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Pre-POINT (Primary Oral / intranasal INsulin Trial) - Schutz vor Typ 1 Diabetes durch Insulin-Impfung

Der Typ 1 Diabetes, auch als “jugendlicher” oder “insulinabhängiger” Diabetes bezeichnet, ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Weltweit leiden derzeit etwa 9,5 Mio. Menschen an Typ 1 Diabetes, in Deutschland sind es 250 000 – 300 000 Menschen. Er ist eine so genannte Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Insulin produzierenden Beta-Zellen der eigenen Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Eine solche Autoimmunreaktion kann meist bereits viele Jahre vor Ausbruch der Erkrankung durch den Nachweis von “Diabetes-Antikörpern” im Blut erkannt werden. Insulin ist dabei eines der Antigene, gegen die Betroffene – vor allem Kinder -Antikörper entwickeln.

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Pre-POINT Studienaufbau

Bei der Pre-POINT Studie handelt es sich um eine Impfung gegen Typ 1 Diabetes. Durch die vorbeugende Behandlung mit Insulin soll bei Kindern mit sehr hohem Diabetesrisiko bereits die Entwicklung von “Diabetes-Antikörpern” im Vorfeld eines Diabetes verhindert werden. Bei der Studie handelt es sich also um eine so genannte “Primärpräventionsstudie”. Zur Behandlung wird Insulin täglich als Pulver mit der Nahrung eingenommen oder als Spray über die Nase, zunächst täglich, dann 2x wöchentlich. Das Insulin dient hier aber nicht zur Senkung des Blutzuckers. Vielmehr soll die Gabe von Insulin das Immunsystem stimulieren und eine Immunantwort gegen Insulin provozieren- allerdings eine schützende. Der Immunreaktion, die im Vorfeld einer Typ 1 Diabeteserkrankung auftritt und die Beta-Zellen zerstört, kann man so zuvorkommen. An Pre-POINT teilnehmen können nur gesunde Kinder im Alter von 2 bis 7 Jahren, die noch keine Anzeichen einer Autoimmunreaktion zeigen, also noch keine Diabetes Antikörper haben. Um zu sehen, wie gut die Behandlung die Krankheitsentstehung verhindern kann, müssen aber natürlich Kinder behandelt werden, die ein sehr hohes Risiko haben, in den nächsten Jahren Typ 1 Diabetes zu bekommen. Das Risiko an Typ 1 Diabetes zu erkranken ist besonders hoch, wenn entweder mehrere erstgradige Verwandte (Vater, Mutter oder Geschwister) bereits an Typ 1 Diabetes erkrankt sind, oder wenn ein Geschwisterkind erkrankt ist, das die identischen Diabetes-Risikogene hat wie das noch gesunde Kind. Ein sehr hohes Risiko bedeutet ca. 50%, d.h. 50 von 100 Kindern erkranken. Zum Vergleich erkranken etwa nur drei von 1000 Kindern, wenn keinerlei familiäre Belastung vorliegt und etwa fünf von 100 wenn entweder ein Familienmitglied an Diabetes erkrankt ist oder bestimmte genetische Merkmale (Diabetes-Risikogene) vorliegen.

Ablauf der Studie

Wenn eine Familie wie z.B. hier Familie Räuchle an Pre-POINT Interesse hat, kann sie an einem ersten deutschlandweiten Risiko-Screening teilnehmen. Dem gesunden Kind wird Blut abgenommen und auf Diabetes- Risikogene und Diabetes-Antikörper untersucht. Gleichzeitig muss in diesem Fall auch das erkrankte Geschwisterkind auf die Diabetes- Risikogene untersucht werden. Sind die gleichen Diabetes-Gene bei beiden Geschwistern vorhanden, aber keine Diabetes Antikörper im Blut des gesunden Kindes nachweisbar, kann sie in Pre-POINT eingeschlossen werden. Alle Untersuchungen sind kostenlos und können überall in Deutschland beim Kinderarzt erfolgen. Ist ein Kind einschlussfähig, wird es einer Studiengruppe zugeteilt, die eine Hälfte wird oral behandelt, die andere intranasal. In jeder Gruppe bekommen drei von vier Kindern die Behandlung, eines ein Placebo zur Kontrolle. Dann wird die Familie von einem Mitglied des Studienteams besucht, das mit zum Kinderarzt kommt, die Studie erklärt und die erste Impfung zusammen mit der Familie durchführt. Die Impfungen werden dann für einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten von den Eltern fortgeführt, je nach Einschlusszeitpunkt.
Kontrolluntersuchungen finden beim Kinderarzt vor Ort statt. Das Studienteam ist dabei in regelmäßigem, engem Telefonkontakt mit der Familie. Teilnehmen werden insgesamt 40 Kinder, 16 davon in Deutschland. Weitere Studienzentren gibt es in den USA, in England, der Schweiz, Österreich und Italien. Die Pre-POINT Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) einer amerikanischen, von Betroffenen getragenen Forschungsstiftung gefördert.

Herr Prof. Bonifacio:

1. Warum verwenden Sie gerade Insulin für die Impfung?
Es gibt drei Gründe. Wir haben herausgefunden, dass bei Kindern, die Diabetes entwickeln, Insulin das erste Antigen ist, das das Immunsystem als fremd identifiziert. Das heißt es gibt Hinweise, dass die Zerstörung der Betazellen mit dem Insulin beginnt. Zweitens haben Studien mit Mäusen gezeigt, dass man die Entwicklung von Diabetes verhindern kann, wenn man in jungen Jahren orales oder intranasales Insulin verabreicht (vorausgesetzt man gibt die richtige Dosis). Drittens haben wir bereits sehr viel Erfahrung mit der Verabreichung von Insulin, sowohl oral als auch intranasal, und diese Erfahrung zeigt, dass es ungefährlich ist. Das ist uns natürlich sehr wichtig.

2. Was ist das Ziel der Pre-POINT Studie?
Pre-POINT ist die Einleitung für die POINT Studie, die sich zum Ziel gesetzt hat herauszufinden, ob die frühzeitige Verabreichung von Insulin – entweder oral oder intranasal – Diabetes verhindern kann. Bevor wir die großangelegte POINT Untersuchung starten, müssen wir sicher sein, dass wir die bestmögliche Dosis und Darreichungsform gefunden haben, um das Insulin zu verabreichen. Wir haben schon Erfahrung aus der Arbeit mit Mäusen, aber Menschen sind keine Mäuse! Deswegen haben wir die Studie so aufgebaut, dass wir zuerst mit einer geringen Dosis anfangen und im Laufe der Untersuchung die verabreichte Dosis erhöhen. Während der Behandlung sammeln wir Belege für die Wirksamkeit der einzelnen Dosen und sehen, ob wir eine – wie wir es nennen – “schützende Immunantwort” erkennen können. Das ist das Ziel von Pre-POINT. Der Studienaufbau ist so angelegt, dass die Kinder in Pre-POINT auf die Dosis und Darreichungsform eingestellt werden, die am wirksamsten ist, und dann in der POINT Studie weiter teilnehmen können. Wenn wir nicht auf diese Weise beginnen würden, würden wir einen Schuss ins Blaue machen und es könnte damit enden, dass wir eine ganze Untersuchung mit der falschen Dosis machen – das wäre zu risikoreich. So gesehen ist Pre-POINT fast wichtiger als POINT.

Herr Prof. Eisenbarth:

“Es hat sich gezeigt, dass die Immunreaktion gegen Insulin ein zentraler Auslöser für Typ 1 Diabetes bei Kindern ist. Es ist heute bereits möglich, Diabetes im Tiermodell zu verhindern und die Erkrankung bei Kindern vorherzusagen. Eine große Studie mit dem Namen DPT (Diabetes Prevention Trial) hat gezeigt, dass orales Insulin Typ 1 Diabetes verzögern kann, sogar dann, wenn der Immunprozess bereits in Gang gesetzt wurde. Es scheint zu funktionieren wie eine Impfung. Wir gehen nun davon aus, dass die Behandlung mit oralem Insulin noch wirkungsvoller ist, wenn es bereits verabreicht wird, bevor der Autoimmunprozess in Gang gesetzt wird. Das wird die Pre- POINT Studie zeigen.”

Quelle: Institut für Diabetesforschung an der Klinik und Hochschulambulanz für Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums rechts der Isar der TU München

21.10.07

Pre-POINT (Primary Oral / intranasal INsulin Trial) Schutz vor Typ 1 Diabetes durch Insulin-Impfung
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