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Erfahrungsbericht: Seit 26 Jahren Diabetes Typ 1

Ich habe seit 26 Jahren Diabetes, schlage mich also seit ich 8 Jahre alt bin mit Spritzen, Blutzuckermessgeräten und ewig aufgeweichten Traubenzuckerstückchen in meinen Taschen herum. Vor 26 Jahren gestaltete sich der Umgang mit der Krankheit allerdings noch etwas anders als heute. Glücklicherweise war meine Mutter Krankenschwester und so lernte ich den Umgang mit den Spritzen, Kanülen uns Ampullen recht zügig.

Als Kind ist man was die Lernfähigkeit betrifft auch etwas flotter als Erwachsene. Spritzen übte ich damals an Orangen um den genauen Winkel zu treffen, wie ich mir die Spritze setzen sollte. Der Begriff Orangenhaut liegt allerdings heute etwas näher als damals. Das Essen gestaltete sich damals etwas schwieriger und mühseliger als heute. Zum einen bekommt man natürlich mit der Zeit Routine und die ersten Jahre wogen meine Mutter und ich jede Scheibe Brot, jeden Apfel ab, um die genauen Broteinheiten zu bestimmen.

Diät Limonaden oder Joghurts gab es 1980 noch nicht oder nur in Reformhäusern, also mischte meine Mutter aus frisch gepressten Zitronen oder Orangen mit Mineralwasser Getränke zusammen. Schmackhaft ist anders! Zu der damaligen Zeit galt noch die strenge Regel, das Diabetiker gänzlich auf Zucker zu verzichten haben, d.h. dass wir noch nicht einmal ein Glas Gewürzgurken oder Mayonnaise kauften, in dem an 5 oder 6 Stelle Zucker angegeben war. Mayonnaise wurde also auch selber gemacht. Aufwendig, aber nicht schlecht. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Produkte auf den Markt, die endlich auch im normalen Supermarkt erhältlich waren, so dass sich der Einkauf und das Essen einfacher gestalteten. Und die strengen Regeln lockerten sich nach diversen Studien auch zunehmend.

Die Gerätschaften für Diabetiker, z.B. Blutzuckerteststreifen wichen den viel genaueren Blutzuckermessgeräten und „Schweine- oder Rinderinsulinen“ den genetisch hergestellten Insulinen.

Als ich in der Pubertät nach einer Zuckerentgleisung im Krankenhaus an einer Schulung für Typ 1 teilnahm wurde ich in die neuen „revolutionären“ Erkenntnisse der Diabetesforschung eingeweiht. Unglaublich aber wahr: „Ich darf Snickers essen ohne Unterzucker zu haben!!!“ Nach neuesten Erkenntnissen waren die wundervollen Lebensmittel, die all die „normalen“ Menschen tagtäglich zu sich nehmen durften und die mir jahrelang verwehrt waren, nun auch endlich für mich zugänglich. Die damals so genannte „schwarze Liste“ gab eine Anleitung zur Berechnung von Süßigkeiten, Fertigpizzen, normal gezuckerten Joghurts usw.

Hätte meine Mutter nicht „den Daumen drauf“ gehabt, hätte ich wahrscheinlich staubsaugerartig sämtliche Süßigkeiten-Regale in den Supermärkten geleert und mir dafür enorm hohe Insulindosen gespritzt. Aber im Laufe der Jahre wird ja fast alles zur Normalität und die erste Euphorie und der Heißhunger bewegen sich irgendwann in normale Bahnen.

Die nächste erfreuliche „Erfindung“ war die Einführung des „Pens“. Endlich keine Spritzen und Kanülenberge mehr. Endlich nur noch ein Gerät, in der die Ampulle schon integriert ist. Gerade in der Pubertät hat man als Teenager natürlich keine Lust in der Schule oder auf Partys sein „Spritzbesteck“ auszupacken. Mit dem Pen ging man dann halt mal eben schnell auf die Toilette.

Später war es eigentlich kein Problem mehr. Freunde, Verwandte und Bekannte hatten da für meine Äußerungen wie: „Ich geh mir mal eben einen Schuss setzen“ oder „Ich muss mal gerade fixen“ höchstens ein müdes Lächeln übrig. Für Unbekannte war es meist nur ein kurzer Schockmoment bis ich dann denn Pen auspackte und je nach Situation auch mal direkt an Ort und Stelle mir durch die Jeans spritzte.

Heute kennt eigentlich fast jeder einen Diabetiker in seinem Umfeld oder hat zumindest davon gehört, so dass eigentlich nur bei der ersten Begegnung ein paar interessierte Fragen kommen. Das Leben mit Diabetes ist heutzutage fast völlig problemlos. Natürlich muss man regelmäßig Blutzucker messen, spritzen und darauf achten, was man isst, aber wenn man länger mit der Krankheit lebt, läuft das alles fast automatisch. Generell muss man sich kaum einschränken, denn eine gesunde Lebensweise wird schließlich auch jedem „normalen“ Menschen angeraten.

Biggi

01.09.06

Erfahrungsbericht: 26 Jahre Diabetes Typ 1
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