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Mit Fußwunden sofort in die Fußambulanz

Das sollte jeder Diabetiker zur Sicherheit seiner Füße wissen

„Ihr Zeh muß amputiert werden. Das heilt nicht mehr!“ Diese Nachricht schockierte den 40-jährigen Monteur Jens Petersen. Dabei hatte alles vor zwei Tagen mit einer kleinen Wunde am großen Zeh angefangen. Dass Diabetiker leichter gefährliche Fußwunden entwickeln, wusste der Handwerker schon lange.

So oder so ähnlich spielen sich Schicksale um vernachlässigte Fußwunden auch in Deutschland noch ab, weil Patienten und Ärzten die Besonderheiten bei der Entwicklung von Komplikationen nicht ausreichend bewusst sind: Schneller, heftiger und gefährlicher können Entzündungen an den Füßen von Diabetikern verlaufen – besonders, wenn sich Unempfindlichkeit durch eine Nervenstörung oder gar eine Durchblutungsstörung hinzugesellt.

Ein wichtiger Baustein beim sog. Diabetischen Fußsyndrom ist die Neuropathie. „Neuropathie“ (Neuro = Nerv, Pathie = Krankheit). Ein erhöhter Blutzuckerspiegel kann über längere Zeit giftig auf die Nerven unseres Körpers wirken. Stellen Sie sich ein Telefonkabel vor, an dem eine Ratte immer wieder nagt. Die Telefonverbindung würde immer schlechter. Die Folge: Die Informationen oder die Befehle, die weitergeleitet werden sollen, kommen dann nur bruchstückhaft oder gar nicht an. Konkret heißt das, dass ein Stich in einen Fuß nur als Berührung oder gar nicht als Information an den Kopf weitergeleitet wird. Später kommen meist noch eine Unempfindlichkeit gegenüber Wärme, Schmerz und Kälte, trockene, rissige Haut und die Neigung zu Hornhautbildung und Druckstellen an den Fußsohlen hinzu – Eintrittspforten für Bakterien und Pilze! Verletzungen an nervengeschädigten Füßen werden zu spät oder gar nicht bemerkt.

Wenn die diabetische Nervenschädigung (Neuropathie) das normale Funktionieren und die Belastungsfähigkeit des Fußes stark eingeschränkt hat, dann spricht man vom diabetischen Fuß. Die Empfindlichkeit für Druck, Schmerz, Temperatur und Berührung ist dann stark herabgesetzt oder erloschen. Der Fuß kann nicht mehr durch Schmerzen auf seine Nöte aufmerksam machen – er verschwindet manchmal durch sein „Schweigen“ aus dem Bewusstsein des betroffenen Menschen. Nicht selten gesellt sich auch eine meist schmerzlose Durchblutungsstörung (auch Schaufensterkrankheit genannt) erschwerend hinzu.

Die gute Nachricht ist, dass beim diabetischen Fuß intensive Betreuung und Fürsorge seine Funktion erhalten können. In der Vergangenheit war die Gefahr groß, dass Operationen notwendig wurden. Durch die Einrichtung von spezialisierten Fußambulanzen und Krankenhausabteilungen sowie durch Schulungen der Patienten sind sehr gute Erfolge erzielt worden, und das Risiko ließ sich reduzieren. Jeder Diabetiker sollte diese Grundregel kennen: Wenn der behandelnde Arzt innerhalb von vier Wochen keine wesentliche Verbesserung einer Fußwunde erzielt hat, sollte er zu einer Diabetesschwerpunktpraxis mit Fußambulanz überweisen. Manchmal hilft schon eine Zweitmeinung, um die Therapie zu verbessern.

Die meisten Diabetesschwerpunktpraxen verfügen über eine Fußambulanz, in der der Diabetologe die notwendigen diagnostischen und personellen Möglichkeiten vorhält: Wundmanager versorgen die Wunde, Diabetesberaterinnen informieren und schulen gefährdete Patienten und Podologen sorgen später für eine ordnungsgemäße, schädigungsfreie Fußpflege. Unter Umständen wird die Anpassung einer individuellen Schuhversorgung in Zusammenarbeit mit Schuhorthopädietechnikern notwendig – wenn es sein muß, sogar mit Maßschuhen. All dies sind Kassenleistungen.

Wenn Sie ein Fußgeschwür haben, ist Eile geboten. Noch am selben Tag sollten Sie sich in ärztliche Behandlung begeben. Wundreinigung, Entlastung des Fußes und eine geeignete Wundbehandlung müssen sofort eingeleitet werden. Selbst wenn die Amputation droht – wie bei dem Monteur – ist noch nicht aller Tage Abend. Jens Petersen entschied sich instinktiv richtig. Er suchte sofort eine Fußambulanz in einer Diabetesschwerpunktpraxis auf. Dort wurde die Großzehe mit Verbänden, Antibiotikum und sofortiger Schonung gerettet.

Was ist bei Pflege und Kontrolle neuropathischer Füße zu beachten?

  • Füße mindestens alle 2 Tage waschen – am besten mit parfümfreier, neutraler Flüssigseife; gut abtrocknen (auch zwischen den Zehen). Feuchte Hautstellen sind ein beliebter Tummelplatz für Hautpilze.
  • Füße täglich eincremen. Achtung: Zehenzwischenräume aussparen (Fußpilzgefahr!).
  • Alles, was spitz ist, hat bei der Fußpflege nichts zu suchen. Zu stark ausgebildete Hornhaut sollte regelmäßig mit einer Feile oder einem Bimsstein abgeschliffen werden, bevor sich Risse (Ausgangspunkte für Infektionen) bilden. Nägel am besten mit einer Feile kürzen. So vermeiden Sie Verletzungen, die besonders bei vorgeschädigten Füßen leicht zu Vereiterungen führen können.
  • Die tägliche Fußinspektion – auch in den Zehenzwischenräumen – lässt gefährliche Entwicklungen rechtzeitig erkennen. Bedenken Sie, dass Sie bei verminderter Empfindlichkeit Verletzungen nicht ausreichend spüren. Ein Handspiegel leistet bei der Kontrolle gute Dienste. Bei Sehbehinderungen kann die Benutzung weißer Strümpfe eine weitere Hilfe sein, da Blut am Strumpf ein wichtiges Alarmzeichen sein kann. Strümpfe sind idealerweise aus Baumwolle. Bei empfindlichen Füßen sollten diese keine innenliegende Nähte haben.
  • Modische Schuhe zwingen dem Fuß eine Form auf, die er nicht hat. Das begünstigt Druckstellen und Verhornungen. Schuhe müssen wirklich passen und bequem sein. Der Schuhkauf erfolgt am besten am späten Nachmittag, dann ist der Fuß möglicherweise etwas dicker als am Vormittag. Geeignete Schuhe haben einen weiten Spann, breite, weiche Kappen, bieten genügend Halt und haben möglichst keine Innennähte sowie mäßig hohe Absätze und eine ausreichend dicke Sohle. Bei einer Neigung zu Druckstellen und wiederkehrenden Schwielen sollten Sie unbedingt spezielle Diabetikerschutzschuhe oder Therapieschuhe kaufen. – Keine Sorge! Diese Schuhe sehen heutzutage sehr modisch aus.
  • Tasten Sie Ihre Schuhe bei Vorliegen einer Neuropathie aus. Kleine Fremdkörper (Steine oder Geldmünzen) sind eine häufige Ursache für Druckgeschwüre. Zur Vorbeugung von feuchten Füßen kann es sinnvoll sein, die Schuhe zwei- bis dreimal täglich zu wechseln.
  • Vermeiden Sie bei einer Neuropathie mit Störung der Wahrnehmung das Barfußlaufen. Bedenken Sie, dass die „Alarmanlage“ der Füße bei Verletzungen nicht einwandfrei arbeitet. Zu Hause sollten Hausschuhe und am Strand oder im Schwimmbad Badeschuhe verwendet werden. Dies verringert auch die Fußpilzgefahr zu vermeiden.
    Infokasten Ende

Dr. Matthias Riedl
Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner,
Hamburg

Aus Befund Diabetes 1/2010

28.04.10

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