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Verhaltenstherapie

Unter dem Begriff Verhaltenstherapie werden diejenigen therapeutischen Verfahren zusammengefasst, die das Verhalten der Betroffenen verändern sollen. Die Verhaltenstherapie ist dabei eher gedanken- und handlungsorientiert und bezieht auf konkrete Schwierigkeiten. Im Mittelpunkt stehen nicht so sehr das Unbewusste oder Konflikte aus der Vergangenheit, sondern aktuelle Probleme und ihre Lösung. Die Verhaltenstherapie entstammt dem US-amerikanischen Konzept des Behaviourismus. Die Theorie geht davon aus, dass Menschen Verhalten erlernen und unerwünschte Verhaltensweisen daher auch wieder verlernen beziehungsweise umlernen können. Die Verhaltenstherapie soll dem Menschen also dabei helfen, Verhaltensmuster abzulegen oder neu zu erlernen, die ihnen bisher Probleme bereitet haben. Als besonders wirksam haben sich Verfahren aus der Verhaltenstherapie bei der Behandlung von Phobien und Angststörungen, leichten und mittelschweren Depressionen, Zwängen und Essstörungen erwiesen. Die Psychotherapeuten erarbeiten gemeinsam mit dem Patienten neue Verhaltens- und Denkmuster mithilfe unterschiedlicher Methoden. Negative Muster werden dabei durch positive ersetzt.

Je nach vorliegender Störung kommen andere therapeutische Verfahren zur Anwendung: So arbeiten viele Therapeuten bei Phobien oder Angststörungen mit systematischer Desensibilisierung und Reizkonfrontation. Dazu erstellen sie gemeinsam mit den Patienten eine Angsthierarchie: Situationen, auf die die Betroffenen mit Angst reagieren, werden nach Schwierigkeitsgrad geordnet. Gleichzeitig lernen sie, sich zu entspannen, zum Beispiel mit autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung. Im entspannten Zustand malen sie sich zunächst die Situation aus, die in dieser Hierarchie am wenigsten Angst auslöst. Nach und nach steigert sich nun auf der Skala der Angsthierarchie die Herausforderung. Ein Mensch, der beispielsweise unter Spinnenphobie leidet, kann zunächst lernen, entspannt Spinnenbilder anzusehen oder sich Spinnen vorzustellen, bis er schließlich am Ende der Therapie das Angstobjekt selbst ohne Angst vor sich sehen oder sogar berühren kann. Dieses Verfahren kann bei sehr vielen Phobien und Angststörungen erfolgreich sein, zum Beispiel bei Klaustrophobie, Höhenangst, Flugangst oder bei sozialen Ängsten.
Für Depressionen wenden viele Therapeuten Verfahren aus der kognitiven Verhaltenstherapie an. Hier geht man davon aus, dass unser Denken das Fühlen und Verhalten bestimmt. Daher lernen die Betroffenen in der kognitiven Verhaltenstherapie zunächst, sich schmerzlicher Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen bewusst zu werden. In einem zweiten Schritt werden diese Gedanken hinterfragt und schließlich entkräftet. Diese Methode hilft bei Depressionen dabei, eine verzerrte, negative Wahrnehmung der Realität gerade zu rücken.

Wenn beispielsweise ein Betroffener sich nach einem einmaligen Versagen in allen Belangen als Verlierer empfindet, wird dies kritisch hinterfragt: Stimmt dies? Was spricht dafür, was dagegen? Welche anderen Möglichkeiten gäbe es, diese Situation zu interpretieren? Methoden aus der kognitiven Verhaltenstherapie helfen dabei, Denkfehler aufzuspüren: Wo wird eine Situation unnötig zur Katastrophe hochstilisiert? Wo überfordert man sich und andere mit zu hohen Ansprüchen? Negative Gedanken verursachen auch negative Gefühle wie Angst, Enttäuschung oder Wut. Gemeinsam mit den Therapeuten erarbeiten Betroffene eine hilfreichere Sichtweise von sich und der Situation und lernen so auch, ihre Gefühle positiv zu beeinflussen. Auch bei Essstörungen wird häufig kognitive Verhaltenstherapie angewandt.
Bei der Behandlung von Zwangsstörungen kommen häufig Methoden aus der Verhaltenstherapie zur Anwendung, etwa die sogenannte Konfrontationsmethode. Menschen mit Waschzwang müssen sich beispielsweise bei dieser Methode die Hände schmutzig machen. Mit dem Beistand ihres Therapeuten lernen sie es anschließend aushalten, die Hände mehrere Stunden nicht zu waschen. Die Betroffenen sind dadurch gezwungen, sich mit den Gefühlen zu konfrontieren, die sie normalerweise durch ihre Zwangshandlungen vermeiden wollen, zum Beispiel Angstgefühle.

Verhaltenstherapeutische Verfahren sind im Vergleich zu tiefenpsychologischen Behandlungsverfahren relativ kurz: Meist reichen zwischen 10 und 30 Sitzungen aus. Zunächst teilen die Betroffenen den Therapeuten ihre Erwartungen und Ziele mit. Der Therapeut wird anschließend eine Diagnose stellen und die Patienten über den Ablauf der Verhaltenstherapie informieren. Charakteristisch für verhaltenstherapeutische Verfahren ist, dass die Patienten neben den eigentlichen Therapiesitzungen auch bereit sein müssen, aktiv an sich zu arbeiten und neue Denk- und Verhaltensweisen auszuprobieren. So kann es sein, dass die Betroffenen im Alltag Hausaufgaben erledigen müssen, zum Beispiel Stimmungsprotokolle führen oder Entspannungsübungen durchführen. Depressive versuchen auch im Alltag, negative Denkschemata aufzuspüren und zu überprüfen. Menschen mit Zwangserkrankungen üben, die Zwangshandlung hinauszuschieben. Wer sich in verhaltenstherapeutische Behandlung begibt, muss unter Umständen auch bereit sein, sich vorübergehend mit Angst einflößenden Situationen auseinanderzusetzen. Grundsätzlich gilt, dass eine Therapie umso Erfolg versprechender ist, je früher sie begonnen wird.

Betroffene sollten darauf achten, dass der behandelnde Therapeut eine anerkannte Therapieausbildung vorweisen kann. Sehr wichtig für den Erfolg ist auch die Beziehung zur Therapeutin/zum Therapeuten. Die gesetzlichen Krankenversicherungen erlauben daher fünf Probesitzungen, in denen sich die Klienten entscheiden können, ob sie den Therapeuten für kompetent halten, mit ihm zurechtkommen und dort eine Therapie wünschen. Trotz eines guten Vertrauensverhältnisses können während der Therapie Krisen auftauchen. Manchmal werden vorübergehend die Symptome verstärkt oder es treten neue Beschwerden auf. Betroffene müssen in diesen Phasen die Probleme offen ansprechen. Der Therapeut muss seinerseits bereit sein, seine Methoden zu überprüfen, um unerwünschte Auswirkungen und Fehlschläge zu vermeiden.

Eine Liste der an ihrem Ort praktizierenden Verhaltenstherapeuten erhalten Betroffene auf Anfrage von ihren Krankenkassen. Zudem hat der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) im Internet einen Psychotherapieninformationsdienst eingerichtet. Unter www.psychotherapiesuche.de können Interessierte nach Fachgebieten und Postleitzahlen geordnet Therapeutinnen und Therapeuten suchen.

Iris Schaper

24.01.11

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