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Alzheimer Demenz Neue Strategien und innovative Pflegekonzepte

17.05.06.

Alzheimer Demenz Neue Strategien und innovative Pflegekonzepte

Deshalb gibt es seit einigen Jahren eine Reihe von neuen Pflegekonzepten speziell für Demenzkranke. Hier soll das Seniorenzentrum Holle vorgestellt werden, welches nur eines von vielen Heimen ist, die mit einem neuen Konzept arbeiten.

Das Konzept beginnt mit dem Einzug in das Heim. Hier werden diagnosegeleitet Einzugsverfahren angewandt, bei denen unter anderem auf den Schweregrad der Erkrankung geachtet wird. Die Bewohner sind in vier homogene Gruppen, so genannte Wohnbereiche, eingeteilt, wodurch die unterschiedlichen, speziellen Bedürfnisse besser berücksichtigt werden können. Hierbei wird auch die eigene Lebenswelt der Dementen berücksichtigt. Mitarbeiter verstehen sich als Begleiter in der Wohn- und Lebenswelt der Bewohner.

Angehörigenarbeit und Facharztvisiten

Einer der wichtigsten Punkte ist, dass die Angehörigen das Konzept mittragen müssen. Denn „Heim heißt nicht, den Angehörigen aus der familiären Mitverantwortung zu entlassen“, so Peter Dürrmann, Leiter des Seniorenzentrums Holle. Diese endet nicht beim Einzug in das Heim. Die Angehörigen werden hier auf vielfältige Weise eingebunden und auf das Konzept des Hauses verpflichtet. Eine Teilnahme an der hauseigenen Angehörigengruppe sowie an zielgerichteten Fortbildungen für Angehörige wird erwartet. Außerdem gibt es fachärztliche Visiten mit festen Fachärzten, die Termine stehen lange im Voraus fest, sodass die Angehörigen an diesen Visiten teilnehmen können bzw. sollen. Dazu gibt es jeweils eine Fallbesprechung, in die auch ein Apotheker eingebunden ist. Dieser kann wichtige Hinweise zu möglichen Medikamenten- Nebenwirkungen geben und diese an die Mitarbeiter weiterleiten.

Milieutherapeutische Gestaltung

Besondere Aufmerksamkeit verdient die milieutherapeutische Gestaltung des Hauses. Jeder Wohnbereich ist bezüglich Farbgebung und Ausleuchtung individuell gestaltet. Die Helligkeit des Hauses wird so betont. Außerdem gibt es zusätzlich zu den Bädern, über die jedes Zimmer verfügt, auch Wohnbereichsbäder in warmer Atmosphäre, um die Entspannung in den Vordergrund zu heben. Dabei wird auch mit ätherischen Ölen, individueller Waschlotion und entspannender Musik gearbeitet. So fühlt sich der Bewohner nicht nur grundpflegerisch versorgt, sondern kann sich individuell wohlfühlen.

Individuelle Problemlösung

Viele Bewohner haben im Heim erst einmal Schwierigkeiten sich auf die ungewohnte Umgebung einzustellen. Sie werden aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen und fühlen sich oft hilflos und alleine. So gab es im Seniorenzentrum Holle den Fall einer Patientin, die unter erheblichen Einschlafstörungen litt. Da man in solchen Fällen nicht einfach zur medikamentösen Behandlung übergeht, wurde überlegt, worin das Problem bestehen könnte, da die Frau zuvor nie unter solchen Beschwerden gelitten hatte. Man probierte Verschiedenes aus und kam schließlich auf die Idee, dass sie besser einschlafen könnte, wenn ihr Ehemann abends gemeinsam mit ihr ins Bett geht und so lange bei ihr bleibt, bis sie eingeschlafen ist. Dieses führte zum Erfolg, auch wenn ihr Mann daraufhin allabendlich das Heim wieder verlässt.

Biographiebezogene Maßnahmen

Ein ganz besonderer Aspekt sind die biographiebezogenen Maßnahmen. So steht zum Beispiel ein altes Auto, das das Heim gekauft hat, auf dem Hof und die Bewohner können sich dort hineinsetzen und schalten oder ähnliches. Die demenzkranke Bewohnerin, die früher Sekretärin war, hat jetzt in ihrem Zimmer eine Schreibmaschine stehen, auf der sie schreiben kann. Der ehemalige Landwirt kehrt täglich mit seinem Besen den so genannten Marktplatz, der als Kontaktraum dient. Menschen haben so die Möglichkeit, an alte Verhaltensmuster anzuknüpfen und dabei Spaß zu haben und in ihren noch vorhandenen Talenten gefördert zu werden, denn meist sind die früheren Erinnerungen im Gegensatz zu den neueren noch vorhanden. Das Seniorenzentrum Holle ist nicht das einzige Heim dieser Art in Deutschland, es steht hier als Beispiel für ein innovatives Pflegekonzept bei Alzheimer-Patienten.

Miriam Funk

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