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Parodontitis – das unterschätzte Risiko

11.03.09.

Frau isst Apfel

Foto: Shutterstock

Parodontitis gilt in der Bevölkerung noch immer als ein reines Hygieneproblem. Der größte Risikofaktor für die Entstehung der Erkrankung ist jedoch ein schwaches Immunsystem. Kaum bekannt ist auch, dass die Parodontitis nicht nur die Zähne, sondern die Allgemeingesundheit gefährdet. Die Deutsche Parodontose Hilfe e.V. klärt auf und unterstützt Betroffene.

(Herne.) „Sie haben eine Parodontitis!“ – Diese Diagnose verstehen die meisten Patienten als eine Aufforderung, sich in Zukunft die Zähne besser zu putzen. Dass die Erkrankung kein reines Hygieneproblem ist und nicht nur die Zähne, sondern die Gesundheit des gesamten Körpers stark schädigen kann, ist in der Bevölkerung noch weitgehend unbekannt.

Parodontitis – das Immunsystem versagt

Die Parodontitis ist eine von Bakterien hervorgerufene Entzündung des Zahnfleischs und des Kieferknochens. Bakterien besiedeln zunächst die Zahnoberflächen und greifen von dort auf das Zahnfleisch über. Das Immunsystem versucht, die Erreger mit Hilfe einer Entzündungsreaktion loszuwerden. Dabei schwillt das Zahnfleisch an, rötet sich und blutet möglicherweise auch. Schreitet der Entzündungsprozess weiter voran, weicht das Zahnfleisch zurück und löst sich vom Zahn. Es bilden sich Zahnfleischlappen, auch „Zahnfleischtaschen“ genannt. In diesen Nischen setzen die Bakterien ihr Zerstörungswerk fort. Zahnwurzel, Zahnhaltegewebe und sogar der Kieferknochen sind den Bakterien ausgeliefert und werden geschädigt. Die Folge: Die Zähne verlieren ihren Halt und fallen aus.

„Früher glaubte man, dass die Parodontitis ein reines Hygieneproblem ist“, erklärt Dr. Wolfgang Koch von der Deutschen Parodontose Hilfe in Herne. Die zahnmedizinische Forschung konnte inzwischen jedoch nachweisen, dass nur ein sehr kleiner Teil der Bakterien in unserer Mundhöhle überhaupt eine Parodontitis auslösen kann. Die eigentliche Ursache liegt woanders: „Patienten mit einer Parodontitis leiden sehr häufig unter einer allgemeinen Immunschwäche“, erklärt Koch. Bei ihnen haben Bakterien leichteres Spiel, da ihr Immunsystem geschwächt ist und die Erreger nicht abwehren kann.

Gefahr ab dem 30. Lebensjahr

Ab dem 30. Lebensjahr sollte die Zahngesundheit ins Blickfeld rücken, denn die Parodontitis ist eine Erkrankung, die in der Regel Menschen im mittleren Lebensalter trifft. Ursache ist, dass die körperliche Abwehrkraft aufgrund der biologischen Entwicklung nachlässt. Menschen, die bereits unter einer Erkrankung und somit einer geschwächten Immunabwehr leiden, haben ein besonders hohes Parodontitis-Risiko. Zu dieser Gruppe gehören Diabetiker.

Bei ihnen begünstigt die schlechtere Durchblutung Entzündungen am Zahnfleisch, da die Blutgefäße hier sehr fein sind. Eine weitere Risikogruppe sind Raucher. Nikotin schädigt die Schleimhäute und trocknet sie aus, wodurch sie ihre Widerstandskraft gegen Bakterien verlieren. Auch Menschen, die nicht ausreichend Vitamine und Nährstoffe mit der Nahrung aufnehmen, leiden häufiger unter Parodontitis.

Über das Blut gelangt die Entzündung in den ganzen Körper

Besonders gefährlich ist die Parodontitis, weil sie selbst Krankheiten auslösen kann. Die Erreger, die sich in der Mundhöhle befinden, können in die Blutbahn und von dort in andere Teile des Körpers gespült werden, wo sie entzündliche Prozesse in Gang setzen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall und Frühgeburten können Folge einer Parodontitis sein. Bei Diabetikern erschwert eine Parodontitis die Einstellung des Blutzuckers. Ältere Menschen mit einer Parodontitis haben ein erhöhtes Risiko, an einer Lungenentzündung zu sterben.

Die Krankheit verläuft tückisch

Da die Erkrankung meist schmerzfrei verläuft, wird sie von den Betroffenen oft erst sehr spät bemerkt. Zurückgehendes Zahnfleisch, frei liegende und empfindliche Zahnhälse sowie Mundgeruch sind ernst zu nehmende Warnzeichen.

Die Deutsche Parodontose Hilfe e.V. in Herne empfiehlt, Zähne und Zahnfleisch ab dem 30. Lebensjahr zweimal jährlich vom Zahnarzt kontrollieren zu lassen. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetiker und Raucher sollten drei- bis viermal jährlich einen Arzt aufsuchen. Informationen zu Krankheitsbild, Behandlung und Vorbeugung können angefordert werden unter der Telefonnummer 0 23 23 / 96 59 05 oder per Mail unter info@parodontosehilfe.de.

Quelle: Deutsche Parodontose Hilfe e.V.

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