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Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms

24.01.10.

Die neue „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. in Kooperation mit dem Ärztlichen Zentrum für Qualität (ÄZQ) in der Medizin und wurde von der Deutschen Krebshilfe e.V. gefördert.

Das Projekt startete Ende 2005 und basiert auf Mitwirkung folgender beteiligter Organisationen: dem Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU), der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO), der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), dem Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten (BVDST), der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP), der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN), der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG), dem Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) sowie der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Die Leitlinie enthält Statements und Empfehlungen zu den Bereichen Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Begleitung des lokal begrenzten, des lokal fortgeschrittenen, des rezidivierten und des metastasierten Prostatakarzinoms sowie zu Rehabilitation und Nachsorge. Die Vorabveröffentlichung der Konsultationsfassung ermöglichte medizinischen Fachgesellschaften aller Disziplinen, Krankenkassen, Patientenorganisationen und anderen Handlungsträgern im Gesundheitswesen Einsicht und die Möglichkeit zur Stellungnahme.

Die Kommentare wurden vom ÄZQ gesammelt, der Steuergruppe des Projekts zur Würdigung vorgelegt und fanden z. T. auch Eingang in die Leitlinie. „Mit diesem Vorgehen stellen wir die neue Leitlinie auf die breitest mögliche Basis und sichern damit eine optimale Akzeptanz der Behandlungsempfehlung“, sagte DGU-Präsident Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Wirth. In ihrer endgültigen Form wurde die neue S3-Prostatakarzinom-Leitlinie auf dem 61. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. im September in Dresden vorgestellt. Empfehlungen, die auf dem besten derzeit verfügbaren Wissen beruhen, haben jedoch eine begrenzte Halbwertszeit. Neue Studienergebnisse erfordern unter Umständen neue oder modifizierte Empfehlungen. Die S3 Leitlinie zum Prostatakarzinom soll daher im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie kontinuierlich aktualisiert werden.

Patientenleitlinien: Medizinisches Wissen in laienverständlicher Form

Begleitend zur S3-Leitlinie erscheint ein Patientenratgeber, der von Patientenvertretern und ärztlichen Experten erarbeitet und durch das ÄZQ methodisch sowie redaktionell begleitet wurde. Die Inhalte und Empfehlungen der ärztlichen Leitlinie wurden laienverständlich übersetzt und durch Hintergrundinformationen und weiterführende Literatur und Adressen ergänzt. Mit dem vermittelten Wissen können betroffene Patienten als kompetente Partner ihren Therapieprozess mitgestalten und die wichtigen Entscheidungen gut informiert treffen.

Der erste Teil der Patientenleitlinie zum Prostatakrebs richtet sich an Männer, die an einem lokal begrenzten Prostatakarzinom erkrankt sind. Der zweite Patientenratgeber zum lokal fortgeschrittenen und metastasierten Prostatakarzinom wird in einem weiteren Band zu einem späteren Zeitpunkt herausgegeben. Beide Ratgeber werden auf der Website des ÄZQ barrierefrei für Menschen mit Sehbehinderung zur Verfügung stehen.

„Die Patientenleitlinie zum Prostatakarzinom zeichnet sich dadurch aus, dass sie, wie bisher kein anderer Ratgeber, das beste derzeit verfügbare Fachwissen der ärztlichen Leitlinie laienverständlich übersetzt. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zu einer kompetenten gemeinsamen Therapiefindung von Arzt und Patient und ist allen Betroffenen zur Lektüre zu empfehlen. Für alle anderen Tumorerkrankungen wird sie Vorbildfunktion haben“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Wirth.

Die Patientenleitlinie ist Bestandteil des Leitlinienprogramms Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Sie wurde von den Vertretern der wissenschaftlichen Fachgesellschaften, die bereits an der Erstellung der ärztlichen Leitlinie beteiligt waren, und von Patientenvertretern erarbeitet und durch das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) redaktionell betreut.

Der Fürther Urologe Prof. Dr. Lothar Weißbach kommentiert: „Die neue Leitlinie berücksichtigt das Erkrankungsstadium und die individuelle Situation des Patienten sowie seine Präferenzen. Das gilt insbesondere für die frühen Erkrankungsstadien, die es ermöglichen, die Wünsche des Patienten, seine familiäre Situation, seine Vorgeschichte und seinen Anspruch auf Lebensqualität in die Therapieentscheidung mit einfließen zu lassen. Dabei wird vor dem Hintergrund der Früherkennungsdiskussion die Bedeutung von Active Surveillance (Aktive Überwachung) als Therapieoption zunehmen. Außerdem betont die Leitlinie die vermehrte Pflicht zur Information durch den Arzt.“

Quellen: DGU/ÄZQ

Aus Befund Krebs 5/2009

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