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Alle Bakterien im Haushalt abzutöten, ist überflüssig

06.01.10.

Hygiene-Regeln

shutterstock

Hausputz kommt ohne aggressive Reinigungsmittel aus

Bei vielen Menschen steht alljährlich mindestens ein Großreinemachen an. Ein ganzes Arsenal an Putzmitteln wird dann häufig aufgefahren. 15 verschiedene Reiniger hat jeder deutsche Haushalt im Schnitt gebunkert, für jede Oberfläche ein Spezialmittel. Bleichen, chloren, ätzen, so heißt es bei vielen nach dem Motto: Viel hilft viel. „Aber das ist nicht so“, sagt Dr. Michael Oertel, Allgemeinmediziner und Allergologe vom Ärzteverbund Medi Deutschland.

Was man zu einer gründlichen Reinigung wirklich brauche, könne man an vier Fingern abzählen. Im Prinzip reiche zunächst einmal eine mechanische Reinigung. Denn je mehr man scheuere und wische, desto weniger aggressive Reinigungsmittel brauche man hinterher. Ein milder Allzweckreiniger, ein Scheuermittel gegen den hartnäckigen Schmutz, ein Handspülmittel gegen das Fett und einen Reiniger mit Essig- oder Zitronensäure gegen den Kalk im Bad – mehr brauche kein Mensch, so der Medi-Experte.

Die aggressiven Reinigungsmittel seien sogar oft schädlich. Man könne sich dadurch Allergien einhandeln und Hautveränderungen wie z. B. Ekzeme. Unter Umständen könnten mit ätzenden Zusätzen versehene Reinigungsmittel auch die Schleimhäute schädigen und insbesondere Allergiker und empfindliche Menschen erheblich beeinträchtigen. Außerdem schädigten die Rückstände solcher Putzmittel z. B. biologische Kläranlagen und Gewässer. Deshalb, so Dr. Oertel, seien Desinfektionsmittel und antibakterielle Reiniger zwar im Krankenhaus unerlässlich, hätten aber im Privathaushalt nichts zu suchen.

Wenn man die entsprechenden Flächen mit milden Substanzen reinige und den Grundsatz beherzige, dass man vor Nahrungszubereitung, nach Nahrungszubereitung, insbesondere aber nach dem Gang zur Toilette, die Hände wasche, und zwar mit einer milden Seife eine halbe Minute unter fließendem Wasser, dann sei das vollkommen ausreichend. Man brauche nicht sämtliche Bakterien, die sich überall im Haushalt befinden abzutöten, das sei vollkommen überflüssig, so Oertel. Im Gegenteil brauche der Mensch sogar eine bestimmte
Anzahl von Bakterien und Mikroorganismen in seiner Umgebung. Denn diese aktivieren das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern, die jeder Mensch brauche. Man sehe es gerade bei Kindern: „Wenn diese in totaler Sterilität aufgezogen werden, dann haben die hinterher viel mehr mit allen möglichen Infektionen zu kämpfen als diejenigen, die halt mal im Dreck spielen und die nicht ständig dem Sauberkeitsfimmel ihrer überaktiven Mütter unterliegen.“

Der Experte rät: „Befolgen Sie grundlegende Hygiene-Regeln, waschen Sie sich regelmäßig die Hände und putzen Sie mit ganz normalen milden Reinigungsmitteln.“

Quelle: Medi Deutschland

Aus allergikus 3/2009

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