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Ambulante Magen- und Darmspiegelung

07.05.09.

Abbildung eines Magen- Darm Traktes

Shutterstock

Was muss man wissen? Worauf muss man achten?

Magen- und Darmspiegelungen sind aus der heutigen Diagnostik und Therapie nicht mehr wegzudenken. Bei der Magenspiegelung, der so genannten Gastroskopie, kann der Arzt die Speiseröhre, den Magen und Zwölffingerdarm von innen betrachten. Bei einer Darmspiegelung, der Koloskopie, wird der Dickdarm vom Anus bis zum Übergang in den Dünndarm untersucht. Die Untersuchungen erfolgen jeweils mit speziellen Endoskopen. Diese verfügen am Kopf über eine Lichtquelle und ein optisches System, das den Blick in das Körperinnere zulässt. In der Regel besitzen die Geräte eine Spül- und Absaugvorrichtung, ein Videosystem zur Bildübertragung auf einen Monitor sowie einen Arbeitskanal, durch den mikrochirurgische Instrumente eingeführt werden. Mit diesen lassen sich Biopsien – kleine Gewebeproben für eine mikroskopische Untersuchung – entnehmen oder therapeutische Maßnahmen wie das Abtragen von Polypen durchführen. Moderne Endoskope haben nur noch einen Durchmesser von weniger als einem Zentimeter und sind leicht einzuführen.

Dank spezieller Beruhigungsmittel, die vor der Untersuchung verabreicht werden können, sind Spiegelungen heute kaum noch mit Unannehmlichkeiten verbunden. Immer mehr Gastro- und Koloskopien werden deshalb ambulant durchgeführt. „Das ist für den Patienten angenehm und hat viele Vorteile“, sagt Prof. Dr. Gereon Börsch, Direktor der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie und Nephrologie des Elisabeth-Krankenhauses Essen, „aber es bedeutet auch, dass die Vor- und Nachsorge der Untersuchung in der Verantwortung des Patienten liegt. Er muss von seinem Arzt besonders gut aufgeklärt werden, denn es gibt rund um die Spiegelung einiges, was er wissen muss und worauf er unbedingt achten sollte.“

Gute Vorbereitung

Wird eine endoskopische Untersuchung ambulant in einer Klinik durchgeführt, erhalten die Patienten zuvor alle notwendigen Informationen, Verhaltensregeln und Unterlagen in einer speziellen Sprechstunde. Der Patient sollte bei diesem Gespräch den Arzt genauestens über all seine Erkrankungen, Gesundheitsstörungen sowie vorangegangene Operationen am Magen-Darm-Trakt informieren. Prof. Börsch: „Es empfiehlt sich, etwaige Vorbefunde sowie eine Liste der regelmäßig einzunehmenden Medikamente mitzubringen. Wichtig ist auch, dass wir über mögliche Allergien oder Überempfindlichkeiten auf Medikamente oder Desinfektionsmittel Bescheid wissen.“ Da bei der Spiegelung möglicherweise Biopsien oder Polypenentfernungen erforderlich werden, müssen gerinnungshemmende Medikamente ca. fünf Tage vorher abgesetzt werden. Natürlich geschieht dies in Absprache mit dem Hausarzt. Marcumar-Patienten erhalten dann häufig vorübergehend subkutane Anti-Thrombosespritzen. „Zwischen der letzten Spritze und der Untersuchung sollten mindestens zwölf Stunden liegen“, so Prof. Börsch. „Wichtig ist auch, den Patienten darüber zu informieren, dass auch bestimmte Schmerzmittel, die man ja nur bei Bedarf einnimmt, eine gerinnungshemmende Wirkung haben und deshalb vor einer Spiegelung tabu sind.

Personen mit einer krankhaften Störung der Blutgerinnung, beispielsweise Bluter, müssen ggf. vor einer Gastro- oder Koloskopie die fehlenden Gerinnungsfaktoren oder eine Bluttransfusion erhalten.“ Zum Untersuchungstermin ist jeder Patient verpflichtet, seine aktuellen Laborwerte, die Auskunft über seine Blutgerinnung geben und nicht älter als 14 Tage sein dürfen, mitzubringen.

Wie Kamillentee

Eine gründliche Reinigung des Darms ist die wichtigste Voraussetzung für eine aussagekräftige Koloskopie. Da der Weg der Nahrung durch den Magen-Darm-Trakt etwa 48 Stunden dauert, sollte man in diesem Zeitraum vor der Untersuchung besonders auf die Ernährung achten. Es empfiehlt sich, nur noch leicht verdauliche Speisen zu sich zu nehmen – also auf Vollkornprodukte oder Rohkost zu verzichten. Gemieden werden sollten auch Nahrungsmittel mit kleinen Kernen – z.B. Trauben, Beeren, Sesam.

Stuhlverhärtende Eisenpräparate sind nach Möglichkeit abzusetzen. „Ab dem Nachmittag des Untersuchungsvortages darf der Patient dann nur noch klare Getränke zu sich nehmen“, erläutert Prof. Börsch. „Bei Wasser sollte man freilich auf kohlensäurearmes zurückgreifen. Tee oder Kaffee darf weiterhin gesüßt werden. Auf Milch oder Sahne ist zu verzichten. Auch Fruchtsäfte ohne Fruchtfleisch sind noch gestattet. Am Untersuchungstag selbst darf dann nicht mehr getrunken werden.“ Die eigentlichen Abführmaßnahmen beginnen ebenfalls am Nachmittag vor dem Termin. Zur Reinigung des Darms kommen unterschiedliche Abführmittel und Spüllösungen in Frage. Der behandelnde Arzt wird einen genauen Trinkplan mit Zeitangaben für die Einnahme aushändigen. Üblicherweise müssen mehrere Liter abführender Spüllösung getrunken werden. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, sollte dies möglichst zügig geschehen. Besonderes wirkungsvoll ist es auch, sich während der Abführmaßnahme zu bewegen, d.h. herumzulaufen.

Ob die Lösung warm oder kalt getrunken wird, bleibt jedem selbst überlassen. Wer Probleme mit dem Geschmack hat, kann versuchen diesen zwischendurch mit kleinen Schlucken sehr saurer oder sehr süßer Getränke – z.B. Himbeer- oder Zitronensaft – etwas zu neutralisieren. Auch das Lutschen eines Bonbons kann hilfreich sein, es darf aber nicht verschluckt werden! Prof. Börsch: „In der Regel ist diese Abführmethode gut verträglich. Sollte es jedoch zu Kreislaufproblemen kommen, kann eine klare Brühe helfen. Eventuell können die Maßnahmen durch ein Klysma oder einen Einlauf erleichtert werden. Eine erfolgreich Abführmaßnahme ist daran zu erkennen, dass nur noch klare Flüssigkeit ohne feste Bestandteile – vergleichbar mit Kamillentee – ausgeschieden wird.“ Am Untersuchungsvortag können Medikamente abends nach dem Abführen eingenommen werden. „Wie es morgens vor der Spiegelung gehandhabt werden soll, besprechen Sie mit Ihrem Arzt“, so der Essener Gastroenterologe. „Der Abstand zwischen Medikamenteneinnahme und Untersuchung sollte mindestens zwei Stunden betragen.

Wir empfehlen jedoch, wenn möglich, Tabletten erst nach der Untersuchung zu nehmen. Wichtig zu wissen: Es kann sein, dass Ovulationshemmer – die so genannten Anti-Baby-Pillen – während einer Koloskopievorbereitung vom Körper nicht angemessen aufgenommen werden und daher ihre Wirkung unzuverlässig ist. Augentropfen oder Sprays kann man in der Regel wie gewohnt anwenden.“ Die Vorbereitung der Magenspiegelung ist weit weniger aufwändig: Vor einer Gastroskopie muss der Patient in der Regel nüchtern sein, d.h. er darf mindestens sechs Stunden vorher nichts essen. Klare Flüssigkeit ist aber bis zu zwei Stunden vorher noch erlaubt.

Wenn alles vorbei ist

Eine Spiegelung des Magens dauert in der Regel zehn Minuten, die des Darms etwa 20 Minuten. Im Anschluss daran kann der Patient in der Klinik in Ruhe ausschlafen. Sobald er wach ist, darf er gewöhnlich sofort wieder normal essen und trinken. Sollte allerdings bei einer Gastroskopie der Rachen örtlich betäubt worden sein, muss man damit noch zwei Stunden warten.

„Nachdem wir uns überzeugt haben, dass der Patient in guter Verfassung ist, kann er entlassen werden“, erläutert Prof. Börsch das weitere Vorgehen. „Da durch die verabreichten Beruhigungs- und Schmerzmittel allerdings sein Reaktionsvermögen bis zu 24 Stunden eingeschränkt ist, sollte er sich immer von einer erwachsenen Begleitperson abholen lassen. Autofahren und Tätigkeiten, die besondere Aufmerksamkeit erfordern – z.B. das Arbeiten an laufenden Maschinen – müssen an diesem Tag unterlassen werden. Auch sollte man jetzt keine wichtigen Entscheidungen treffen und möglichst auf Alkohol verzichten.“ Bevor der Patient nach Hause geht, wird er bereits über erste Untersuchungsergebnis informiert und bekommt Unterlagen für den Hausarzt ausgehändigt, dem die weitere Behandlung obliegt. Wurden Biopsien entnommen, dauert es etwa eine Woche, bis der Hausarzt den Befund erhält. „Da die Beruhigungsspritze auch dazu führen kann, dass an diesem Tag das Gedächtnis nicht so gut funktioniert, ist es sinnvoll, wenn ein Freund oder Familienangehöriger bei dem Abschlussgespräch dabei ist“, rät Prof. Börsch.

„Darm- und Magenspiegelungen zählen zu den risikoarmen Routineverfahren, bei denen es nur selten zu Komplikationen kommt. Nach der Untersuchung auftretende Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Heiserkeit oder Blähungen verschwinden nach einigen Stunden von selbst. Sollte es zuhause allerdings zu außergewöhnlichen Schmerzen, Kreislaufstörungen oder gar zu Blutungen kommen, ist es umgehend erforderlich, Kontakt mit der Klinik aufzunehmen.“

Nicht für alle geeignet

Trotzdem kommt nicht jeder für eine ambulante endoskopische Untersuchung in Frage. „Einer 85-jährigen, allein lebenden Frau mit Gehproblemen würden wir beispielsweise so etwas nicht zumuten. Wir dürften es auch gar nicht“, erklärt Prof. Börsch. „Der Gesetzgeber hat die Voraussetzungen für ambulante Eingriffe sehr genau geregelt. Zu einer ambulanten Untersuchung ins Krankenhaus darf nur kommen, wem die Durchführung einer solchen Maßnahme bei seiner gesundheitlichen Verfassung zugemutet werden kann, wer auch nach der Maßnahme zuhause angemessen überwacht werden kann und wer im Notfall rasch mit der Klinik Kontakt aufnehmen kann. Menschen mit schweren Begleiterkrankungen, Gebrechlichkeit, massiven psychischen Problemen oder unzureichender häuslicher Versorgung sollten Gastro- und Koloskopien vorzugsweise stationär durchführen lassen.“

Quelle: EKE

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