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Neuropathien bei Diabetes entgegenwirken

21.01.09.

Familie

Foto: Shutterstock

Mit Vitamin-B1-Vorstufe Nervenschäden und Schmerzen lindern

Etwa die Hälfte aller Menschen mit Diabetes mellitus erkranken an einer sog. diabetischen Neuropathie. Vermutete Ursache für die Nervenschäden ist neben chronisch erhöhten Blutzuckerwerten auch ein Vitamin-B1-Mangel. Eine Studie macht nun Hoffnung auf Besserung durch die Einnahme des Wirkstoffes Benfotiamin, einer Vorstufe des Vitamin B1.

Dieser Wirkstoff soll nicht nur den Vitaminmangel beheben, sondern auch Schmerzen durch bereits vorhandene Nervenschäden verringern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hin.

Zusammenhang von Diabetes und Vitamin-B1-Mangel

Diabetische Neuropathien sind eine der häufigsten Folgen der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus. Denn die chronisch erhöhten Blutzuckerwerte zerstören Nerven und Blutgefäße. Allerdings treten auch bei 28 % der Diabetes-Patienten, die ihre Werte optimal kontrollieren, diabetische Neuropathien auf. Symptome sind Schmerzen, Muskellähmungen oder vermindertes Empfinden in Füßen und Unterschenkeln. Einen Auslöser für die Nervenschäden vermuten Wissenschaftler in einem Mangel an Vitamin B1, der häufig bei Menschen mit Diabetes auftritt: Dessen Konzentration ist bei ihnen um etwa 75 % geringer als bei gesunden Menschen. Anstatt das Vitamin über die Niere in den Blutkreislauf zu schleusen, geht es bei Diabetikern größtenteils über den Urin verloren.

Wirkstoff in der klinischen Prüfung

In einer Studie mit 165 Patienten mit diabetischen Neuropathien testeten Gießener Forscher um Prof. Dr. Hilmar Stracke über sechs Wochen den Wirkstoff Benfotiamin. Diese fettlösliche Vitamin-Vorstufe nimmt der Körper zehnmal besser auf als das wasserlösliche Vitamin B1. „Benfotiamin ist gut verträglich und lindert auch ohne zusätzliche Gabe anderer Wirkstoffe die Schmerzen deutlich“, sagt Endokrinologe Prof. Dr. Reinhard G. Bretzel, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Auch eine höhere Dosis von 600 mg pro Tag erwies sich als verträglich und zudem noch wirksamer als 300 mg pro Tag.

Wirkungsweise der Vitaminvorstufe

Wie der vitaminähnliche Stoff Neuropathien verhindert, ist teilweise bekannt: Vitamin B1 aktiviert die Funktion eines körpereigenen Entgiftungsenzyms, die Transketolase. Mangelt es an B1, werden giftige Zwischen- und Abfallprodukte des Zuckerstoffwechsels nicht abgebaut. Diese schädigen die Nerven. „Benfotiamin scheint genau in diesen Kreislauf einzugreifen“, erklärt Prof. Bretzel. Es steigere die Aktivitäten der Transketolase um das drei- bis vierfache. Die Empfindungsstörungen der Patienten veränderte der Wirkstoff in den Versuchen allerdings kaum.

Quelle: AWMF

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