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Behandlungsstrategien bei Typ-1-Diabetes

Ohne Insulin geht es nicht: Der Typ-1-Diabetes wird durch die Zerstörung der Insulin produzierenden Beta-Zellen in den Langerhansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse verursacht. Daher muss der Typ-1-Diabetiker sein Leben lang Insulin von außen zuführen – meist geschieht dies durch eine Spritze oder einen Pen, es kommen aber auch Pumpen zum Einsatz.

Wichtig für den Typ-1-Diabetiker ist aber: Insulin ist nicht gleich Insulin. Vielmehr muss er beachten, dass es verschiedene Insulinarten gibt (siehe Infokasten) – danach richtet sich auch die Therapiestrategie. Dabei gibt es konventionelle und intensivierte Strategien, die im Folgenden aufgezeigt werden sollen.

Konventionelle Insulintherapie

Laut der aktuellen Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sollte diese eher starre Therapieform nur vorübergehend oder ausnahmsweise eingesetzt werden. Denn hierbei gelten feste Vorgaben – zum einen, was die Abfolge und Größe der Mahlzeiten, insbesondere den Kohlenhydratanteil, als auch die Insulindosis betrifft. Normalerweise spritzt sich der Patient zweimal am Tag, zum Frühstück und zum Abendessen, eine festgelegte Insulinmenge. Ein- bis zweimal täglich bestimmt der Patient zudem seinen Blutzucker. Die konventionelle Therapie kommt laut DDG-Leitlinie daher beispielsweise für Patienten infrage, die den Anforderungen an eine intensivierte Therapie nicht gerecht werden können, z. B. durch Krankheit oder Alter.

Intensivierte Insulintherapien

Hier gibt es mehrere Untertypen. Im Allgemeinen wird hierunter jedoch die mahlzeitenbezogene Insulintherapie nach dem Basal-Bolus-Prinzip, auch als funktionelle oder flexible Insulintherapie bekannt, verstanden. „Diese ist das Mittel der Wahl bei Typ-1-Diabetes“, erklärt Dr. Hans-Martin Reuter, niedergelassener Diabetologe aus Jena. Unterschieden wird hierbei zwischen Basalinsulin (basal bedeutet grundlegend), das eine lange Wirkdauer hat und den Blutzucker im Fastenzustand konstant halten soll, und prandialem Insulin (prandial = das Essen betreffend). Dies ist ein kurz wirksames Normalinsulin, das zu den Mahlzeiten gespritzt wird, um einen durch die aufgenommenen Kohlenhydrate ansteigenden Blutzucker wieder auszugleichen.

Wesentlich ist bei dieser Therapie, dass die Gabe von Basalinsulin und von prandialem Insulin strikt voneinander getrennt wurden. Diese durch mindestens drei Injektionen am Tag gekennzeichnete Insulintherapie erfordert größte Selbstständigkeit und Eigenverantwortung des Patienten, der den Blutzuckerwert selbst bestimmt und die Insulinmenge je nach Situation individuell dosiert. Zugleich ist dadurch aber auch eine wesentlich flexiblere Lebensführung möglich, da der Patient Mahlzeitengröße und -zeitpunkt selbst bestimmen kann.

Ein weiterer weniger flexibler Untertyp ist die intensivierte Insulintherapie mit starrer Insulindosierung. Hierbei wird zwar ebenfalls mindestens dreimal am Tag Insulin injiziert, die Insulindosis ist jedoch festgelegt, ebenso wie die Mahlzeitenabfolge. Zusätzlich kann jedoch präprandial, d. h. vor den Mahlzeiten, der Blutzuckerspiegel mit einem kurz wirkenden Insulin korrigiert werden. Auch hier sehen die Leitlinien vor, dass diese Therapie bei Diabetes Typ 1 nur vorübergehend zum Einsatz kommen sollte.

Insulinpumpentherapie/Kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII)

Die Insulingabe durch die Insulinpumpe mittels eines Katheters ist eine besondere Form der intensivierten Insulintherapie. Um den basalen und den prandialen Insulinbedarf zu decken, werden Normalinsulin oder sehr kurz wirkende Insulinanaloga verwendet. Die basale Insulinversorgung kann dabei weitaus detaillierter und genauer programmiert werden als durch mehrfache Injektionen, was laut DDG-Leitlinie vor allem Vorteile durch die gute Abdeckung des basalen Insulinbedarfs, z. B. nachts oder beim Sport, sowie durch die Konstanz der Insulinaufnahme einbringt – denn die Pumpe gibt kontinuierlich Insulin ab.

Zu den Mahlzeiten hat der Patient die Möglichkeit, eine zusätzliche Insulinmenge (Bolus) abzugeben. Der Patient ist dadurch im Tagesablauf wesentlich flexibler. Wichtig für den Erfolg der Pumpentherapie ist jedoch die Motivation und Zuverlässigkeit des Patienten. „Insulinpumpen eignen sich besonders gut für Kinder. Bei Erwachsenen ist es wichtig, dass der Patient den Blutzucker wirklich regelmäßig misst und compliant (therapietreu) ist“, verdeutlicht Dr. Reuter. „Ich denke aber, dass Pumpen in den nächsten Jahren großflächiger zum Einsatz kommen werden.“

Weitere Therapien, die erforscht werden, sind die Stammzelltherapie und die Bauchspeicheldrüsentransplantation. Und viele Diabetiker setzen ihre Hoffnung in ein sog. Closed-Loop-System – ein vollautomatisches Insulinabgabesystem, das sich selbst steuert. „Im Moment ist das noch Zukunftsmusik – aber irgendwann sicher möglich“, glaubt Dr. Reuter.

Insuline im Überblick

Es gibt zwei verschiedene Gruppen von Insulinen: die Humaninsuline und die Insulinanaloga. Zu den Humaninsulinen gehören die kurz wirkenden Normalinsuline und die lang wirkenden Verzögerungsinsuline (Basalinsuline), z. B. das sog. NPH-Insulin. Zudem gibt es kurz wirksame und lang wirksame Insulinanaloga. NPH-Insuline können mit Normalinsulin oder kurz wirksamen Insulinanaloga gemischt werden. Bezüglich der Wirkungsdauer lassen sich Insuline laut DDG-Leitlinie folgendermaßen aufteilen:

  • Normalinsulin: Wirkungseintritt: nach 30 Min., Wirkungsdauer fünf bis sieben Stunden
  • NPH-Insulin: Wirkungseintritt: nach 60–120 Min., Wirkungsdauer 12–16 Stunden
  • Mischinsulin Normal/NPH: Wirkungseintritt: nach 30–60 Min., Wirkungsdauer: 12–16 Stunden
  • kurz wirksame Insulinanaloga: Wirkungseintritt: nach 10–20 Min., Wirkungsdauer: zwei bis fünf Stunden
  • lang wirksame Insulinanaloga: Wirkungseintritt: nach 60–120 Min., Wirkungsdauer: ca. 20 Stunden
  • Mischinsuline kurz wirksame Analoga/NPH: Wirkungseintritt: nach 10–20 Min., Wirkungsdauer: 12–16 Stunden

Quelle: BD 3/11

11.10.11

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