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Ernährung nach teilweiser und vollständiger Magenentfernung

Nach dem Kostaufbau im Krankenhaus (ca. 2 Wochen) ist für die ersten 6 Monate eine leichte Vollkost zu empfehlen.

Viele kleine Mahlzeiten

Um ein unnötiges Völlegefühl oder Schmerzen in der “Magengegend” zu vermeiden, sollten Sie rechtzeitig mit dem Essen aufhören. Essen sie lieber alle 1-2 Stunden etwas. Anfangs sind 6-10 Mahlzeiten am Tag die Regel. Ca. 6 Monate nach der Operation kann man in der Regel auf 4-5 Mahlzeiten pro Tag umstellen. Durch kleine Portionen vermeiden Sie Übelkeit und ein Dumping-Syndrom (Erklärung siehe unten). Je weniger Sie auf 1x essen können, desto häufiger müssen sie essen.

Mahlzeitenaufnahme in aufrechter Position.

Sonst kann es durch Aufsteigen oder Zurückfließen des Speisebreis zu Sodbrennen, Schmerzen oder Speiseröhrenentzündung kommen.

Gut kauen & langsam essen

Bis zu 30x sollten Sie jeden Bissen kauen. Dadurch speicheln Sie den Speisebrei gut ein
Essen sie nicht unter Zeitdruck. Schlucken sie so wenig wie möglich Luft mit runter (wenig reden, nicht hastig essen), so können Sie unnötige Blähungen vermeiden.
Tritt das Sättigungsgefühl ein, sollten Sie, um Übelkeit und Erbrechen zu vermeiden, mit dem Essen aufhören.

Trinken

Zu den Mahlzeiten oder direkt danach sollten Sie so wenig wie möglich trinken, da sonst Durchfälle auftreten können und sie schneller ein Völlegefühl erreichen. Um trotzdem genügend Flüssigkeit aufzunehmen, empfiehlt es sich, bis zu einer Viertelstunde vor dem Essen nichts oder frühestens eine halbe Stunde nach dem Essen etwas zu trinken. Durchfälle können auch auftreten, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Darm (ca. 37°C) und dem Getränk (selbst Zimmertemperatur mit ca. 20°C ist zu kalt) zu groß sind. Es kommt dann zu einer reflexartigen Darmbewegung und damit zu einer spontanen Stuhlentleerung.

Fettstuhl oder unvollständige Nahrungsverwertung

Symptome:
Durchfall, heller (weißer, gelber, grauer) Stuhl, der Stuhl “schwimmt” in der Toilette, der Stuhl riecht unangenehm, keine Gewichtszunahme

Maßnahmen: Fettverzehr so stark wie möglich einschränken, regelmäßige und korrekte Einnahme Ihrer Bauchspeicheldrüsenmedikamente,

Erklärung: Der Magen lässt normalerweise nur Nahrungspartikel in den Zwölffingerdarm fließen. Dort wird er sofort mit den Lebersäften (Gallenflüssigkeit) und den Verdauungssäften der Bauchspeicheldrüse vermischt, so dass die aufgenommene Nahrung optimal verwertet wird. Fehlt nun durch die Operation ein Teil oder der ganze Magen, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, wird der Weg der Verdauung ein anderer. Die Verdauungssäfte können sich nicht zeitlich abgestimmt mit dem Nahrungsbrei vermischen. Dadurch kann der Körper auch nur einen geringen Anteil des Essens aufnehmen. Besonders die nicht verdauten Fette können permanente Durchfälle verursachen.

Die Farbe des Essens hat selten Einfluss auf die Farbe des Stuhls. Allerdings können Rote Bete oder Spinat die Stuhlfarbe verändern. Weiße Lebensmittel verursachen aber keinen hellen Stuhl.
Achtung: Eisentabletten färben den Stuhl dunkel.

MCT-Fette

MCT-Fette sollten in Ihren Kostplan mit eingebaut werden, wenn Sie unter Fettstühlen (Steatorrhöen) leiden. Diese Fette sind nicht in üblichen fettreichen Lebensmitteln enthalten und müssen speziell hergestellt werden. MCT-Fette sind in Form von Margarine (250 g ca. 5-6 DM) oder als Speiseöl in Reformhäusern oder Apotheken erhältlich.

Hier einige Tipps/Regeln für die Verwendung von MCT-Fetten
1. Tagesmenge: 50-100 g
2. Einbau von MCT in die Kost stufenweise vornehmen: beginnend mit 20 g/Tag
3. Nach 2-3 Tagen steigern um 10 g/Tag
4. Sollten wäßrige Durchfälle auftreten MCT absetzen bzw. die Menge wieder reduzieren
5. MCT-Fette, eignen sich nicht zum Braten
6. MCT-Fette erst kurz vor Verzehr den Speisen zugeben. Bei unsachgemäßer Verwendung bitterer Geschmack
7. MCT-Fette im Kühlschrank lagern.

FRÜHDUMPING

Symptome:
Völlegefühl meist direkt nach dem Essen, gefolgt von Durchfällen, Bauchschmerzen, Schweißausbrüchen und Kreislaufprobleme.

Maßnahmen: Zeit lassen zum Essen, nichts trinken zum Essen, nach dem Essen eine halbe Stunde mit der Flüssigkeitsaufnahme warten, kleine Mahlzeiten zu sich nehmen, nach dem Essen hinlegen (Oberkörperhochlage)

Erklärung: Der 5 m lange Dünndarm ist mit einem Garnknäuel vergleichbar. “Fällt” nun das Essen zu schnell in den Darm, sammelt es sich an einer beliebigen Kurve dieses “Knäuels” an und kann von alleine nicht mehr weiterfließen. Der Körper möchte die Nahrung weitertransportieren und reagiert, indem er Flüssigkeit in den Darm leitet, welche aus dem Kreislaufsystem stammt. Durch die Verdünnung des Speisebreis kann er besser weiterfließen (Bauchrumoren). Jedoch fehlt nun die Flüssigkeit im Kreislaufsystem und es kommt zum Blutdruckabfall. Damit der Druck im Kreislaufsystem aufrecht gehalten werden kann, muss das Herz schneller schlagen. Dadurch entstehen Hitzewallungen und Schweißausbruch.

SPÄTDUMPING

Symptome:
Schweißausbrüche, Schwächegefühl, Heißhunger, Kopfschmerzen, schneller Puls (meist etwa 1 ½ Stunden nach dem Essen, oft ist es das Frühstück)

Maßnahmen: nehmen Sie ein Plättchen Traubenzucker zu sich und im Anschluss eine halbe Scheibe Brot mit Honig oder Konfitüre und 30 Minuten später wieder eine Kleinigkeit (ein Obst, Joghurt, Kompott)

Erklärung: die aufgenommenen Zucker werden durch die (Teil-) Entfernung des Magens schnell in den Dünndarm transportiert und gelangen dadurch sehr schnell in die Blutbahn. Dadurch steigt der Blutzucker schnell an. Auf diesen raschen Anstieg antwortet Ihr Körper mit Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse. Durch dieses Insulin wird wiederum der Blutzucker sehr stark gesenkt, was eine Unterzuckerung zur Folge hat. Diese zu schnelle Senkung und die Unterzuckerung sind die Ursache für Ihr Unwohlsein. (Aber keine Sorge, Sie leiden nicht an dem bekannten Diabetes).
Die Häufigkeit des Spätdumpings nimmt im Laufe der Zeit ab, kann aber bei übermäßigem Verzehr von zuckerreichen Lebensmitteln immer wieder auftreten.
Große Mengen an zuckerhaltigen Produkten sollten Sie dementsprechend meiden:
Kompott mit Zucker, Kuchen, Eis, Malzbier, Weintrauben, Nuß-Nougat-Creme, Limonaden, Schokolade, Milchprodukte mit Früchten.

Speiseröhrenentzündung

Symptome: Sodbrennen, „Brennen“ im Brustbereich

Maßnahmen: beim Schlafen sollten Sie eine Oberkörperhochlage einnehmen (siehe Skizze). Legen Sie sich nicht nach einer Mahlzeit hin. Reisschleim mit säurebindenden Medikament

In horizontaler Lage können die Verdauungssäfte leicht in die Speiseröhre gelangen

Diese Position ist besser, belastet aber Ihre Wirbelsäule.

Die optimale Lage: Verdauungs-säfte gelangen nicht in die Speiseröhre und die Wirbelsäule wird geschont

Erklärung: Am Eingang und Ausgang des Magens befindet sich jeweils ein Verschlussmuskel, wodurch verhindert wird, dass aggressive Verdauungssäfte der Leber und Bauchspeicheldrüse in die Speiseröhre gelangen. Durch das Fehlen des Magens können diese Verdauungssäfte nun jedoch ungehindert in die Speiseröhre gelangen und Entzündungen hervorrufen. Die Speiseröhre schwillt an, und Sie können schlechter schlucken und es kann schmerzen. Dann kann es durchaus effektiv sein, Reisschleim vermischt mit einem Beutel des säurebindenden Medikaments Antacidum ( z. B.: Maaloxan, Riopan, o. ä.) zu sich zu nehmen. Hierzu wird 1 Eßl. Reisschleimpulver (Reformhaus, Bioladen, Apotheke) mit ein wenig Wasser verrührt und mit dem Inhalt eines Beutels Antacidum vermischt. Nach den Mahlzeiten und unmittelbar vor dem Zubettgehen sollten Sie 3 Eßlöffel dieses Gemisches einnehmen. Dadurch wird die Speiseröhre mit einem Schutzfilm ausgekleidet. Dass Sie während der Zeit, in der die Speiseröhre entzündet ist, besser keine zu scharfen, salzigen, sauren oder zu süße Speisen zu sich nehmen versteht sich von selbst.

Bauchspeicheldrüsenfermente

Sollten Sie ein Medikament mit Bauchspeicheldrüsenfermenten (z. B. Kreon, Panzytrat) einnehmen, ist nach einer Magenentfernung lediglich die Darreichungsform als Granulat hilfreich. Als Kapsel oder Filmtablette wird es durch die fehlende Magensäure nicht mehr aufgelöst und würde wirkungslos durch den Darm “wandern”.
Sollten Sie einmal aus Versehen Kapseln erhalten haben, so entfernen Sie die Kapselhülle und nehmen nur dessen Inhalt ein.

Vitamin B12

Bei totaler Magenentfernung muss lebenslang in regelmäßigen Abständen Vitamin B12 in Form von Spritzen dem Körper zugeführt werden . Sie wird das erste halbe Jahr i. d. R. monatlich, danach 1/4-jährlich gegeben.

Verträglichkeit

Entscheidend ist immer die Verträglichkeit! Bei ungeeigneten Lebensmitteln seien Sie vorsichtig und probieren Sie anfangs kleine Mengen. Wird das LM nicht vertragen, heißt das aber nicht, dass Sie es nie wieder zu sich nehmen können. Versuchen Sie es einige Tage später nochmals. Vielleicht war der Magen-Darm-Trakt schon gereizt oder überlastet und somit empfindlicher. Normalerweise wird nach einem Jahr fast alles wieder vertragen.

Chefarzt: Priv.- Doz. Dr. Dr. med. Walter Eckart Friedel

24.03.07

Ernährung nach teilweiser und vollständiger Magenentfernung
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