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Insulinpumpen: Wie sie funktionieren, wem sie nutzen, was sie kosten

11.02.09.

Junge mit Diabetes

Foto: Shutterstock

Sie ist nicht größer als ein Handy und nicht schwerer als eine Tafel Schokolade. Diskret in der Hosentasche verborgen, am Gürtel befestigt oder auch an einer Kordel um den Hals, versorgt sie ihren Träger rund um die Uhr mit dem blutzuckersenkenden Hormon: die Insulinpumpe. In Deutschland nutzen etwa 50.000 Diabetiker – überwiegend solche mit der Typ 1-Erkrankung – eine Insulinpumpe. Das entspricht ca. 8 % aller Typ1-Diabetiker.

Sie vertrauen auf das kleine Gerät und wollen es nicht mehr missen. Wer sich mit der Pumpe angefreundet hat, ist von ihren Vorteilen meist rasch überzeugt: Blutzuckerschwankungen, die vorher nicht in den Griff zu bekommen waren, lassen sich endlich beherrschen, die ständigen Insulin-Injektionen mit dem Pen sind überflüssig.

Insulin auf Knopfdruck

Das Prinzip der Pumpe ist einfach: Genau wie die Bauchspeicheldrüse gibt sie ständig kleine Mengen Insulin ins Blut ab, um den Grundbedarf des Körpers zu decken. Das zu den Mahlzeiten zusätzlich benötigte Insulin ruft der Pumpenträger einfach per Knopfdruck ab. Über einen dünnen Schlauch und eine Kanüle, die im Unterhautfettgewebe – meist am Bauch – liegt, gelangt es in den Körper. Der Katheter wird ca. alle zwei Tage gewechselt. Das benötigte Insulin gibt es in vorgefüllten Ampullen oder es wird aus einer normalen Insulinampulle in eine spezielle Pumpenampulle aufgezogen.

Eine Insulinpumpentherapie ist für Diabetiker sinnvoll, die trotz einer sog. intensivierten konventionellen Therapie (ICT) mit mehreren Insulinspritzen täglich keine befriedigende Blutzuckereinstellung erreichen. Auch Diabetiker mit sehr unregelmäßigem Tagesablauf, beispielsweise Schichtarbeiter, und auch Schwangere profitieren von der Pumpe.

Indikationen für eine Insulinpumpenversorgung

  • Schwer einstellbare Diabetiker, z. B. mit einem Dawn-Phänomen
  • Häufige Hypoglykämien mit Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung
  • Jugendliche Diabetiker mit schwerer Einstellbarkeit (Pubertät)
  • Niedrige Insulindosis
  • Schwangerschaft
  • Schichtarbeiter
  • Sportler
  • Folgeschäden durch den Diabetes

Am Anfang jeder Pumpenkarriere steht eine intensive Schulung von ein bis zwei Wochen, die entweder ambulant in einer Diabetes-Schwerpunktpraxis oder stationär in einer spezialisierten Klinik stattfindet. Auf die Schulung folgt eine zweimonatige Testphase, in der die Patienten ausprobieren, ob sie mit der Pumpe im Alltag klarkommen. Die Kosten für die Pumpe und Verbrauchsmaterialien wie Katheter und Ampullen (ca. 3.500 bis 4.000 Euro) übernehmen die Krankenkassen. Bedingung ist das Gutachten eines Diabetologen. Wegen der hohen Kosten verlangen die Kassen mittlerweile häufig auch einen Beweis dafür, dass die Pumpe die Stoffwechsellage tatsächlich verbessert hat.

Pumpe typgerecht aussuchen

Pumpen gibt es von verschiedenen Herstellern in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben. Vor Beginn der Pumpenschulung sollten sich Interessenten über die verschiedenen Modelle und ihre Funktionen informieren, um in Absprache mit ihrem Diabetologen das für sie vorteilhafteste Gerät auswählen zu können. Das Leben mit der Pumpe ist unkompliziert. Nachts kann sie frei im Bett liegen – die Katheterpflaster kleben so gut, dass die Kanüle kaum herausreißen kann. Insulinpumpen sind robust, stoßfest und häufig sogar wasserdicht. Es ist auch möglich, die Pumpe vorübergehend abzulegen. Mit abkoppelbaren Kathetern ist das besonders einfach, weil die Kanüle in der Haut bleibt und beim Wiederanlegen der Pumpe kein neuer Katheter verwendet werden muss.

Vor- und Nachteile der Insulinpumpentherapie

Vorteile:

  • Die Insulinpumpe ermöglicht Diabetikern eine stabilere Einstellung des Blutzuckers mit besseren HbA1c-Werten und weniger Unterzuckerungen.
  • Pumpenträger sind oft leistungsfähiger und können Stress und unregelmäßige Arbeitszeiten besser bewältigen.
  • Die Pumpe erlaubt Diabetikern ein beinahe normales Leben: Sie können essen, was, wann und häufig auch wie viel sie möchten, morgens ausschlafen und beliebig Sport treiben.
  • Das bei der ICT notwendige Spritzen des basalen Insulinbedarfs entfällt, er kann per Programmierung an die täglichen Schwankungen angepasst werden. Die Pumpe kann unauffällig unter der Kleidung oder per Fernbedienung bedient werden.

Nachteile:

  • Die Pumpe muss ständig am Körper getragen werden und kann beim Sport, Sex, Baden etc. stören.
  • Die Pumpentherapie kostet mehr als alle anderen Therapieformen (pro Tag etwa doppelt so viel wie die ICT).
  • Durch mangelnde Hygiene oder zu lange Tragedauer des Katheters kann sich die Einstichstelle entzünden.
  • Weil in der Pumpe nur kurz wirkendes Insulin verwendet wird, kann sich bei Unterbrechung der Insulinzufuhr schneller eine gefährliche Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose) entwickeln als bei Verwendung von Verzögerungsinsulin.

Selbsthilfegruppen für Insulinpumpenträger

Selbsthilfegruppen sind ein Ort, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und offen über Probleme zu sprechen, für die Außenstehende nur selten Verständnis haben. Idealerweise stützt man sich in der Selbsthilfegruppe gegenseitig und kommt an Informationen, die sonst nur schwer zu erhalten sind. Allerdings gibt es auch Diabetiker, die Selbsthilfegruppen nichts abgewinnen können und ihre Situation lieber allein mit sich ausmachen. Hier muss jeder für sich entscheiden.

Unter dem Dach des Deutschen Diabetiker Bundes, LV Berlin e. V. hat sich z. B. im Jahre 2004 die Selbsthilfegruppe „Die Boler“ für Insulinpumpenträger gegründet. Mittlerweile gehören 21 Mitglieder dieser Gruppe an. Diese SHG trifft sich jeden 2. Mittwoch von 14.00 bis 16.00 Uhr in der evangelischen Kirchengemeinde Gropiusstadt-Süd Joachim-Gottschalk-Weg 41, 12353 Berlin.

Kontakt:
Heidi Hartmann, Tel. 0 30/6 61 22 15, E-Mail: zuzhartmann@t-online.de.

Quelle: SHG Die Boler

Aus Befund Diabetes 04/08

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