- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Neurologie - Epilepsie - Ich habe Epilepsie - Erfahrungsbericht: Epilepsie betrifft die ganze Familie

Erfahrungsbericht: Epilepsie betrifft die ganze Familie

Mein Name ist Angela Michels, ich bin 44 Jahre alt und Mutter von 2 Kindern. Meine Tochter ist 21 Jahre alt und seit ihrem 13.ten Lebensjahr Epileptikerin. Am 11.06.1999 um 14:00 Uhr hat Davina in unserem Gäste-WC den ersten Grandmal-Anfall bekommen.

Ich wunderte mich schon warum sie so lange dort blieb, aber der Tisch sollte abgeräumt werden und dann blieb sie immer etwas länger. Ich hörte dann einen kurzen Schrei und danach Gepolter. Ich dachte meine Tochter hätte vielleicht eine Spinne entdeckt und würde nun danach schlagen. Als ich nachsehen wollte, lag Davina in diesem kleinen Raum auf dem Boden. Sie war ganz grau und hatte die Augen nach hinten verdreht. Ich kann nicht beschreiben was in mir vorging. Dieser Anblick hat sich so in mein Gedächtnis gebrannt, dass es mir auch jetzt nach 7 Jahren noch die Tränen in die Augen treibt.

Ich hatte große Angst dass sie stirbt, da Davina in eine so tiefe Ohnmacht gefallen war, dass sie auf nichts mehr reagierte. Sie hatte sich eingenässt und war im ganzen Gesicht zerkratzt.

Im Krankenhaus erklärte man mir dass es sich wahrscheinlich um einen Gelegenheitskrampf handeln würde, der in der Pubertät auftreten kann. Fest stand das es ein Grandmal Anfall war. Davina blieb für einige Tage in der Klinik.

Ich war wie paralysiert, konnte nicht mehr aufhören zu zittern und immer wenn ich die Augen schloss, hatte ich sofort diese Bilder wieder vor Augen. Ich recherchierte im Internet, holte mir Ratschläge von unseren Ärzten. Ich wollte Informationen darüber, wie es nun weitergehen soll. Als Davina wieder zu Hause war, wurde es für mich erst richtig schlimm. Sie hatte ihr Zimmer im ersten Stock und jedes Mal, wenn sie irgendetwas fallen ließ oder eine Schublade knallte, zuckte ich zusammen und hatte Angst, dass es ein neuer Anfall sein könnte.

Im Oktober am ersten Tag unseres Urlaubs in Spanien bekam Davina den 2.ten großen Anfall. Zurück in Deutschland ging sie in eine Klinik um medikamentös eingestellt zu werden. Die Ärzte stellten fest, dass die Anfälle durch Stress, Überforderung und flackerndes Licht ausgelöst werden. Eine Vernarbung am Hirn lag nicht vor und so hieß es meine Tochter hätte eine gentechnische Disposition. Letztendlich interessierte mich auch nicht woher die Anfälle kamen, sondern wie Davinas Leben weiter gehen sollte. Ich besuchte einen “ Erste Hilfe am Kind” Kurs und machte mich auch sonst überall schlau. Ich saugte jede Information auf wie ein Schwamm. Ich erfuhr, dass es auch in meinem Bekanntenkreis Menschen gab, die schon jahrelang an Epilepsie litten und mit Hilfe der Medikamente ein ganz normales Leben führten. Davina bekam Ergenyl Chrono. Ich hütete jahrelang die Diazepharm Klistiere in meinem Kühlschrank wie einen Schatz.

Es gab noch weitere Anfälle, Gott sei Dank immer in geschützten Räumen, bei Menschen, die Davina kennen und wussten was zu tun ist. Davina merkte von diesen Anfällen nichts, außer dass sie danach im ganzen Körper Muskelkater hatte, ihr Gesicht zerkratzt war und die eine oder andere Beule davon trug. Sie war meist vor und nach diesen Anfällen sehr schlecht gelaunt.

Diese Situation ging auch an meiner Gesundheit nicht spurlos vorüber. Ich bekam nach einigen Wochen Herzrhythmusstörungen und wurde in eine Kur geschickt. Es folgten noch 2 Hörstürze und die Ärzte rieten mir, mehr Stress abzubauen und mit meinem Leben anders umzugehen!.

Davina lebt heute in einer Einrichtung für behinderte Menschen, sie ist dort glücklich, man erwartet dort nicht mehr als sie leisten kann und sie hat nicht mehr den Druck so sein zu müssen wie die “Anderen”. Sie lebt weiter mit den Medikamenten, aber seit 2 Jahren anfallfrei.

01.09.06

Erfahrungsbericht: Epilepsie betrifft die ganze Familie
Newsletter An-/Abmeldung

Code: AAEJ