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Opiatabhängigkeit

Heroin-/Opiatabhängigkeit

In einer Heroinabhängigkeit befinden sich Menschen, die sowohl physisch als auch psychisch auf den Konsum von Heroin angewiesen sind. Bei Heroin handelt es sich um eine stark süchtig machende Droge aus der Gruppe der Opiate. In Deutschland sind derzeit ca. 180.000 Menschen (in Österreich 24.800) an Opiatabhängigkeit erkrankt.¹ Diese Krankheit ist keine moralische Schwäche, vielmehr handelt es sich um eine chronische, lebenslange Erkrankung, deren Veranlagung vererbt sein kann. Besserung bringt meist der Weg in eine Suchttherapie. Studien belegen, dass eine Suchttherapie den Drogenkonsum deutlich reduziert, die soziale Situation des Betroffenen verbessert und die Beschaffungskriminalität verringert.² Die Krankheit nimmt einen positiveren Verlauf und geht mit einer geringeren Sterberate und HIV-Übertragungsrate einher.³ Durch die Suchttherapie kann sich die allgemeine Lebensqualität des Betroffenen stark verbessern.⁴

Suchttherapie

Der Weg in die Suchttherapie beginnt mit dem Arztbesuch. Bei diesem Besuch wird individuell entschieden, welches Suchtmedikament für den Patienten geeignet ist. Besonders wichtig für diese Entscheidung sind die persönliche Situation sowie die individuellen Ziele des Patienten wie z. B. die langsame Wiedereingliederung in das Arbeitsleben oder der Aufbau einer Familie. Neben dem Gesundheitszustand des Heroinkonsumenten sind auch psychologische und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Die Therapie soll den Patienten helfen, aus ihrem alltäglichen Kreislauf der Drogenbeschaffung auszubrechen, ihr Überleben zu sichern und die Risiken für sich und andere zu reduzieren (sogenannte Harm Reduction). Mittelfristige Ziele der Therapie sind Beigebrauchsfreiheit von anderen Drogen wie z. B. Kokain oder Alkohol sowie die psychische Stabilisierung und die Reintegration des Patienten in die Gesellschaft. Das langfristige Ziel der Suchttherapie ist die Opiatabstinenz – ein Leben ganz ohne Heroin und eventuell sogar ohne Substitutionsmedikamente. Um Heroinkonsumenten von Beginn an vor Entzugserscheinungen und Suchtdruck zu bewahren, wird eine kontinuierliche, langfristige Therapie mit einem geeigneten Suchtmedikament empfohlen.

Medikamente

Bei einer medikamentös unterstützten Suchttherapie wird dem Patienten ein Suchtmedikament verabreicht, welches der bislang zugeführten Droge (z. B. Heroin) ähnlich ist. Hierfür werden häufig Medikamente mit den Wirkstoffen Buprenorphin oder Methadon verabreicht. Grundsätzlich sollten Suchtmedikamente nicht schläfrig oder müde machen. Ein klarer Kopf ermöglicht den ersten Schritt in ein bewusstes Leben und unterstützt den Patienten, dabei Abstand zur Szene zu gewinnen.

Methadon

Der bekannteste in Suchttherapien eingesetzte Wirkstoff dürfte Methadon sein, welcher als Standard in der Suchttherapie gilt. Patienten beschreiben ihren psychischen Zustand unter Methadon oftmals als „gedämpft“ und „wie in Watte gepackt“. In der Regel wird Methadon bei Patienten eingesetzt, die eine Art Abschirmung gegen die Außenwelt benötigen und eine Dämpfung brauchen. Methadon deckt jedoch nur ca. 35 Prozent der Opiatrezeptoren ab⁵, sodass bei einem zusätzlichen Heroinkonsum immer noch ausreichend Rezeptoren vorhanden sind, die ein euphorisches Gefühl (Kick) auslösen.

Buprenorphin

Der Wirkstoff Buprenorphin wird heute neben Methadon als Medikament der ersten Wahl verwendet. Buprenorphin bindet stärker und länger an die Opiatrezeptoren (bis zu 72 Stunden) als etwa Heroin oder Methadon und lässt sich im Gegensatz zu anderen Opiaten nur schwer von den Rezeptoren verdrängen.⁶ Ist der Patient mit einer Zieldosis von etwa 16 mg auf Buprenorphin eingestellt, so sind zwischen 80 und 95 Prozent der Opiatrezeptoren im Körper besetzt.⁵′⁷ Würde sich der Patient nun Heroin spritzen, würde er keinen Kick verspüren. Heroin schafft es nicht, Buprenorphin von den Rezeptoren zu verdrängen, und somit wird kein euphorisches Gefühl ausgelöst.

Buprenorphin wirkt schnell und unmittelbar gegen die auftretenden Entzugssymptome und unterdrückt das Suchtverlangen langfristig. Eine dämpfende Wirkung wie unter Methadon stellt sich in der Regel nicht ein. Buprenorphin eignet sich besonders zur Behandlung bei Heroinkonsumenten, die auf eine sedierende Wirkung verzichten können. Im Vergleich zu anderen Behandlungsoptionen ermöglicht Buprenorphin dem Patienten während der Therapie einen klaren Kopf, so kann dieser besser Entscheidungen treffen und reflektieren. In der Anwendung bietet Buprenorphin den Vorteil, dass bei einer Dosiserhöhung ein Sättigungseffekt (Ceiling-Effekt) auftritt und somit kein erhöhtes Risiko einer Atemdepression besteht.⁸ Der Ceiling-Effekt verringert die Wahrscheinlichkeit einer tödlichen Überdosis – diese ist zum Teil bei anderen Opiaten wie z. B. Heroin oder Methadon höher. Ein Patient, der stabil auf Buprenorphin eingestellt ist, kann zudem von der Mini-Depot-Wirkung profitieren. Das bedeutet, dass der Patient die doppelte oder dreifache Tagesdosis erhält und die Wirkung dementsprechend zwei bis drei Tage länger anhält. In dieser Zeit muss der Patient nicht zum Arzt gehen.

Naloxon

Naloxon wird in der Regel in der Notfallmedizin zur Lebensrettung oder bei einer Opiatüberdosierung eingesetzt. Es wirkt schnell und sicher und kann im entscheidenden Moment Leben retten. In der Suchttherapie ist Naloxon als zusätzlicher Wirkstoff in Kombination mit Buprenorphin zu finden und erschwert die nicht sachgerechte Anwendung (Schniefen oder Spritzen) des Suchtmedikaments. Die bekannte euphorische Wirkung bleibt aus. Während einer ordnungsgemäßen Anwendung des Medikaments wird Naloxon nicht wirksam, selbst wenn Beikonsum stattgefunden hat. So wie bei einer Leitplanke auf der Autobahn bleibt Naloxon bei sachgerechtem Gebrauch im Hintergrund. Im entscheidenden Moment kann es dem Patienten jedoch helfen, nicht von der Spur abzukommen. Es bietet Schutz vor einem Rückfall und kann dem Heroinkonsumenten helfen, Abstand zur Szene zu gewinnen. Der motivierte Patient kann sich voll und ganz auf seine Therapie konzentrieren und schafft mit einem klaren Kopf oft den Schritt aus der Szene in ein normaleres Leben.

Welches Medikament für den Patienten in der Suchttherapie geeignet ist, sollte in einem Arzt-Patienten-Gespräch herausgefiltert werden. Die Empfehlung eines Suchtmedikaments sollte hierbei immer individuell auf den Patienten und seine Wünsche und Ziele abgestimmt sein. Diese sollten wiederum in regelmäßigen Abständen überprüft werden, um so Schritt für Schritt eine Verbesserung der Lebenssituation für den Patienten zu ermöglichen. Um Rückfälle zu vermeiden und langfristig ein Leben ohne Drogen zu erreichen, sollte eine Drogenabhängigkeit im Zuge einer Langzeittherapie – auch über viele Jahre hinweg – behandelt werden.

Saskia Maurer


Quellen

¹ EMCDDA Report Summary Table PDU-1. (2012). Estimates of prevalence of problem drug use at national level: 2005 – 2010, rate per 1000 aged 15 – 64.

² Vertheim, U. et al. (2008). Long-term effects of heroin-assisted treatment in Germany. Addiction 103(6):960-6; discussion 967-8.

³ WHO (2009). Guidelines for the Psychosocially Assisted Pharmacological Treatment of Opioid Dependence.

⁴ Apelt, S.M., et al. (2013). Safety, Effectiveness and Tolerance of Buprenorphine-Naloxone in the Treatment of Opioid Dependence: Results from a Nationwide Non-Interventional Study in Routine Care. Pharmacopsychiatry 46(3):94-107.

⁵ Zubieta, J.-K., et al. (2000). Buprenorphine-Induced Changes in Mu-Opioid Receptor Availability in Male Heroin-Dependent Volunteers: A Preliminary Study. Neuropsychopharmacology VOL. 23, NO. 3.

⁶ McNicholas, L. (2004). Clinical Guidelines for the Use of Buprenorphine in the Treatment of Opioid Addiction – A Treatment Improvement Protocol TIP 40. U.S. Department of Health and Human Services. DHHS Publication No. (SMA) 04-3939.

⁷ Greenwald, M. K., et al. (2003). Effects of buprenorphine maintenance dose on mu-opioid receptor availability, plasma concentrations, and antagonist blockade in heroin-dependent volunteers. Neuropsychopharmacology. 28(11): 2000-9.

⁸ Lintzeris, N., et al. (2006). National clinical guidelines and procedures for the use of buprenorphine in the
maintenance treatment of opioid dependence. Commonwealth of Australia.

04.09.13

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