Forscher der Universität Zürich haben eine neue Therapie gegen die Volkskrankheit Nummer 1 entwickelt und diese erfolgreich an Patienten erprobt. Die Therapie bekämpft die Ursache des Diabetes und kann anscheinend erstmals das Fortschreiten der Krankheit bremsen. Die Studie von Prof. Marc Donath erschien im renommierten New England Journal of Medicine.
Diabetes Typ 2 ist mit einer epidemieartigen Zunahme der Anzahl von Patienten zu einem großen Gesundheitsproblem geworden. Zurzeit zählt man weltweit 246 Mio. Diabetiker und rechnet mit einer Zunahme auf mindestens 380 Mio. Kranke binnen 20 Jahren. Fast die Hälfte der Patienten ist zwischen 40 und 59 Jahren alt. Wirksame neue Therapien, die nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch das Fortschreiten der Krankheit und ihrer Komplikationen mit einer möglichst sicheren und einfachen Medikamentenverabreichung verhindern, sind dringend notwendig.
Bei Diabetes Typ 2 führt das Überangebot an Nährstoffen, vor allem von Glukose, zu einem Versagen und Absterben der Insulin produzierenden Zellen. Die Arbeitsgruppe um Donath konnte zeigen, dass der Vermittler dieses Versagens ein Molekül namens Interleukin-1-Beta ist. Basierend auf dieser Erkenntnis setzten die Forscher ihre Arbeit mit dem Versuch fort, diesem Interleukin-1-Beta entgegenzuwirken. Vor drei Jahren initiierten sie eine Studie an 70 Patientinnen und Patienten in Zusammenarbeit mit einer Forschungsgruppe am Steno Diabetes Center in Dänemark. In einer placebokontrollierten Studie erhielt die eine Hälfte der Patienten einen Blocker von Interleukin-1-Beta und die andere Hälfte ein Placebo. 39 Patientinnen und Patienten wurden in Zürich und 31 in Dänemark behandelt.
Bei den therapierten Patienten zeigte sich bereits nach einer Woche eine deutliche Besserung des Blutzuckerstoffwechsels, die während der gesamten Studiendauer von drei Monaten anhielt. Die neue Therapie wurde außerordentlich gut toleriert, bis auf eine leichte und vorübergehende Rötung an der Einspritzstelle. Erfreulicherweise wurde nicht nur die Insulinproduktion verbessert, sondern es wurden auch spezifische Entzündungsfaktoren gehemmt, die auch für Komplikationen von Diabetes (z. B. im Herz-Kreislaufbereich) eine Rolle spielen. Somit wurde an Patienten der Beweis erbracht, dass die Blockierung von Interleukin-1-Beta den Diabetes Typ 2 bessert.
Diese Entdeckung eröffnet mehrere attraktive Perspektiven: Zum ersten Mal kann durch die Blockierung eines ursächlichen Faktors der Krankheit deren Fortschreiten gebremst werden. Zudem kann auf diesem Weg auch anderen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die mit Diabetes häufig einhergehen, vorgebeugt werden. Es existieren bereits Langzeit-Interleukin-1-Beta-Blocker, die es erlauben sollen, den Diabetes anstelle der mehrmals täglichen Medikamenteneinnahme mit ein- bis dreimonatlichen Spritzen zu behandeln.
Quelle: UniversitätsSpital Zürich
aus Befund Diabetes 4/2007
15.12.07