Als Folge der Grunderkrankung Diabetes mellitus tritt bei Betroffenen nicht selten ein übermäßiges Schwitzen (sog. Sekundäre Hyperhidrose) auf. Dieses kann verschiedene Ursachen haben und daher in unterschiedlichen Zusammenhängen auftreten. Betroffene sollten mit dem behandelnden Arzt Rücksprache halten, ob das Schwitzen separat und gezielt behandelt werden sollte oder ob durch die Diabetesbehandlung als solche diese Folgeerscheinung in den Griff zu bekommen ist.
Die Sekundäre Hyperhidrose tritt häufig im Zusammenhang mit einer Unterzuckerung auf. Sinkt der Blutzucker des Diabetikers zu stark ab (Hypoglykämie), schüttet der Körper vermehrt Stresshormone (Adrenalin) aus. Infolgedessen kommt es zu vermehrter Schweißabsonderung. Das übermäßige Schwitzen ist dann also keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Hypoglykämie-Symptom. Man spricht daher von einer Sekundären Hyperhidrose (im Gegensatz zur Primären Hyperhidrose, die nicht auf eine andere Grunderkrankung zurückzuführen ist).
Starkes Schwitzen während des Schlafs kann ein Hinweis auf eine unbemerkt gebliebene Unterzuckerung in der Nacht sein. Hier kann es helfen, sich für die kritische Zeit in der Nacht den Wecker zu stellen und einige Broteinheiten (z. B. in Form von zuckerhaltigen Lebensmitteln) zu sich zu nehmen, bevor man sich wieder zur Ruhe begibt.
Kommt es bei Diabetikern zu starkem Schwitzen, kann die Ursache jedoch auch in einer Neuropathie liegen, einer klassischen Diabetes-Folgeerkrankung, die aufgrund einer über einen längeren Zeitraum bestehenden schlechten Blutzuckereinstellung auftreten kann. Die Symptome einer diabetischen Neuropathie, unter der mehr als 30 % der Diabetiker leiden, sind vielfältig.
Die diabetische Neuropathie betrifft in der Regel nicht ausschließlich jene Nerven, die für Empfindungen und Bewegungen zuständig sind, sondern häufig sind auch Nerven des sog. Autonomen Nervensystems betroffen. Dieses reguliert Körperfunktionen wie Verdauung, Herz- und Kreislauftätigkeit sowie Stoffwechsel und unterliegt nicht der willkürlichen Steuerung (es arbeitet also unabhängig, autonom).
Eine diabetische Neuropathie des Autonomen Nervensystems kann u. a. Haut und Bindegewebe betreffen. Es kann dadurch zu einer chronischen Störung der Schweißproduktion und der Hautdurchblutung kommen. Die Neuropathie kann zu einer sehr trockenen Haut infolge verminderter Schweißbildung oder zu einer Hyperhidrose führen.
Von übermäßigem Schwitzen betroffene Diabetiker sollten in jedem Fall mit dem Arzt besprechen, wie störend die Symptome sind und was dagegen unternommen werden kann.
Primär sollte die Blutzuckereinstellung überprüft werden, da durch eine optimale Therapie rezidivierende Unterzuckerungssituationen vermieden werden können. Durch eine gute Stoffwechseleinstellung kann auch das Fortschreiten einer autonomen Neuropathie verhindert werden.
Für das übermäßige Schwitzen als Folge einer Neuropathie sollten Patient und behandelnder Arzt gemeinsam entscheiden, welche weiterführenden Behandlungsoptionen neben der Behandlung der zugrundeliegenden Störung im Einzelfall geeignet sind.
Grundsätzlich stehen zur Behandlung der Hyperhidrose unterschiedliche Behandlungsmethoden zur Verfügung, z. B.: Medikamente (Antichiolinergika, Clonidin), Leitungswasser-Iontophorese-Behandlung, Lokalinjektionen mit Botulinumtoxin, Saugkürettagen und Operation. Die Therapieansätze können z. T. kombiniert werden. Grundsätzlich unterscheidet man die innerliche und/oder äußerliche Anwendung von Medikamenten, Geräteanwendungen, Einspritzungen, Absaugungen und chirurgische Verfahren. Mit diesen Verfahren wird der Hyperhidrose auf verschiedenen Wegen entgegengewirkt: indem man die Schweißdrüsenaktivität vermindert, die Schweißkanäle verschließt, das vegetative Nervensystem dämpft oder die Schweissdrüsen entfernt. Zusätzlich können spezifische Hilfsmittel (z. B. Spezialkleidung u. ä.) eingesetzt werden. Auch Verhaltensänderungen können einen Beitrag zur Eindämmung des Schwitzens leisten.
Anke Tennemann
Werner Sebastian Krämer
08.01.08