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Bewegung bei COPD

Menschen mit der Diagnose COPD sind im Alltag körperlich oft wenig aktiv, da Anstrengungen schnell zu Atemnot führen. Dabei ist körperliche Schonung bei COPD kontraproduktiv. So zeigte eine wissenschaftliche Studie, dass ein Rückgang körperlicher Aktivität mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion und des Allgemeinzustands einherging.

Mediziner empfehlen Menschen mit COPD daher, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten regelmäßig zu bewegen bzw. Sport zu treiben, um die Lungenfunktion zu stärken oder zumindest auf gleichbleibendem Level zu halten und zugleich das körperliche Wohlbefinden zu verbessern. Eine auf dem Londoner Kongress der European Respiratory Society vorgestellte Studie der Universitäten Zürich und Amsterdam ergab, dass die Teilnehmer, die regelmäßig Sport trieben, innerhalb von fünf Jahren ein um 15 % verringertes Risiko aufwiesen, an einer Depression zu erkranken. Auch Angststörungen traten bei ihnen bedeutend seltener auf als bei Patienten, die sich nicht oder kaum bewegten.

Wie beginnen?

Oft starten COPD-Patienten in einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme mit dem körperlichen Training, doch auch diejenigen, die an keiner Reha teilgenommen haben, können ihren Arzt bitten, ihnen eine Verordnung für die Teilnahme am Lungensport auszustellen. Es ist sinnvoll, zunächst in einer Gruppe unter Anleitung und medizinischer Aufsicht die eigenen Grenzen auszuloten und nach und nach zu erweitern. Denn wer allein mit dem Training beginnt, überschätzt sich nur allzu leicht – die Erinnerung an das, „was man früher leisten konnte“, ist oft noch zu präsent. Die (häufige) Folge: An den darauffolgenden Tagen sind die Patienten zu erschöpft, um an Training zu denken, und allein der Gedanke daran, dass der körperliche Zustand nach dem nächsten Training sich erneut verschlechtert, führt vielfach dazu, dass die Betroffenen u. U. nicht nur die nächsten Tage mit dem Sport aussetzen, sondern gar nicht erst wieder anfangen.

In einer Lungensportgruppe oder – falls die nächste Lungensportgruppe zu weit entfernt stattfindet – u. U. auch in einer Koronar- oder anderen ärztlich betreuten Sportgruppe lernen COPD-Patienten, ihren Fähigkeiten nach zu trainieren und Ausdauer und Kraft nach und nach zu steigern. Sollten dennoch zwischenzeitlich Exazerbationen auftreten und sich die Lungenfunktion verschlechtern, lässt sich das Training an die veränderten Gegebenheiten anpassen. Wichtig ist es, am Ball zu bleiben, auch wenn es mal nicht so läuft, wie erhofft. Dabei unterstützt die Sportgruppe ihre Teilnehmer und es entsteht auch eine gewisse Verpflichtung, an den Sportterminen teilzunehmen. Es ist i. d. R. auch möglich, mit Hilfsmitteln, z. B. einem Rollator oder auch im Rollstuhl, am Training teilzunehmen. Denn auch COPD-Patienten mit Bewegungseinschränkungen profitieren von körperlicher Bewegung.

Ausdauer- und Krafttraining

Der Report der Global Initiative For Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) zu Diagnose, Management und Vorbeugung der COPD 2017 empfiehlt COPD-Patienten eine Kombination von Ausdauer- und Krafttraining, d. h. an einem Trainingstag wird die Ausdauer, an einem anderen die Kraft trainiert. Dabei ist zu beachten, dass das Ausdauertraining vor allem die Lungenfunktion stärkt, während Krafttraining vor allem die Muskulatur kräftigt. Letzteres ist jedoch auch für den Alltag von Bedeutung, etwa fürs Heben von Gegenständen. Beim Ausdauertraining kann zwischen Dauer- und Intervalltraining abgewechselt werden, je nachdem, ob der Patient das möchte und natürlich immer an die eigene Leistungsfähigkeit angepasst. Beim Dauertraining trainieren die Patienten über einen festgelegten Zeitraum in einer vorab individuell festgestellten Intensität, die fordert, aber nicht überfordert. Das Intervalltraining bietet den Vorteil, dass sich Belastungs- und Erholungsphasen abwechseln. So kann die Atemfrequenz nach einer Einheit, bei der sie sich bis zu einem vorher festgelegten Maß erhöht hat, wieder sinken und der Patient Kraft für die nächste Einheit schöpfen.

Gemessen an der sog. Borg-Skala, die misst, wie schwer die Atemnot ist, sollte die Intensität des Trainings in den ersten Wochen Borg 4 (recht schwere Atemnot) nicht übersteigen, später kann die Intensität bis zu Borg 6 (schwer) gesteigert werden – allerdings sollte höchstens bis zu dieser Belastungsgrenze und nicht darüber hinaus trainiert werden. Da Patienten sich anfangs leicht überschätzen, sollte diese Einteilung von einem Arzt vorgenommen werden.

Manche Menschen mit COPD wollen häufig zu schnell zu viel, weil sie sich davon größere Auswirkungen auf ihre Lungenfunktion erhoffen. Doch in den ersten zwei Wochen des Trainings reicht es aus, zweimal pro Woche zwischen 30 und 60 Minuten Sport zu treiben. Ab der dritten Woche sollte ein dritter Trainingstermin hinzukommen. Die Intensität des Trainings sollte sich – angepasst an die individuelle Leistungsfähigkeit – erhöhen.

Allein trainieren

Da sich Lungensportgruppen zwar regelmäßig, aber nicht unbedingt dreimal wöchentlich treffen, können (und sollten) COPD-Patienten auch allein (oder vielleicht auch mit Bekannten) trainieren. Fürs Ausdauertraining haben sich u. a. Heimtrainer bewährt. Ihr Vorteil gegenüber dem Radfahren im Freien: Sie werden nur so lange genutzt, wie der körperliche Zustand des jeweiligen Patienten es erlaubt. Beim Radfahren im Freien müssen COPD-Patienten immer auch Zeit für den Rückweg einplanen oder sich im Einzelfall abholen lassen. Weitere Ausdauersportarten sind Schwimmen oder Walken, also zügiges Gehen – mit oder ohne Walking-Stöcke. Auch Laufen gehört dazu, doch das ist nicht für alle COPD-Patienten geeignet. Spazieren gehen ist für manche COPD-Patienten stattdessen bereits ausreichend. Regelmäßiges Walken oder Spazieren gehen ist insofern sinnvoll, als dass auch zuhause oder bei Besorgungen Wege zu Fuß zurückgelegt werden müssen und dieses Training dazu beiträgt, die Mobilität zu erhalten.

Bei allen Sportarten, die nicht in der Gruppe oder zuhause, sondern im Freien ausgeübt werden, gilt es, einige Vorsichtsmaßnahmen vor dem Training zu treffen:

  • Den Angehörigen oder Bekannten mitteilen, wo man hingeht/-fährt und wann man etwa plant zurückzukehren.
  • Ein Mobiltelefon mitnehmen, um notfalls Hilfe rufen zu können.
  • Sich nicht überschätzen, sondern bei Bedarf eine oder mehrere Ruhepausen einlegen.
  • Ein Notfallset mit Medikamenten bei sich führen.
  • Genug zu trinken mitnehmen.

Neben Einzelsportarten, für die weder eine Trainingshalle noch eine besondere Ausrüstung benötigt wird, können COPD-Betroffene natürlich auch jede Sportart ausüben, die ihnen Freude macht, sofern sie sich dazu körperlich in der Lage sehen. Denn Spaß am Sport ist die wichtigste Voraussetzung, um über einen langen Zeitraum körperlich aktiv zu bleiben.

Quelle: allergikus 1/2017

27.07.17

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