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Protein aus Bakterien bekämpft Darmkrebs

29.07.10.

Neue Therapieansätze

shutterstock

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in Deutschland:
39.000 Männer und 34.000 Frauen erkranken jedes Jahr neu daran. Die Heilungschancen liegen im Durchschnitt bei 60 Prozent. Nun gibt es einen neuen, viel versprechenden Therapie-Ansatz: Forscher von der Medizinischen Hochschule Hannover haben eine Substanz aus Bakterien identifiziert, die Darmtumoren bekämpft. Derzeit läuft das Zulassungsverfahren, um den Wirkstoff in Zukunft als Medikament einsetzen zu können. Im Rahmen ihres Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramms hat die Deutsche Krebshilfe dieses Projekt mit insgesamt rund 660.000 Euro unterstützt.

Die Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krebserkrankungen ist ein wichtiges Ziel der aktuellen Krebsforschung. Um eine gezielte Therapie gegen Darmkrebs zu finden, hat das Team um Professor Dr. Nisar Malek rund 200 Naturstoffe und mehrere Tausend synthetische Substanzen getestet. Malek leitet eine Arbeitsgruppe am Institut für Molekularbiologie und der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Im Experiment fiel Argyrin, ein Protein aus so genannten Myxobakterien, besonders auf. „Myxobakterien haben sich bereits als wahre Fundgrube für mögliche Medikamente gezeigt, beispielsweise gegen Brustkrebs“, betont Malek. „Von Argyrin war jedoch bisher nur bekannt, dass es das Immunsystem hemmt.“ Nach den neuen Erkenntnissen der Forscher kann dieser Wirkstoff aber auch in der Krebstherapie eingesetzt werden: Er stoppt das Tumorwachstum und löst das Signal zum freiwilligen Selbstmord der Krebszellen aus.

Argyrin greift in den fein abgestimmten Mechanismus der Zellteilung ein, der durch das Protein p27 gesteuert wird. p27 ist in allen gesunden Zellen vorhanden und wirkt als Zellteilungsbremse. In vielen Tumorzellen ist dies anders: Die bösartig veränderte Zelle bekommt das Signal, p27 abzubauen.

Damit ist die Bremse gelöst und die Zelle teilt sich unaufhörlich. „Die Überlebensraten von Krebs-Patienten sind besonders schlecht, wenn in ihren Krebszellen wenig oder kein p27 vorzufinden ist“, sagt Malek. Der Wissenschaftler hat diesen Zusammenhang bei Patienten mit Dickdarm-, Eierstock-, Prostata-, Blasen- und Speiseröhrenkrebs beobachtet. „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass der Abbau von p27 insbesondere beim Entstehen von Darmkrebs sehr bedeutend ist“, fasst Malek zusammen. „Im Vergleich zur standardmäßig eingesetzten Chemotherapie hat Argyrin deutlich geringere Nebenwirkungen“, so Malek. „Es löst beispielsweise keine Durchfälle aus.“ Ein weiterer Vorteil ist, dass Argyrin gezielt die Blutgefäße angreift, die einen Tumor versorgen. Diese Wirkung ist neu: Bisher gibt es nur Medikamente, die verhindern, dass neue Blutgefäße im Tumor gebildet werden. Die Ergebnisse werden Krebs-Patienten schon bald zu Gute kommen, denn Argyrin wurde kürzlich zum Patent angemeldet. Derzeit läuft das Zulassungsverfahren für den therapeutischen Einsatz.

Die Forschungstätigkeit erfolgte in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Markus Kalesse von der Leibniz Universität Hannover und Dr. Ronald Frank vom Helmholtz Zentrum für Infektionskrankheiten in Braunschweig. Mit insgesamt 664.000 Euro hat die Deutsche Krebshilfe dieses Projekt über fünf Jahre unterstützt. Im Rahmen des Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramms fördert die gemeinnützige Organisation junge, exzellente Nachwuchswissenschaftler, die nach einem Auslandaufenthalt als Postdoktorand wieder nach Deutschland zurückkehren und eine eigene Arbeitsgruppe gründen möchten. Das Programm ist benannt nach Professor Dr. Max Eder. Der ehemalige Direktor des Pathologischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität in München war lange Jahre Vorsitzender des Medizinischen und des Wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Krebshilfe.

Quelle: Deutsche Krebshilfe e. V.

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