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Behandlungsleitlinien für Diabetes mellitus in Österreich

Behandlungsleitlinien für Diabetes mellitus in Österreich

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So wie die meisten internationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaften auf dem Gebiet der Diabetologie hat auch die Österreichische Diabetes Gesellschaft Leitlinien für Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus verfasst. Diese wurden in überarbeiteter und erweiterter Fassung im Jahr 2009 zum dritten Mal herausgegeben.

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In Leitlinien wird versucht, den derzeitigen Stand der Wissenschaft in Empfehlungen umzusetzen, die im klinischen Alltag das Management der Patientinnen und Patienten auf eine möglichst objektivierbare Basis stellen. Was hat nun eigentlich die Erstellung von Leitlinien immer notwendiger erscheinen lassen?

Grundlage: Evidenzbasierte Medizin

In der Vergangenheit war eine Behandlung nach den „Regeln der Kunst“ das, was als die Grundlage guten und verantwortungsvollen ärztlichen Handelns angesehen wurde. Diese Regeln der Kunst basierten sehr häufig auf den Ansichten meinungsführender Experten und waren daher ebenso häufig einerseits äußerst subjektiv und andererseits abhängig vom Informationsstand dieses Experten. Nun macht es aber die zunehmende Informationsflut in den medizinischen Wissenschaften immer schwieriger, auf dem aktuellen Stand des Wissens zu bleiben und entsprechend in Diagnose und Therapie zu handeln. Dies gilt nicht nur für den im klinischen Alltag tätigen Arzt, sondern auch für den wissenschaftlich tätigen Spezialisten.

Ein weiterer Punkt in der Entwicklung medizinischen Handelns, der den Weg zu Leitlinien beschleunigt hat, ist die sog. „Evidenz-basierte Medizin“ als Gegenentwurf zur Expertenmeinung. Kern dieser Evidenz-basierten Medizin ist, dass die jeweils beste verfügbare Evidenz, d. h., das beste verfügbare Wissen für Diagnose und Therapie herangezogen werden soll.

Resultat: Standards und Empfehlungen

Um nun sicherzustellen, dass dies möglichst unabhängig von den Umständen, unter denen medizinisches Handeln stattfindet, gewährleistet werden kann, wurden und werden nun Leitlinien zu vielen medizinischen Fachbereichen entwickelt. Zur Erstellung solcher Leitlinien werden Prozesse definiert, mit denen das derzeit verfügbare Wissen, das in Form wissenschaftlicher Veröffentlichungen vorliegt, zusammengefasst, strukturiert und bewertet wird. Dabei werden, je nach Fachgebiet, diese Aufgaben von mehreren unabhängigen Spezialisten wahrgenommen. An der Erstellung der Leitlinien der Österreichischen Diabetes Gesellschaft etwa haben 27 Kolleginnen und Kollegen aus der Fachgesellschaft mitgearbeitet. Das Resultat jeder Leitlinienerstellung sind Standards für die Diagnose, Therapieziele sowie eine Zusammenfassung und, wenn möglich, Empfehlung zu den therapeutischen Möglichkeiten.

Bedeutet nun die Existenz von Leitlinien das Ende der individuellen therapeutischen Freiheit oder das Ende der individuellen ärztlichen Entscheidung zum Wohle des Patienten? Ganz sicherlich nicht. Einerseits gibt es Bereiche in der Medizin, in denen eine eindeutig beste Therapie existiert. Hier bestand auch vor der Existenz von Leitlinien keine therapeutische Freiheit im Sinne einer möglichen Auswahl, sondern es gab diese eine beste Therapie. Ein Abweichen davon war eigentlich nur bei Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen vonseiten des betroffenen Patienten möglich und sinnvoll.

Vorgabe von Richtung, Ziel und Möglichkeiten

Auf der anderen Seite existieren aber auch Bereiche, in denen es mehrere Möglichkeiten zur Behandlung gibt, die entweder nachgewiesen gleichwertig sind oder aber für die es keine Evidenz, kein Wissen, über mögliche Unterschiede gibt. Hier ist es die Aufgabe von Leitlinien, eben dies strukturiert zusammenzufassen und darzustellen sowie den behandelnden Ärzten die bestehenden Möglichkeiten und ihre Gewichtung darzustellen. Die Leitlinien geben dabei Richtung, Ziel und Möglichkeiten vor. Die Entscheidung, welcher Weg gegangen wird, fällt aber dann individuell auf Basis der individuellen Situation jedes einzelnen Patienten und ist, im besten Fall, das Resultat einer gleichberechtigten Vereinbarung zwischen behandelndem Arzt und betroffenem Patienten.

Verbessert nun also die Existenz von Leitlinien an sich bereits die medizinische Versorgung im jeweiligen Fachgebiet? Diese Frage kann gar nicht so leicht beantwortet werden. Einerseits wäre die Antwort natürlich Ja, da ja nun wesentlich mehr Ärzten jenes umfassende Wissen zur Verfügung steht, über das vorher bestenfalls einige ausgewählte, hoch spezialisierte Experten verfügen konnten. Andererseits aber muss auch die klinische Konsequenz von Leitlinien in den klinischen Alltag, die Routine eingebunden werden. Änderungen von Routineabläufen sind jedoch individuell oft nur sehr mühsam zu erreichen.

Strukturierte Anleitung für klinischen Alltag

Hier können weitere Hilfsmittel, wie etwa sog. „Disease Management Programme (DMP)“, Unterstützung bieten, die strukturierte Anleitungen für den klinischen Alltag geben. In Österreich etwa existiert mit „Therapie Aktiv“ ein solches DMP für Typ-2-Diabetiker. In diesem DMP vereinbaren Patient und Arzt individuelle Therapieziele und Überprüfungen derselben mit der Perspektive einer umfassenderen Betreuung aller Facetten der Krankheit. Es stehen daher in Österreich mit den Behandlungsleitlinien der Österreichischen Diabetes Gesellschaft und dem DMP „Therapie Aktiv“ absolut zeitgemäße Mittel zur Verfügung, um eine optimierte Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus zu gewährleisten.

Quelle: Ratgeber Diabetes Österreich 2011

29.01.12

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