
Altana Pharma
Einer Bochumer Forschergruppe ist es gelungen, für die Transplantation vorgesehene Insulin produzierende Inselzellen in tierexperimentellen Untersuchungen durch Einschluss in eine spezielle Mikrokapsel vor der Immunabwehr des Empfängers zu schützen. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) sieht darin eine Möglichkeit, künftig mehr Typ 1-Diabetikern als bisher durch eine Inselzelltransplantation zu helfen.
Beim Typ 1-Diabetes kommt es zu einer vollständigen Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, den sog. Inselzellen. Typ 1-Diabetiker müssen sich deshalb ein Leben lang täglich Insulin spritzen, um ihren Blutzuckerspiegel zu normalisieren. Obwohl heute verfügbare Insuline zunehmend besser dosierbar sind, entwickelt ein großer Teil der betroffenen Patienten im Verlauf seines Lebens die gefürchteten Folgeerkrankungen. „Daher wird mit Hochdruck nach Ansätzen gesucht, die Heilung versprechen“, betont Prof. Dr. med. H. Harald Klein, Mediensprecher der DGE. Im Mittelpunkt steht hierbei die Transplantation von Insulin produzierenden Inselzellen.
Aus der Bauchspeicheldrüse von Organspendern gewonnen, kann der Arzt die Zellen durch Punktion der Lebervene dem Empfänger injizieren. Technisch stellt diese Art der Transplantation heute kein Problem mehr dar. Doch die Immunabwehr des Empfängers stößt die körperfremden Zellen ab. Deshalb benötigen diese Patienten eine dauerhafte medikamentöse Hemmung ihres Immunsystems. Die entsprechenden Medikamente haben jedoch zum Teil sehr unangenehme Nebenwirkungen.
Den Bochumer Forschern unter Leitung von Dr. med. Stephan Schneider gelang kürzlich ein wesentlicher Schritt in eine neue Richtung: Zum einen ist es gelungen, die zu transplantierenden Inselzellen in eine spezielle Mikrokapsel einzuschließen, um sie hierdurch vor dem Immunsystem des Empfängers zu schützen. Wie in der US-amerikanischen Fachzeitschrift Diabetes Ende 2005 veröffentlicht, überlebten in tierexperimentellen Untersuchungen solchermaßen eingekapselte Inselzellen mehr als ein Jahr ohne jegliche Gabe von Medikamenten, die das Immunsystem hemmen. In einem anderen viel versprechenden Ansatz ist es der Arbeitsgruppe um Dr. Stephan Schneider gelungen, die einem Organspender entnommenen Inselzellen mit einem „antientzündlichen Cocktail“ zu behandeln, bevor man sie in diabetische Mäuse transplantierte. Hierdurch konnte das Überleben der Inselzellen ohne Immunsuppression ebenfalls erheblich verlängert werden.
17.06.06