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UKM-Experte: Zuckerbelastungstest muss in Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen werden

13.06.08.

„Wir könnten in Deutschland 300 kindliche Todesfälle im Jahr verhindern, wenn endlich der Zuckerbelastungstest in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen würde“, sagt Prof. Dr. Walter Klockenbusch, Leiter des Bereichs Geburtshilfe am Universitätsklinikums Münster (UKM). Dieser Test zeigt, ob die werdende Mutter unter Schwangerschaftsdiabetes leidet. Eine jetzt veröffentlichte und weltweit durchgeführte Studie (HAPO) untermauert Klockenbuschs Forderung: Die kommt zu dem Ergebnis, dass schon leichte Störungen des Zuckerstoffwechsels in der Schwangerschaft die ungeborenen Kinder gefährdet.

Kinder, deren Mütter Schwangerschaftsdiabetes hatten, können gleich nach der Geburt Anpassungsstörungen wie Blutzuckerabfall, Atemstörungen oder Krampfneigungen haben. „Im späteren Leben haben diese Kinder vermehrt Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Übergewicht“, erläutert Klockenbusch. Fünf Prozent aller Schwangeren haben den so genannten Gestationsdiabetes, so der Fachbegriff. Doch noch immer liegt die Entdeckungsrate dieser Stoffwechselkrankheit in Deutschland bei nur ein bis zwei Prozent. „Vor dem Hintergrund vermeidbarer kindlicher Risiken und der Tatsache, dass in Extremfällen immer noch Kinder wegen eines unentdeckten Diabetes der Mutter sterben, sollte der Test endlich in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen werden“, betont Klockenbusch.

Bislang bieten manche Ärzte den Test Schwangeren auf eigene Kosten an oder er muss von den Patientinnen selbst bezahlt werden. Ist er in die Richtlinien aufgenommen, gehört er zu den Kassenleistungen und damit zum Standard bei der Schwangerschaftsvorsorge.

„Nach Vorliegen der Ergebnisse der HAPO-Studie muss nun festgelegt werden, welche Zuckerwerte im Belastungstest als noch tolerabel und welche als pathologisch anzusehen sind“, erklärt Klockenbusch. Im Juni sollen entsprechende Grenzwerte auf einem Fachkongress in Los Angeles diskutiert und fest gelegt werden. „Hoffentlich findet dann unsere Forderung beim zuständigen Bundesausschuss, in dem unter anderem Krankenkassenvertreter sitzen, endlich Gehör“, sagt Klockenbusch. Bewegung, richtige Ernährung und Insulin seien heute bestens geeignet, um Diabetes und damit in letzter Konsequenz auch einer Totgeburt wirksam vorzubeugen. „300 tote Kinder im Jahr wegen Schwangerschaftsdiabetes sind 300 Kinder zu viel“, betont Klockenbusch.

Quelle: Universitätsklinikum Münster

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