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Experteninterview mit Herrn Prof. Dr. Pfeiffer

Prof. Dr. Pfeiffer ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des GFMK-Ratgebers Diabetes und ist Direktor der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Ernährung an der Universitätsmedizin Berlin und Leiter der Abteilung Klinische Ernährung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIFE).

Herr Prof. Dr. Pfeiffer, warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf die Diabetologie zu spezialisieren?

Zunächst war es naturwissenschaftliches Interesse und der Wunsch, ein klinischer Forscher zu werden. Im Lauf der Ausbildung an der Universität, in der klinischen Arbeit und in der Forschung habe ich festgestellt, dass diese Verbindung von klinischer Arbeit mit Menschen und Wissenschaft mich brennend interessiert und das Gebiet ist, in dem ich meine Fähigkeiten am besten anwenden kann. Das Gebiet Diabetologie im Zusammenhang mit Ernährung hat sich im Laufe der Zeit als eines herauskristallisiert, in dem enorm viele Fragen zu beantworten sind und eine außerordentlich anregende Forschung, die vom Geschmack, über den Appetit, über die Wirkung von Nahrungsmittel auf den Stoffwechsel bis zur Hormonregulation reicht, zu verwirklichen ist. Die Verbindung von Ernährungsmedizin und Diabetologie ist ein Feld, auf dem sich meine persönlichen Interessen mit meinen beruflichen hervorragend kombinieren lassen.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?

Es ist in erster Linie das persönliche Verständnis der individuellen Situation und das gemeinsame Entwickeln von Lösungswegen für einen möglichst erfolgreichen Umgang mit der Erkrankung Diabetes oder Hormonerkrankungen.

Worin sehen Sie das größte Problem bezüglich der wachsenden Anzahl von Betroffenen?

Darin, dass wir gegenwärtig keine Strategie haben, um diesen Trend umzukehren, oder keine wirkliche Heilung des Diabetes in Sicht wäre. Das größte Problem ist deshalb das Entwickeln einer wirklich effektiven Prävention. Dafür fehlt bisher die Forschung zur Entwicklung gesunder Nahrungsmittel, die auch wirklich akzeptiert und konsumiert werden, zur Psychologie der Motivation von gesundem Verhalten, zur effektiven Prävention und Therapie der Adipositas als wichtigstem Risikofaktor.

Welchen Einfluss hat der Lebensstil auf den Diabetes?

Er hat einen enormen Einfluss auf den Stoffwechsel und ist die Ursache für die allermeisten Typ-2-Diabetesfälle, die durch ein gesundes Verhalten ganz überwiegend vermeidbar wären. In unserer gegenwärtigen Kultur schaffen wir es leider nicht, das Essen gesund zu gestalten, Bewegungsmöglichkeiten in unseren Alltag einzubauen und effektiv Stress und Depressionen in den Griff zu bekommen. Insbesondere beim Essen wäre es wichtig, gesunde Nahrungsmittel, die hervorragend schmecken, sättigen und nicht dick machen, zu entwickeln, um das Problem Adipositas und Stoffwechsel sowohl zur Vermeidung wie zur Therapie des Diabetes in den Griff zu bekommen.

Was sind Ihrer Ansicht nach Irrtümer im Wissen um die Erkrankung Diabetes und ihre Behandlung?

Der „Alterszucker“ als „harmlose Erkrankung“ ist ein schwerer Irrtum, der die angemessene Behandlung verzögert. Weitere Irrtümer sind sicherlich, dass die Erkrankung sich zwangsläufig einstellt, wenn man die „falschen Gene“ hat, und dass die manchmal katastrophalen Folgen des Diabetes sich zwangsläufig einstellen müssen. Sie können oft vollständig vermieden oder gut therapiert werden, vor allem, wenn rechtzeitig eingegriffen wird.

Welches sind Ihrer Meinung nach die erfolgversprechendsten Forschungsansätze in der Diabetestherapie und welche Erwartungen haben Sie bezüglich zukünftiger Möglichkeiten?

Die effektive Steuerung des Energiestoffwechsels ist offensichtlich das grundlegende Problem beim Diabetes. Wir benötigen Therapien, die auf verschiedenen Ebenen den Stoffwechsel verbessern. Hierfür ist die Kombinationstherapie mit überwiegend nicht insulinabhängigen Therapeutika besonders geeignet. Obwohl Insulin ein notwendiges Stoffwechselhormon ist, ist der Überschuss an Insulin eins der Hauptprobleme der Diabetestherapie und die physiologische Steuerung des Insulinbedarfs in Kombination mit Therapien, die nicht von der Insulinwirkung abhängig sind, ist meines Erachtens der Weg in die Zukunft. Die Steuerung des Energiestoffwechsels beinhaltet die effektive Kontrolle des Körpergewichts.

Welche Rolle spielen Patientenpublikationen bei der Deckung des Informationsbedarfs der Betroffenen?

Diese vermitteln wichtige Informationen an die Patienten und werden nach meiner Erfahrung mit großem Interesse aufgenommen.

Herr Prof. Pfeiffer, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Quelle: Ratgeber Diabetes 2012

20.07.12

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