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Eine Chance, die Liebe neu zu entdecken

Die Diagnose Multiple Sklerose hat alles verändert. Aber Veränderungen sind dem Leben immanent: Neue, spannende Wege tun sich auf und nach dem ersten Schock werden Sie lernen, diese Wege zu gehen – Sie dürfen nur eines nicht vergessen: Ihren Partner auf die Reise mitzunehmen.

Für viele ist genau das die größte Herausforderung, doch es lohnt sich, sie anzunehmen. Die Neuropsycho-Immunologie hat erkannt, dass unsere Gedanken und Gefühle die Abwehrreaktionen unseres Körpers und damit den Krankheitsverlauf beeinflussen. Eine funktionierende Partnerschaft schafft mehr als alles andere die Basis für die lebenbejahende psychische Einstellung, die zur Krankheitsbewältigung beiträgt, während Isolation oder Konflikte an den Kräften zehren, die Sie gerade jetzt brauchen. So naheliegend es auch ist, dass in dieser Situation zu allererst der Gesunde gefragt ist, dem Kranken zu helfen: Die Realität zeigt, dass es oft genug umgekehrt ist.

Eine schwere Krankheit belastet die Beziehung. Und manchmal ist es für den Betroffenen selbst einfacher, die Tatsachen zu akzeptieren, als für den Außenstehenden – das Ausgeschlossensein ist für ihn das Problem, das hilflose Mitfühlen, die Ratlosigkeit, die Sorge um den geliebten Menschen. Egal, welche Signale Sie setzen, können sie die Kommunikation erschweren: Leiden Sie offensichtlich unter den Symptomen der Multiplen Sklerose, traut sich der Partner möglicherweise nicht, Sie anzusprechen. Wirken Sie dagegen einigermaßen ausgeglichen und äußerlich gesund, wird er vielleicht gar nicht die Notwendigkeit sehen, sich mit Ihnen über Ihre Probleme zu unterhalten. Aus dem gegenseitigen Schweigen wird so oder so Einsamkeit entstehen, die in Aggression mündet und den Teufelskreis von Verständnis- und Sprachlosigkeit verstärkt.

Es wird also vermutlich bei Ihnen liegen, auf den Menschen, der Ihnen nahe steht, zuzugehen, über Ihre Sorgen und Hoffnungen zu sprechen, um ihm zu zeigen, dass er gebraucht wird und in welchem Maße. Häufig ist es für Angehörige schwierig zu differenzieren, wie viel Unterstützung der Erkrankte tatsächlich braucht und inwieweit er selbst die Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen möchte. Schwierig auch zu entscheiden, wie die Hilfe aussehen soll. Die alten Verhaltensmuster, die sich in den Alltag eingeschlichen hatten und ihn bisher so unkompliziert gemacht haben, werden sich z. T. sicher auflösen. Ergreifen Sie die Chance, sie durch neue Strukturen zu ersetzen, – in jeder Beziehung gibt es ja das ein oder andere, das einen schon länger gestört hat. Und bei den Dingen, die Ihnen wichtig sind, sollten Sie Ihren Partner behutsam anleiten, sie in Ihrem Sinne zu erledigen. Plötzlich steht er in der Küche und versucht sich ungeschickt an Ihrem Lieblingsgericht? Geben Sie ihm Ihr Rezeptbuch an die Hand. Im Herbst steht ihre Partnerin erstmals mit der Heckenschere da und versucht den Garten winterfest zu machen? Sagen Sie ihr gleich zu Anfang, dass sie zwar die Hainbuche, aber unter keinen Umständen den Bambus einkürzen darf. Vermutlich ist der Partner für liebevolle Ratschläge dankbar, aber denken Sie auch daran, keine zu hohen Anforderungen zu stellen. Es muss nicht immer alles perfekt sein.

Und vergessen Sie nicht das wichtige Bindeglied einer Beziehung: die Erotik. Ängste, Sorgen und manche Symptome Ihrer Krankheit werden Ihnen möglicherweise erst einmal die Sexualität verleiden, vielleicht dominiert dafür das Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit. Der Partner an Ihrer Seite wird wahrscheinlich gehemmt sein, weil er nicht weiß, ob und wie er sich Ihnen nähern darf. Sprechen Sie offen darüber, äußern Sie Ihre Wünsche und ergreifen Sie auch hier die Chance, sich wie am ersten Tag neu zu entdecken. Wenn Sexualität in Ihrer Beziehung früher wichtig war, wird sie es ganz von allein wieder werden und Ihnen die Lebensfreude und Energie zurückgeben, die Sie jetzt so dringend benötigen.

Quelle: BMS 1/2011

11.05.11

Ich habe Multiple Sklerose
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