Teil 1 – Blutzuckerselbstmanagement Report Deutschland 2006
07.05.07.
Die Patientengruppe mit Diabetes mellitus lässt sich als sehr inhomogen bezeichnen. Die Heterogenität erklärt sich durch die unterschiedliche Diabetesformen (Typ-1, Typ-2, LADA, MODY) sowie die differierenden Anforderungen an die Therapieführung (Diät, orale Antidiabetika, Insulin mittels CT, ICT, CSII). Die Durchführung der Blutzuckerselbstmessung als Bestandteil eines erfolgreichen Diabetesselbstmanagements ist je nach Diabetesform hinsichtlich der Messfrequenz sehr unterschiedlich.
Die regelmäßige Blutzucker-Selbstkontrolle, die Analyse der Therapieführung anhand der gewonnen Daten sowie in der Konsequenz die Therapieanpassung sind die zentralen Bestandteile eines modernen und erfolgreichen Diabetesmanagements. Neue Studien zeigen, dass die regelmäßige Blutzucker-Selbstkontrolle bei Patienten mit Diabetes mellitus mit einer Senkung der Mortalität und Morbidität assoziiert ist sowie zu einer besseren Einstellung der metabolischen Parameter führt. Moderne Blutzuckermesssysteme können heute durch ihre technische Ausstattung Bedienungsfehler und äußere Einfüsse, die zu Messwertabweichungen führen können, erkennen und ausgleichen. So unterstützt die Gerätetechnik Menschen mit Diabetes bei der Durchführung des Blutzuckerselbstmanangements.
Die vorliegende Untersuchung bietet Informationen und Daten zur Blutgewinnung und Blutzuckermessung, Messfrequenz, Messsicherheit, zum Datenmanagement sowie zur Unterstützung der Prozesse durch moderne Techniken. Weiter beleuchtet wird die Therapiezufriedenheit von Menschen mit Diabetes.
Folgende Themenbereiche wurden in die Befragung integriert:
- Allgemeine Angaben
- Fragen zur Blutgewinnung
- Fragen zur Blutzuckermessung
- Fragen zur Dokumentation und Auswertung der Messwerte
- Fragen zur Diabetesschulung
Allgemeine Daten
966 Fragebögen wurden ausgefüllt zurück gesendet und konnten ausgewertet werden. Die Basischarakteristika umfassen Geschlecht, Alter und Typ des Diabetes mellitus und sind in Abb. 1 dargestellt. In der Folge werden die gewichteten Daten dargestellt, die für selbst messende Diabetiker repräsentativ sind.

Blutgewinnung
Drei Viertel der Befragten benutzen eine Stechhilfe zur Blutgewinnung, 14% Einzellanzetten und 9% benutzen andere Hilfsmittel.
73% der Menschen mit Diabetes geben an, dass das Thema einer sanften Blutgewinnung wichtig oder sehr wichtig für sie ist.
Die Hälfte aller Befragten (51%) misst an der am wenigsten schmerzintensiven Stelle des Fingers, der seitlichen Fingerkuppe. Ein Drittel (31%) der Befragten messen in der Mitte der Fingerkuppe, einer besonders schmerzintensiven Stelle. 12% benutzen eine beliebige Stelle am Finger und 5% nutzen zur Blutgewinnung nicht den Finger.
Bei der Durchführung der Messung wechselt ca. jeder Dritte (32%) die Einstechstelle nicht und weniger als die Hälfte der befragten Menschen mit Diabetes (47%) achten darauf, dass der Finger gut durchblutet ist.
Im Durchschnitt werden Lanzetten zur Blutgewinnung acht mal benutzt, bevor sie gewechselt werden, wobei Typ-1-Diabetiker eine Lanzette häufger benutzen als Typ-2-Diabetiker. 16% der Befragten nutzen eine Lanzette sogar 14 mal und mehr (Abb. 3). Je länger die Befragten mit der Erkrankung leben, desto seltener wechseln sie die Lanzette.

Abb. 3: Nutzungshäufigkeit einer Lanzette
Als häufgste Gründe für den seltenen Wechsel werden angegeben:
- Werden nicht schnell stumpf (64%)
- Müssen nicht steril sein (57%)
- Bequemlichkeit (45%)
- Vergesslichkeit (38%)
- Kostengründe (31%)
Messhäufigkeit
Patienten mit fexibler Insulintherapie und Pumpenträger messen am häufigsten, durchschnittlich 5,6 mal pro Tag. Patienten unter oralen Antidiabetika messen ihren Blutzucker einmal täglich. Ein Großteil der Befragten (80%) misst den Blutzuckerspiegel morgens nüchtern. Patienten mit intensivierter Insulintherapie messen zudem häufg vor jeder Mahlzeit und vor dem Schlafengehen (76% bzw. 69%). Die Befragung ergab, dass mehr als die Hälfte der Menschen mit Diabetes (52%) die Messungen gelegentlich auslassen (Abb. 5). 50% geben an, die Messung zu vergessen, sie wird unterwegs als zu kompliziert empfunden (41%), die Befragten tragen die notwendigen Utensilien nicht bei sich (36%) oder die Vorbereitung ist zu aufwendig (13%). 37% der Befragten ist es unangenehm, die Messung in der Öffentlichkeit durchzuführen.
Messsicherheit
Fast die Hälfte (44%) der Befragten fühlt sich unsicher bei der Messung. 30% der Befragten sind sich manchmal unsicher, ob die gemessenen Werte präzise sind. Weitere Unsicherheiten bestehen bei der Bestimmung des richtigen Zeitpunktes zur Blutzuckermessung (15%) und ob genügend Blut auf den Teststreifen aufgetragen wurde (14%). Auch Faktoren wie Haltbarkeit der Teststreifen (5%), richtige Lagerung (4%) und äußere Einfüsse (5%) führen zu Unsicherheiten bei der Messung. Bei der Haltbarkeit der Teststreifen wissen 64% der Befragten nicht, dass manche Teststreifen bereits eine Zeit nach Anbruch der Packung verfallen, auch wenn das Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist, 24% konnten hierzu gar keine Angabe machen. 20 % der Patienten bewahren die Teststreifen nicht immer verschlossen in der dazugehörigen Teststreifendose auf.

Abb. 5: Gründe für ein gelegentliches Auslassen der BZSK
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Auszugsweise Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von: Verlag Kirchheim + Co GmbH
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