Zeitgemäße Behandlung bei Schilddrüsenkrebs
06.10.09.
Die Diagnose Schilddrüsenkrebs ist für den Betroffenen zunächst ein Schock. Doch in den meisten Fällen hat das Schilddrüsenkarzinom gute Heilungschancen. Voraussetzung ist eine möglichst vollständige Entfernung des befallenen Gewebes. Daher wird in den meisten Fällen die Schilddrüse ganz herausgenommen. Auch ohne dieses Organ ist für die Betroffenen ein Leben ohne Einschränkung möglich, wenn sie regelmäßig Schilddrüsenhormone einnehmen, da diese ja vom Körper nicht mehr produziert werden. Die Hormone sind lebensnotwendig für viele entscheidende Körperfunktionen und bestimmen, wie leistungsfähig und wohl wir uns fühlen. Doch schon während der Krebsbehandlung und auch während den Nachuntersuchungen muss bislang manchmal wochenlang auf die Einnahme der Schilddrüsenhormone verzichtet werden – mit teils gravierenden Auswirkungen für die Patienten. Hier verspricht ein zeitgemäßes Verfahren mehr Lebensqualität.
Nach der Entfernung der Schilddrüse wird in der Regel eine Radiojodtherapie durchgeführt, die so genannte Ablation. Denn auch bei gut verlaufenen Operationen bleibt oft noch Schilddrüsengewebe zurück, zudem können sich Metastasen des Schilddrüsenkarzinoms im Körper befinden. Die verbleibenden Zellen werden mit radioaktivem Jod zerstört. Dabei machen sich die Mediziner einen Trick zu Nutze: Schilddrüsenzellen speichern als einzige Zellen im Körper Jod, das sie als Treibstoff brauchen. Also lagert sich das zugeführte radioaktive Jod auch nur dort an und zerstört die Zellen punktgenau. Dazu muss jede Schilddrüsenzelle hungrig auf Jod gemacht werden. Diese Aufgabe übernimmt TSH (Thyreoidea (Schilddrüsen)-stimulierendes Hormon), ein Botenstoff, den die Hirnanhangdrüse ausschüttet und der die Jodaufnahme steuert.
Nur um TSH auf konventionelle Art zu produzieren, muss für mehrere Wochen das Schilddrüsenhormon abgesetzt werden. Der Körper signalisiert: „Ich brauche Jod!“ und schüttet verstärkt TSH aus. Für die Patienten ist das Absetzen der Hormone allerdings mit allen Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion verbunden. Sie fühlen sich matt, haben Müdigkeitsanfälle, können sich nur schlecht motivieren. Manche leiden unter Depressionen, andere unter Gedächtnis- und Konzentrationsmangel. Eine verlangsamte Nierenfunktion, Wassereinlagerungen, Verstopfungen und Bluthochdruck kommen dazu. Autofahren ist in der Regel nicht mehr gefahrlos möglich, familiäre Verpflichtungen leiden und an Arbeiten ist oft gar nicht zu denken.
Es gibt allerdings eine zeitgemäße, schnelle und schonende Alternative, die Schilddrüsenzellen jodhungrig zu machen: der TSH- Spiegel wird künstlich erhöht. Amerikanische Wissenschaftler haben diese Alternative entwickelt, das TSH durch zwei Spritzen zuzuführen. Der Fachbegriff ist rekombinantes humanes TSH, oder kurz rhTSH. Die Patienten können ihre Schilddrüsenhormone einnehmen und umgehen so wochenlanges Leiden. Zudem arbeitet die Niere ohne Einschränkungen und das radioaktive Jod wird schneller wieder ausgeschieden.
Auch in folgenden Nachsorgeuntersuchungen müssen die Patienten, die nach der herkömmlichen Methode behandelt werden, immer wieder durch quälende Phasen der Schilddrüsenunterfunktion. Zum einen, um die Genauigkeit der Untersuchung mit dem Tumormarker „Thyreoglobulin“ (Tg) zu steigern. Ergibt sich ein Anfangsverdacht, wird ebenfalls radioaktives Jod eingesetzt, um befallene Zellen aufzuspüren. In beiden Fällen muss der Patient erneut vier bis sechs Wochen ohne Schilddrüsenhormone auskommen. Eine bedrückende Aussicht für Menschen, die gerade ihren Weg in ein normales Leben zurück finden wollen. Auch in diesen Fällen ist das biotechnologische TSH zugelassen. Die Nachuntersuchungen werden so zu einer Routine, die nach wenigen Tagen vergessen sind und sich problemlos in den Arbeitsalltag integrieren lassen.
Weitere Informationen auf www.schilddruesenkrebs.de
Quelle: Genzyme GmbH, Neu-Isenburg
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