Wie wird die Diagnose einer Epilepsie gestellt
12.12.06.
Die Diagnose der Epilepsie ruht auf zwei Säulen:
1. auf der möglichst genauen Beschreibung der Anfallsereignisse und
2. auf dem charakteristischen EEG-Befund, der anzeigt, dass eine erhöhte Bereitschaft zu epileptischen Anfälle besteht.
Bei der Anfallsbeschreibung ist der Arzt in der Regel auf die Beobachtung anderer Personen angewiesen, die den Anfall bei dem Patienten beobachtet haben. Zur Einordnung des Anfalls ist es wichtig, möglichst viele Einzelheiten des Anfalls festzuhalten.
Um feststellen zu können, ob jemand an Epilepsie leidet, ist das EEG das wichtigste diagnostische Hilfsmittel. Dieses zeichnet fortlaufend die elektrische Aktivität der Nervenzellen des Gehirns auf. Mit Hilfe des EEG kann beim Patienten die Bereitschaft zu epileptischen Anfällen festgestellt werden, manchmal gelingt es auch, während eines Anfalls ein EEG zu schreiben.
Die zwischen den Anfällen aufgezeichneten Wellen, welche die Bereitschaft zu epileptischen Anfällen signalisieren, heißen epileptiforme Wellen. Die epileptiforme EEG-Aktivität kann sehr unterschiedlich aussehen. Die häufigsten Veränderungen sind spitze Wellen (Spike-Waves) und scharfe Wellen (Sharp-Waves). Folgt der scharfen Welle eine langsame Welle, so spricht man von Sharp-Slow-Waves.
Neben dem Routine-Wach-EEG sollte auch ein Kurzzeit-Schlaf-EEG durchgeführt werden, damit die epileptiformen Entladungen, die nur im Schlaf auftreten (z.B. bei der sog. benignen fokalen Epilepsie des Kindesalters, siehe dort), nicht übersehen werden. Die Einordnung der Anfälle wird durch die videogestützte gleichzeitige Aufzeichnung von EEG und Anfall (synchrone Doppelbildaufzeichnung) erleichtert. Gerade bei Kindern gilt in Bezug auf das EEG nach wie vor, dass ein unauffälliges EEG eine Epilepsie nicht ausschließt und umgekehrt der Nachweis epileptiformer Entladungen im EEG nicht das Vorliegen einer Epilepsie beweist. Unter Umständen ist die Ableitung mehrerer EEG notwendig, bis die für eine Epilepsie typischen epileptiformen Veränderungen nachgewiesen werden können.
Zur Darstellung von Hirnschäden bedient man sich der sog. bildgebenden Verfahren, wozu die zerebrale Computer-Tomographie (CT) und die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) gehören. Die MRT ist in fast allen Fällen die bessere Methode und deshalb die Methode der 1. Wahl. Bei Neugeborenen und Säuglingen kann man mit der Schädelsonographie (durch die noch offene Fontanelle) auch eine Reihe von Hirnveränderungen darstellen. Aber erst durch den Einsatz der sog. hochauflösenden MRT wird erkennbar, dass kleinere umschriebene Fehlbildungen in der Hirnrinde (z.B. verbreiterte, falsch aufgebaute Hirnwindungen) eine häufigere Ursache schwer behandelbarer Epilepsien sind.
Wenn alle Angaben bezüglich der Familiengeschichte, des Entwicklungsverlaufs des Kindes, der Anfallsform, des EEG-Befundes und die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren vorliegen, kann die Diagnose einer bestimmten Epilepsieform bzw. eines bestimmten Epilepsiesyndroms entsprechend der ILAE-Klassifikation gestellt werden. Unter Epilepsiesyndrom versteht man eine Krankheitseinheit, die durch bestimmte Anfallsformen, durch das Lebensalter bei Beginn der Epilepsie, durch die Ursache der Epilepsie, durch den EEG-Befund und durch die Zukunftsaussichten (Prognose) charakterisiert ist.
Prof. Dr. med. Hartmut Siemes
www.epilepsie-informationen.de
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