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Persönliche Erfahrungen mit Diabetes

Aus meiner Sicht ist es günstig für andere und vor allen neu erkrankte Diabetiker, wenn sie von den Erfahrungen anderer Diabetiker mit dieser Krankheit lesen können. Aus diesem Grunde möchte ich meine persönlichen Erfahrungen mit dem Diabetes berichten.

Eigentlich sind Diabetiker nicht krank, sondern „bedingt gesund“ – sofern sie sich an die gegebenen Bedingungen halten. Hier ist also meine Lebensgeschichte:

Ende 1955 im Alter von 13 Jahren wurde bei mir vom Hausarzt Diabetes festgestellt und ich in die Klinik eingewiesen. Von Anfang an bekam ich Spritzen mit Insulin, da mein Diabetes als Typ I benannt wird. Es ist ein „Insulin-Mangel-Diabetes“, der mit Tabletten nicht behandelt werden kann.
Von meinen Eltern habe ich erfahren, dass der Großvater meiner Mutter Diabetiker gewesen ist, allerdings Typ II (= Altersdiabetes).

Ich besuchte seit 1953 das Gymnasium und hatte schon damals den Wunsch, später Lehrer zu werden. Da aber meine Eltern meinten, dass dieser Beruf für mich als Diabetiker nicht mehr möglich sei, verließ ich nach der mittleren Reife das Gymnasium und erlernte den Beruf eines Kaufmanns im Groß- und Außenhandel. Doch mein alter Berufswunsch blieb, so dass ich nach Vollendung der Volljährigkeit auch gegen den Willen meiner Eltern das Abendgymnasium besuchte, die Aufnahmeprüfung an der Pädagogischen Hochschule ein Jahr vor dem Abitur bestand und 1966 mein Studium aufnahm.

Während meines gesamten Lebens von 1954 bis 1969 habe ich das Essen für meine Mahlzeiten nach Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten im Voraus notiert und berechnet. Das Essen wurde auch von mir bzw. meiner Mutter genau abgewogen. In der Gegenwart und seit meinem Aufenthalt in einer Diabetes-Klinik 1997 werden nur noch die Kohlenhydrate berücksichtigt. Ebenso spritzte ich zweimal täglich Insulin.

Vor dem Abschluss der 1. Lehrerprüfung 1969 erkundigte ich mich bei der Bezirksregierung wegen meiner Einstellung und erfuhr, dass ich nur im Angestelltenverhältnis als Lehrer eingestellt werde.

Zur Überprüfung meiner Einstellung des Diabetes und bevor ich 1969 heiratete, ließ ich mich in eine Diabetes-Klinik einweisen. Während der 14-tägigen Dauer wurden alle Diabetiker zu einem Augenarzt gebracht. Das Ergebnis musste ich akzeptieren: Bei mir wurden erste diabetische Veränderungen am Augenhintergrund festgestellt und in dem ärztlichen Gesamtergebnis notiert.

Wenn ich aber feststellen kann, dass bis einschließlich 1985 alle weiteren Augenärzte, die ich später besuchte, nichts an Schädigungen am Augenhintergrund bei mir feststellen konnten, kann ich nur zu dem Schluss kommen: Für diesen Arzt musste nach 14 Jahren Diabetes „pflichtmäßig“ etwas festzustellen sein. Er hat mir allerdings damit meine optimale berufliche Laufbahn verdorben.

Nach diesem Ergebnis ging ich nicht in den Schuldienst, sondern 1969 als Forschungsassistent an eine Universität in Nordrhein-Westfalen und studierte gleichzeitig dort zum Diplom in Pädagogik mit sehr gutem Ergebnis.

Da meine Ehefrau kein Stadtmensch ist, schlug ich das Angebot einer Promotion aus und wir zogen 1972 zurück nach Niedersachsen. Wegen der eigentlich normalen Verbeamtung als Lehrer habe ich – auch mit gewerkschaftlicher Hilfe – Einspruch gegen die Verweigerung durch die Bezirksregierung einzulegen versucht. Das ärztliche Ergebnis von 1969 ließ jedoch keine Änderungen zu.

1985 ließ ich mich in einer anderen Diabetes-Klinik untersuchen, auch an den Augen. Es wurden keine „Spätschäden“ durch den Diabetes festgestellt – und ich wurde 1986 verbeamtet. Seit 2006 bin ich Pensionär.

2001 ließ ich mir von einem anderen Arzt ein Rezept für mein Insulin ausstellen. Er sah in der Rinderseuche BSE eine Gefahr für mich, da dieses Insulin von Rindern gewonnen wurde. Außerdem sei die Entwicklung beim Insulin inzwischen drei Generationen fortgeschritten.

Deshalb wurde ich nach einer Hypoglykämie im Mai 2001 ambulant auf ein neues Insulin umgestellt, das ich nun nach jeder Mahlzeit spritzen muss. Zusätzlich gebe ich mir abends noch eine weitere Infusion mit einem anderen Insulin.

Die häufige Spritzerei ist keine Freude und ich bedaure eigentlich die Insulin-Umstellung. Ich spritze im Allgemeinen nach den Mahlzeiten, weil es bei Mahlzeiten in Hotels, Gaststätten und bei familiären Feiern außerhalb der eigenen Wohnung schwierig ist, die Menge der Kohlenhydrate vorher einzuschätzen. Wenn man sich an einen vernünftigen Rhythmus gewöhnt hat, sollte man auch dabei bleiben.

Meinen Blutzucker teste ich selbst täglich mindestens dreimal (morgens, vor dem Abendessen und vor der abendlichen Insulin-Injektion), weil ich die Insulinmenge anpassen muss. Die Blutzuckerwerte liegen meistens zwischen 60 und 90 mg/dl. Bei einem Wert von 40 mg/dl merke ich noch überhaupt nichts. Ich habe sogar schon einen Wert von 22 mg/dl gehabt, aber ebenso Werte von über 400 mg/dl, ohne davon etwas zu spüren. Bei den Zuckerwerten darf nicht übersehen werden, dass sich alle Erkrankungen (Schnupfen, Husten, Harnwegsinfektion, Zahnschmerzen) und auch Stress mit erhöhten und sogar richtig hohen Werten auswirken. Meine etwa alle 10 bis 12 Wochen ermittelten HbA1c-Werte gelten als sehr gut. Der letzte war 6,9.

Ein Koma hatte ich noch nie und ich kenne den Begriff „Koma“ nur als Bezeichnung für eine Bewusstlosigkeit bei zu hohem Zucker. Hypoglykämien – bekannt unter dem Namen „Zucker-Schock“ – sind dagegen auch bei mir keine besondere Seltenheit. Am schnellsten hilft bei mir dann das Trinken von Apfelsaft. Meine letzte schwere Hypoglykämie hatte ich im Juli 2008 in Österreich, so dass ich von den Bekannten zur Vorsicht ins Krankenhaus eingeliefert wurde. An zweiten Tag danach wurde ich wieder entlassen. Schwere Folgen einer Hypoglykämie sind mir persönlich – zum Glück – nur aus der Literatur bekannt.

Herbert F.
(vollständiger Name ist der Redaktion bekannt)

10.08.10

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