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Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Ergänzend zur Schulmedizin besteht bei vielen Patienten der Wunsch nach einer alternativen, d. h. einer anderen als der schulmedizinischen Behandlungsmethode, die ihnen hilft und dabei möglichst sanft mit dem Körper umgeht.

Zwar versprechen manche alternative Therapien, die MS zu bremsen, doch konnte dies bislang in wissenschaftlich untermauerten Studien für keine der Behandlungsformen nachgewiesen werden. Manche sog. „Therapien“ sind sogar gefährlich. Andererseits gibt es durchaus alternative Therapien, die bei MS auftretende Beschwerden lindern können, die Gesundheit nicht gefährden und von der Schulmedizin als komplementäre (zusätzliche) Behandlung empfohlen werden. Zudem forscht auch die „konventionelle“ Medizin über vielversprechende, für den Körper möglichst unschädliche Substanzen (z. B. Grüntee-Extrakt), die Betroffenen helfen können. Allerdings – darauf weist die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) ausdrücklich hin – sollte keinesfalls die schulmedizinische Behandlung der MS zugunsten einer alternativen Therapie unter- oder abgebrochen werden.

Therapien, die helfen können

Mit der MS gehen z. T. Beschwerden wie Schmerzen, Spastiken oder Fatigue einher, die die Lebensqualität einschränken. Einige Behandlungsformen können u. U. die Symptome lindern. Zu den alternativen Therapien, die u. a. auch in Rehakliniken zum Einsatz kommen, zählen verschiedene Entspannungsverfahren. Dazu gehören autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Qigong, Tai Chi, die Feldenkrais-Methode, Atemtherapie, Yoga u. v. m. All diese Verfahren haben zum Ziel, Stress abzubauen und i. d. R. sowohl die Muskeln des Körpers als auch den Geist zu entspannen. Gezielte Entspannung kann das Wohlbefinden steigern, u. U. werden in entspanntem Zustand Schmerzen als weniger quälend wahrgenommen. Wichtig für Menschen mit MS: Viele Entspannungsverfahren können selbst bei Bewegungseinschränkungen erlernt und eingesetzt werden. Wer es ausprobieren will: Einige gesetzliche Krankenkassen erstatten die Kosten für einen Kurs zum Erlernen einer Entspannungsmethode.

Auch Akupunktur und Akupressur, zwei Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin, können – professionell durchgeführt – zur Schmerzlinderung beitragen. Bei der Akupunktur soll der gestörte Energiefluss des Körpers durch das Setzen dünner Nadeln ins Gleichgewicht gebracht werden, bei der Akupressur durch das Drücken festgelegter Druckpunkte. Die Kosten muss der Patient i. d. R. allerdings selbst tragen.

Bei der Cranio-Sacral-Therapie (auch kraniosakrale Osteopathie) handelt es sich um eine manuelle Behandlung, eine Art Massage vor allem von Schädel und Kreuzbein, die auf die Rückenmarksflüssigkeit und damit auf den ganzen Körper positiv einwirken soll. Bei MS soll sie der DMSG zufolge u. U. zur Schmerzlinderung beitragen können. Die gesetzlichen Kassen tragen die Kosten für diese Behandlung nicht. Herkömmliche Massagen können ebenfalls Beschwerden lindern. Letztere verordnet bei Bedarf der Arzt.

Bei leichten Depressionen kann sich ein Versuch mit der Einnahme von Johanniskrautpräparaten lohnen. Auch die sog. S3-Leitlinie zur unipolaren Depression empfiehlt den Einsatz von Johanniskraut als ersten Therapieversuch. Allerdings ist darauf zu achten, dass es nicht zu unerwünschten Wechselwirkungen mit den MS-Medikamenten kommt. Auch eine gesteigerte Sonnenlichtempfindlichkeit zählt zu den Nebenwirkungen.

Vielversprechende Ansätze

Eine Substanz namens Epigallocatechin-3-Gallat, kurz EGCG, ein in der Natur vorkommender Stoff (Flavonoid), der in grünem Tee enthalten ist, scheint eine immunmodulatorische Wirkung zu besitzen. Wissenschaftler der Berliner Charité gehen davon aus, dass EGCG die Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen des Immunsystems schützen und positiv auf Fehlfunktionen des Immunsystems einwirken kann. Damit könnte die Substanz u. U. den Verlauf der MS abbremsen, vermutlich ohne größere Nebenwirkungen nach sich zu ziehen. Allerdings warnen sowohl die Forscher als auch die DMSG davor, Grüntee-Extrakt einzunehmen bzw. grünen Tee in größeren Mengen zu trinken, da bislang noch aussagekräftige Studien fehlen.

Auch Vitamin D scheint eine positive Wirkung auf die schubförmige MS zu haben. Darauf deutet eine kanadische Untersuchung von 2010 hin, die jedoch zu wenig Teilnehmer hatte, um aussagekräftige Ergebnisse zu erbringen. Eine norwegische Studie aus dem Jahr 2011, ebenfalls nicht aussagekräftig genug, kam hingegen zu dem Resultat, dass Vitamin D die Schubrate nicht senkte. Weitere Studien mit einer ausreichenden Teilnehmerzahl sind daher nötig, um exakte Ergebnisse zu liefern. Der Körper bildet Vitamin D unter der Einwirkung von ultraviolettem Licht – unter Sonneneinstrahlung – selbst. Wer täglich einige Zeit im Freien verbringt und zudem Nahrungsmittel verzehrt, die Vitamin D enthalten (z. B. Milch und Milchprodukte), leidet daher i. d. R. keinen Mangel an Vitamin D. Eine Überdosierung des Vitamins (z. B. durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln) hingegen kann u. U. gefährlich werden, u. a. kann sie zu Nierenschäden führen. Deshalb empfiehlt die DMSG Menschen mit MS, Vitamin D nicht eigenmächtig in größeren Dosen einzunehmen.

Vorsicht ist geboten

Neben den oben genannten alternativen Therapien, die Beschwerden lindern können, gibt es Behandlungsformen, die keinerlei Wirkung zeigen, und andere, die sogar schädlich sein können. So ist z. B. Reiki, einem Heilverfahren, bei dem der Reiki-Praktizierende Energie in den Körper des zu Behandelnden leiten soll, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gefährlich. Allerdings konnte bislang keine wissenschaftliche Studie positive Effekte auf die MS oder andere Erkrankungen feststellen.

Andere sog. „Therapien“ wie das Einpflanzen von Schweinegehirn in die Bauchdecke oder die Injektion von Bienengift hingegen können allergische Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock hervorrufen. Zu den alternativen Therapien, die potenziell gefährlich sein können, zählt die DMSG weiterhin die Injektion von Schlangengift, die ebenfalls allergische Reaktionen auslösen kann. Auch die sog. intrathekale Stammzelltherapie, bei der dem MS-Patienten aus dem eigenen Knochenmark gewonnene Stammzellen in den Rückenmarkskanal gespritzt werden und die im schlimmsten Fall zum Tode führen kann, gehört dazu. Genauso die Frischzellentherapie, bei der dem Patienten Zellen von Rinder- oder Schafsföten injiziert werden und bei der ebenfalls die Gefahr einer allergischen Reaktion besteht. Einen Überblick über weitere alternative Behandlungsformen, ihren Nutzen und ihre Risiken gibt die Multiple Sclerosis International Federation auf ihrer Webseite unter der Rubrik „Symptome und Behandlungen“.

Quelle: BMS 3/12

13.01.13

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