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Die Angst vor dem nächsten Schub

Mehr Therapiemöglichkeiten bei Multipler Sklerose

„Angefangen hat es bei mir mit einem Drehschwindel. Das hat sich aber wieder gegeben und dann hatte ich drei, vier Jahre Ruhe“, sagt Barbara Pospiech. Als schließlich Lähmungen auftraten, ging ihr damaliger Arzt zunächst von einer Migräne-Attacke aus. Aber die Symptome verdichteten sich weiter, im Jahr 1988 bestand kein Zweifel mehr. „Ich hatte vierteljährlich bis halbjährlich Schübe, wo ich immer stationär war. Meist lief es bei mir über die Beine und die Augen ab“, sagt die heute 55-jährige Frankfurterin. Sie sah doppelt, schon für kurze Strecken brauchte sie eine Gehhilfe.

Mit den Schüben ist es wie mit Erdbeben. Man weiß nie, wann sie kommen und wie heftig sie werden. Bei Pospiech kündigten sie sich meist über ein Kribbeln in den Beinen an, ein Taubheitsgefühl. Sie konnte den Boden nicht mehr spüren, als hätte sie Wattebällchen unter den Füßen. Sie stolperte. Wenn die Schübe voll da waren, verließ die Kraft sie komplett. Sie blieben meist etwa eine Woche. „Das war eine Zeit, wo ich nicht mehr wusste, wie es weitergehen könnte.“ Aber es ging weiter. Und es wurde besser. Der letzte Schub liegt inzwischen vier Jahre zurück.

„Das Arsenal an Therapiemöglichkeiten hat sich extrem vervielfältigt und verbessert“, sagt der Neurologe Prof. Dr. Heinz Wiendl. Da die Multiple Sklerose bei jedem Patienten anders ablaufe, sei es zwar schwer zu beurteilen, welche Therapie für wen die richtige sei. Dennoch hätten die letzten 15 Jahre erhebliche Fortschritte für Diagnose und Behandlung gebracht. Und nach Ansicht des Spezialisten von der Universitätsklinik Münster stehen weitere Verbesserungen bevor.

Barbara Pospiech musste ihren Beruf als Krankenschwester schon vor langer Zeit aufgeben. Auch kleinere Aushilfsjobs am Schreibtisch waren schließlich unmöglich, weil die Augen nicht mehr mitspielten. Wenn die einzelnen Schübe vorbei waren, gingen die Symptome nicht immer vollständig zurück. Häufig ist Pospiech von einer bleiernen Müdigkeit geplagt, der sog. Fatigue. „Der Körper fühlt sich an, als hätte man Schwerstarbeit geleistet, obwohl man das gar nicht hat. Man ist nicht mehr so belastbar“, sagt die 55-Jährige.

Therapien haben sich verbessert

„Früher galt diese Ein-Drittel-Regel“, erklärt Prof. Wiendl. „Ein Drittel der Patienten endete schwer behindert, ein Drittel beeinträchtigt, aber häufig noch berufsfähig, und einem Drittel war die Krankheit praktisch nicht anzumerken.“ Inzwischen habe sich diese Einteilung deutlich in eine positive Richtung verschoben. Einen vergleichsweise guten Verlauf nimmt die Erkrankung etwa bei der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Malu Dreyer, die auch Schirmherrin des Landesverbandes der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft ist. Abgesehen von Bewegungseinschränkungen ist sie eigenen Angaben zufolge in ihrer Arbeit als Ministerin in keiner Weise durch die Multiple Sklerose behindert.

Multiple-Sklerose-Patienten mit einem fast ganz normalen Berufs- und Privatleben sind längst keine Ausnahme mehr. Mit moderner Diagnostik könne die Krankheit heute früh und relativ präzise erkannt werden, sagt Prof. Wiendl. „Inzwischen geht man dazu über, sehr sehr früh immunmodulierend zu behandeln, damit sich die körpereigenen Immunzellen nicht mehr gegen das Nervensystem richten.“ Wenn die Schübe gar nicht erst auftreten, sinkt auch das Risiko für bleibende Schäden.

Quelle: BMS 1/2011

12.06.11

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