- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Stoffwechselerkrankungen - Diabetes mellitus - Ernährung - Glykämischer Index (GI) von Lebensmitteln: Wie schnell geht der Zucker ins Blut?

Glykämischer Index (GI) von Lebensmitteln: Wie schnell geht der Zucker ins Blut?

Foto: Tipps zum glykämischen Index bei Diabetes mellitus

Foto: Shutterstock

Blutzuckeranstieg: Das Wissen um den Glykämischen Index (GI) von Nahrungsmitteln hat in der letzten Zeit zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Kohlenhydrate aus verschiedenen Lebensmitteln gehen unterschiedlich schnell ins Blut. Der GI bewertet die blutzuckersteigernde Wirkung kohlenhydratreicher Lebensmittel. Mit dem richtigen Know-How bezüglich der Auswahl von Lebensmitteln mit niedrigem GI können Typ 1- und Typ 2-Diabetiker von einem niedrigen Blutzuckerspiegel und besseren HbA1c-Werten profitieren.

- Anzeige -

Eine vernünftige Ernährung, wie sie jedem Menschen empfohlen wird, soll täglich Gemüse, Salat, frisches Obst, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Milch- und Vollkornprodukte enthalten. Das Geheimnis der gesunden Ernährung liegt vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln, den sog. Kohlenhydraten.

Woraus bestehen Kohlenhydrate?

Kohlenhydrate bestehen aus unterschiedlich langen Zuckerketten (Einfach-, Zweifach- und Vielfachzucker), die mithilfe der Verdauung in den kleinsten Baustein, den Traubenzucker, gespalten werden. Anschließend gelangt dieser in die Blutbahn und der Blutzuckerspiegel steigt an. Mit Insulin behandelte Diabetiker verwenden zur Berechnung der blutzuckerwirksamen Kohlenhydrate die Broteinheit (BE).

Es ist schon lange bekannt, dass kohlenhydrathaltige Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel langsam ansteigen lassen, für Menschen mit Diabetes besonders geeignet sind. Seit 1972 versucht man, mithilfe des GI kohlenhydrathaltige Lebensmittel nach ihrer Wirksamkeit auf den Blutzuckerspiegel einzuteilen. Dabei wird der Blutzuckeranstieg einzelner Lebensmittel mit dem Blutzuckeranstieg von Traubenzucker bzw. Weißbrot, jeweils bei gleicher Kohlenhydratmenge, verglichen. Der GI von Traubenzucker hat den Wert 100 % erhalten und gilt als Bezugsgröße für alle anderen kohlenhydrathaltigen Lebensmittel. Ein GI von 70 % aufwärts gilt generell als hoch, wünschenswert ist ein GI unter 55 %.

Glykämischer Index von Lebensmitteln

Traubenzucker, Limonaden, gezuckerte Fruchtsäfte, Instantkartoffelpüree, Weißbrot, Stärkemehle und Cornflakes bewirken einen schnellen Blutzuckeranstieg und haben daher einen hohen glykämischen Index (ca. 75–100 %). Sie „schießen“ bzw. „strömen“ ins Blut. Der Insulinbedarf ist kurzfristig deutlich erhöht. Diese Lebensmittel sind für die Behandlung einer Unterzuckerung gut geeignet. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit einem mittleren glykämischen Index (ca. 50–75 %) „fließen“ ins Blut. Sie können durch ein übliches Spritzsystem ausgeglichen werden. Dazu zählen z. B. Kartoffeln, Reis, Teigwaren, Mischbrot und Haushaltszucker. Letzteren sollten Diabetiker sehr sparsam verwenden. Bei einer Nahrungsmenge von 2.000 Kalorien dürften maximal 50 g Zucker in den Speisen enthalten sein.

Aber Achtung, es geht nicht ausschließlich um den Zucker von Süßigkeiten. Ein großer Teil des Zuckers ist bereits im Essen (z. B. im Obst) enthalten. Gelegentlich kann eine kleine Menge Süßes als Nachspeise den Gaumen erfreuen. Genießen Sie kleine Zuckermengen mit gutem Gewissen, am besten „verpackt“ in einer möglichst gesunden, ballaststoffreichen Mahlzeit. Bei Übergewicht ist es günstiger, den kalorienreichen Zucker gegen kalorienfreie Süßstoffe auszutauschen. Lebensmittel, nach deren Verzehr sich der Blutzuckerspiegel langsam oder geringfügig erhöht (z. B. Hülsenfrüchte, Gemüse, Vollkornprodukte, Obst, fettarme „flüssige“ Milchprodukte), haben einen niedrigen glykämischen Index (ca. 30–50 %). Sie „tropfen“ langsam ins Blut.

Glykämischer Index – welche Diabetiker profitieren davon?

Im Großen und Ganzen sind die Angaben des GI immer nur Näherungswerte und können von Mensch zu Mensch variieren. Dennoch kann der GI für insulinspritzende Diabetiker zur feineren Insulindosisanpassung genutzt werden. Diabetiker, die eine Basis-Bolus-Therapie durchführen, können mit Hilfe des GI besser entscheiden, welches Insulin (Normalinsulin oder Analoga) das Essen effizienter abdeckt. Falls es notwendig ist, kann auch die Insulinkinetik beeinflusst werden (Änderung des Spritz-Ess-Abstandes, Wechsel der Injektionsstelle). Bei der Verwendung von Insulinanaloga empfiehlt es sich bei extrem fett- und/oder ballaststoffreichen Mahlzeiten (z. B. Käsepizza, Müsli), erst nach dem Essen zu spritzen. Eine ausgewogene Mischkost erleichtert im Gegensatz zu extrem einseitigen Mahlzeiten die Insulinanpassung. Mit den Jahren erreichen viele geschulte Diabetiker ein sehr gutes Schätzvermögen. Sie können die Insulindosis und den Spritz-Ess-Abstand so anpassen, dass die Blutzuckerwerte nach dem Essen im gewünschten Bereich liegen.

Der Glykämische Index gilt nur für das einzelne Nahrungsmittel

Wissenswert ist die Tatsache, dass die Angabe des GI nur für das einzelne Nahrungsmittel gilt und nicht für Nahrungsmittelkombinationen, wie sie bei jeder Mahlzeit vorkommen. Neben dem GI hängt das Ansteigen des Blutzuckers von weiteren Faktoren ab: Je mehr Ballaststoffe und je mehr Fett in einer Mahlzeit enthalten sind, desto langsamer steigt der Blutzucker an. Diese Tatsache soll aber nicht zum übermäßigen Fettkonsum ermuntern, da vor allem zu große Fettmengen das Hauptproblem des Typ 2-Diabetikers sind.

Des Weiteren entscheidend für den Blutzuckeranstieg ist der Verarbeitungsgrad eines Nahrungsmittels und wie schnell ein Nahrungsmittel durch den Magen in den Darm gelangt. Flüssigkeiten passieren den Verdauungstrakt schneller als feste Lebensmittel. Apfelsaft führt z. B. zu einem schnelleren Blutzuckeranstieg als eine entsprechende Menge Apfel. Auch wie schnell man isst oder was man zum Essen trinkt, beeinflusst den Blutzuckeranstieg. Enthält ein Getränk z. B. Kohlensäure, bewirkt diese eine schnellere Resorption.

Aufgrund dieser Tatsachen ist die Verwendung des GI im Alltag nur begrenzt möglich. Ein einfaches Fazit könnte lauten: „Milch und Obst lassen den Blutzucker langsamer ansteigen als stärkehaltige Lebensmittel.“ Am besten wäre es, bei allen Diabetikern die Neugierde zu wecken, regelmäßig den Blutzucker selbst zu messen. Damit könnten eigene Erfahrungen von der Blutzuckerwirksamkeit der Speisen gesammelt werden und somit die Blutzuckereinstellung optimiert werden.

Quelle: Verband der Diabetologen Österreichs

Aus Befund Diabetes 3/08

17.09.08

Glykämischer Index (GI) von Lebensmitteln: Wie schnell geht der Zucker ins Blut?
Newsletter An-/Abmeldung

Code: PHDJ

Kliniken in Ihrer Nähe

Das Diabetes-Quiz

Testen Sie Ihre Kenntnisse zum Thema Diabetes. Erweitern Sie spielerisch Ihr Wissen.

Berühmte Diabetiker

Leider bleibt die “Zuckerkrankheit” auch unseren berühmten Mitmenschen nicht erspart. Hätten Sie gewusst, dass diese Promis unter Diabetes mellitus leiden?

Schriftzug Anzeige