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Erfüllte Partnerschaft trotz MS

Es gibt viele Ratgeber, die sich mit dem Thema befassen, wie ein chronisch kranker Mensch nach der Diagnosestellung auf den Partner zugeht, zu welchem Zeitpunkt und wie er ihm die Krankheit erklärt, wie er das gemeinsame Leben neu strukturiert. Befund MS berichtet bereits darüber. Wir Aber wie sieht es umgekehrt aus: Auch der „gesunde“ Partner oder die „gesunde“ Partnerin steht vor einer völlig neuen und veränderten Situation, benötigt Hilfe. Sowohl bei der Bewältigung einer neuen und schmerzlichen Lebenserfahrung als auch im Umgang mit dem Erkrankten.

Egal, ob Sie nun dabei waren, als Ihr Partner oder Ihre Partnerin die Diagnose Multiple Sklerose erhielt hat oder ob Sie in einem späteren persönlichen Gespräch davon erfahren haben: Machen Sie sich bewusst, dass dabei auch auf Sie vollkommen neue Umstände einstürmen, stehen Sie zu den Gedanken und Gefühlen, die Sie überwältigen, zu Ihrer Angst und Unsicherheit. Neben den Sorgen um den Erkrankten können viele neue Aufgaben auf Sie zukommen, die Sie zusätzlich zu Ihrem Beruf und der Familie belasten können.

Natürlich werden Sie zunächst versuchen, dem direkt von der Krankheit Betroffenen möglichst viel abzunehmen und ihn nicht zusätzlich durch Ihre Probleme zu behelligen. Aber machen Sie sich klar, dass für Ihren Partner oder Ihre Partnerin eine intakte Beziehung das Wichtigste ist und wesentlich zur Bewältigung der Krankheit beiträgt. Nur wenn Sie selbst mit sich im Reinen sind, werden Sie dem anderen die Unterstützung geben können, die er jetzt so dringend braucht. Und für beides, sowohl für die Gesundheit der Beziehung als auch für die persönliche Ausgeglichenheit, ist ein gegenseitiger, offener Austausch die Basis.

Wenn Sie sich über die Krankheit informieren, sei es nun im Gespräch mit dem Arzt oder mit dem Erkrankten, sei es durch Lektüre, können Sie sich konstruktiv mit dem auseinandersetzen, was Sie beide zukünftig erwartet, mit den Symptomen, die den praktischen Alltag erschweren, die aber auch die persönliche Stimmung beeinflussen können. Sie werden dabei auch erfahren, dass Multiple Sklerose – obwohl unheilbar – von der modernen Medizin gut beherrschbar ist und bei Weitem nicht jeder Erkrankte unweigerlich im Rollstuhl endet. Eine besonnene, sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema wird Ihnen die eignen Ängste nehmen und Sie dadurch befähigen, stabilisierend auf Ihr Gegenüber einzugehen. Der eine braucht vielleicht mehr Aufmunterung, der andere mehr Mitleid, vielleicht hängt es auch gerade von der momentanen Stimmung ab, was gefragt ist. Aber machen Sie sich keine Vorwürfe, wenn Sie einmal falsch reagieren: Bauen Sie auf das gegenseitige Vertrauen, das auch kleine Fehler verzeihbar macht.

Das gilt nicht nur auf der Gefühls- und Kommunikationsebene, sondern auch in der Organisation des Alltags. Ein Mensch, der an MS erkrankt ist, ist weniger belastbar und braucht sicherlich mehr Nachsicht und Unterstützung in alltäglichen Dingen. Nicht jeder will jedoch seine angstammten Aufgaben einfach abgeben. Eine Krankheit stürzt die alte Ordnung bis zu einem gewissen Grad um und erfordert von allen Beteiligten die Flexibilität, veränderte Strukturen aufzubauen und zu akzeptieren. Das kann auch eine neue Chance bedeuten, die aber immer mit Sensibilität und gegenseitiger Achtung ergriffen werden sollte. Reden Sie nicht nur mit dem Erkrankten darüber, was er gerne abgeben möchte, sondern auch darüber, was Sie selbst zu leisten in der Lage sind.

In jeder Partnerschaft zählt vor allem die gemeinsam verbrachte Zeit, umso mehr in Krisensituationen. Sexualität ist beispielsweise ein ungeheuer wichtiges Bindeglied. Aber vielleicht hat Ihr Partner oder Ihre Partnerin aufgrund der Symptome der MS, etwa Spastik oder Sensibilitätsstörungen, durch die psychische Belastung oder die Therapie keine Lust auf körperliche Nähe. Gehen Sie behutsam damit um, auch wenn Sie wissen, dass sexuelle Aktivität sich nicht negativ auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Suchen Sie gemeinsam einen Arzt auf und lassen Sie sich beraten. Aber vergessen Sie nicht, auch ohne Sex das Gefühl von Nähe und Geborgenheit zu vermitteln.

Sicherlich ist es ganz normal, wenn Sie Ihre Sorgen und Probleme gegenüber denen des Erkrankten für gering halten, aber auch Sie brauchen ab und zu eine Auszeit, das vertraute Gespräch mit Freunden und vielleicht auch die Hilfe Ihres Arztes, der Sie bei der neuen Herausforderung unterstützt.

Quelle: BMS 3/2011

05.01.12

Ich habe Multiple Sklerose
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