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Diagnose Diabetes – was nun?

Die Diagnose Diabetes ist sicher nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Es gilt, viel Neues zu lernen und zu beachten. Zudem haben viele neu diagnostizierte Diabetiker Ängste vor Komplikationen und fürchten große Einschnitte in ihren Alltag. Tatsächlich ist eine Um- und Einstellung auf die Krankheit notwendig – viele Ängste sind aber unbegründet.

Selbstmanagement lautet im Umgang mit Diabetes das Stichwort – die Kompetenz, Experte für die eigene Krankheit zu sein und mit dieser selbst- und eigenverantwortlich zu leben. Daher sollte für alle Diabetiker, egal ob Typ-1 oder Typ-2, an erster Stelle eine umfassende Schulung stehen. „Die Diabetes-Schulung ist der erste Schritt nach der Diagnose, dies ist auch so in den Behandlungsleitlinien festgehalten“, erklärt Lars Hecht, Diabeteswissenschaftler. Die Form der Diabetesschulung richtet sich u. a. nach dem Diabetes-Typ, so Hecht weiter. Typ-1-Diabetiker müssen umfassend über ihre Krankheit und alle praktischen Anforderungen, die auf die zukommen, aufgeklärt werden: Sie lernen, wie sie die Insulindosis berechnen, wie oft und wann sie welches Insulin spritzen müssen, wie sie den Kohlenhydratanteil einer Mahlzeit in Brot- bzw. Kohlenhydrateinheiten ausrechnen und wie sie richtig den Blutzucker messen. Praktische Fragen, z. B. wie und wohin Insulin gespritzt wird, wie es gelagert wird, welche Fehlerquellen es bei der Blutzuckermessung gibt, was alles Einfluss auf den Blutzucker hat von der Ernährung über Alkohol bis Sport, stehen dabei im Vordergrund. Ziel ist es, den Diabetiker so selbstständig zu machen, dass er nach der Schulung seine Krankheit allein „managen“ kann – daher wird auch von Selbst-Management gesprochen.

Bei Typ-2-Diabetikern, die meist noch kein Insulin spritzen, stehen hingegen andere Dinge im Vordergrund: Hier geht es in der Schulung vor allem um eine Ernährungsumstellung sowie eine Gewichtsreduktion durch Bewegung. Zudem lernen sie, wie der Typ-2-Diabetes entsteht und welche Folge er haben kann. „Das ist wichtig, weil viele Typ-2-Diabetiker eher symptomarm sind. Durch das bessere Verständnis der Krankheit sollen ein gewisses Krankheitsempfinden und auch die Einsicht gefördert werden, seinen Lebensstil zu verändern“, sagt Lars Hecht.

Während Typ-2-Diabetiker üblicherweise über den Hausarzt oder diabetische Schwerpunktpraxen ambulant viermal 90 Minuten im wöchentlichen Abstand geschult werden, sollten Insulinspritzende Diabetiker zwölfmal 90 Minuten geschult werden. „Wir schulen aber z. B. auch stationär innerhalb einer Woche durch“, berichtet Hecht. Bei Kindern werden zudem die Eltern mit ins Boot geholt, da sie im Alltag dafür verantwortlich sind, dass der Stoffwechsel der Kleinen richtig eingestellt ist.

Doch was können Diabetiker denn nun essen – und was nicht? „Auch das hängt natürlich vom Diabetes-Typ ab“, erklärt Hecht. Beim Typ-2-Diabetiker steht eine Gewichtsreduktion im Vordergrund, eine Ernährungsumstellung zu gesünderem Essen ist meistens angeraten. Typ-1-Diabetiker sind jedoch meistens nicht übergewichtig, sondern schlank: „Der Typ-1-Diabetiker kann sich im Grunde völlig normal ernähren. Er muss eben darauf achten, dass er die passende Menge Insulin zuführt.“ Gerade bei Kindern und Jugendlichen sei dies wichtig, so Lars Hecht: Natürlich dürfen jugendliche Typ-1-Diabetiker auch mal einen Döner oder einen Hamburger essen. „Sie lernen dann in der Schulung, wie sie trotzdem einen normalen Blutzuckerspiegel erreichen können. Verbote bringen eher nichts und sind gerade bei Teenagern oft kontraproduktiv“, weiß er.

Und auch Sport ist für Diabetiker beider Typen weiterhin möglich, sogar angeraten: Denn körperliche Betätigung verbessert bei Typ-2-Diabetikern die Insulinsensitivität. Und auch Typ-1-Diabetiker dürfen sich weiter sportlich austoben: Ein Beispiel dafür, dass der Diabetes dabei nicht im Weg stehen muss, ist Gewichtheber und Olympia-Sieger Matthias Steiner. „Es gibt sogar Menschen mit Diabetes, die den Iron-Man absolviert haben“, erzählt Hecht.

Ebenso wie Sport nicht verboten ist, ist es der Konsum des Alkohols: Diabetiker müssen nicht völlig abstinent leben, betont Hecht. Alkohol fördert allerdings das Risiko von Hypoglykämien, hat u. U. auch einen nicht geringen Anteil an Kohlenhydraten, daher muss er auch genau in die Essens- bzw. Insulin-Bilanz einbezogen werden. Daher gilt auch hier: Wer genau über seinen Diabetes Bescheid weiß, profitiert.

Dennoch darf man nicht vergessen: Diabetes ist eine ernst zu nehmende Krankheit. Vierteljährliche Arztbesuche sind daher vorgesehen, jährlich wird zudem eine Untersuchung der Füße und der Augen empfohlen, so Lars Hecht. Und auch die psychischen Belastungen, die die Diagnose Diabetes hervorruft, sollte man nicht unterschätzen. So sind Ängste vor Hypoglykämien bei vielen neuen Patienten präsent: „Am besten hilft dagegen gute Vorbereitung: Ich muss wissen, was ich tun muss, wenn ich Anzeichen einer Hypoglykämie habe, und schnell handeln können. Wenn ich weiß, wie ich mit der Situation umgehen muss, habe ich auch nicht so eine große Angst“, verdeutlicht er. Auch die Angst vor Folgekrankheiten kann man durch ein gutes Selbstmanagement kleinhalten: „Die meisten Folgeerkrankungen entstehen aufgrund eines nicht gut eingestellten Diabetes. Dies hängt aber zu 80 bis 90 % vom Patienten selbst ab“, betont Lars Hecht. Wichtig für jeden neu diagnostizierten Diabetiker sei es daher, sein Schicksal anzunehmen. „Man muss die Krankheit in seinen Alltag integrieren.“

Quelle: BD 4/2011

29.12.11

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