlechtere Lebensqualität als für Kinder mit erblicher Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 1) festgestellt. „Die Angst vor versehentlichem Verzehr von Allergie auslösenden Nahrungsmitteln begleitet diese Kinder in der Schule und in der Freizeit“, so Kinderallergologe Friedrichs. Er kritisiert, dass die Anaphylaxiegefahr bei Kindern unterschätzt oder gar herabgespielt werde: „Selbsthilfegruppen in den USA, England, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland versuchen mühsam, der Öffentlichkeit klarzumachen, dass ein kleines Stück Kuchen ein Kind mit Nussallergie gefährden kann. Allergiekranke Kinder erfahren in Deutschland bisher bei Weitem nicht die ihnen zustehende Aufmerksamkeit.“

Eine anaphylaktische Reaktion setzt sehr plötzlich ein und kann innerhalb kurzer Zeit vom Schweregrad 1 (Hautsymptome) zum Grad 4 (Atem- oder Herzstillstand) übergehen. „Daher ist bereits bei leichten Symptomen höchste Vorsicht angezeigt“, warnt Prof. Dr. Dr. Johannes Ring von der Haut- und Allergieklinik Biederstein der TU München. „Vor allem Erdnüsse haben ein extrem hohes allergenes Potenzial. Der Körper entwickelt sehr häufig und sehr rasch eine Überempfindlichkeit und das Immunsystem reagiert auf Erdnüsse oft besonders heftig.“ Der Münchener Allergologe bemängelt, dass nur etwa ein Drittel der betroffenen Kinder mit Medikamenten für den Notfall ausgestattet ist.

Quelle: ÄDA

Aus Allergikus 2/2009

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