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Bösartige Hirntumoren gehören zu den am schwierigsten zu behandelnden Krebserkrankungen. Neue Biomarker und verbesserte Diagnoseverfahren können den Weg für eine individualisierte Therapie bereiten. Um diesen vielversprechenden Ansatz weiter auszubauen, sei eine intensivere Beforschung von Hirntumoren notwendig. Darauf weisen Experten im Vorfeld der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) in Hamburg hin.
Die meisten bösartigen Hirntumore sind Gliome. „Es handelt sich um Geschwülste der Glia, die als Stützgewebe den Raum zwischen den Nervenzellen ausfüllt”, erläutert Professor Dr. med. Jörg-Christian Tonn, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Klinikum der Universität München. Gliome sind aus mehreren Gründen ungewöhnlich: Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen bilden sie niemals Tochtergeschwülste außerhalb des Gehirns. Dennoch sind sie extrem aggressiv. Die mittlere Überlebenszeit beim Glioblastom, der bösartigsten Variante, beträgt derzeit nur 15 Monate. Häufig entstehen die Tumoren aus langsam wachsenden Vorläuferformen, die urplötzlich bösartig werden.
Die Forschung ist den Gründen für die ungewöhnlichen Eigenschaften der Gliome auf der Spur. „Es gibt mittlerweile Genmarker, an denen wir biologische Unterschiede zwischen relativ gutartigen und bösartigen Varianten erkennen können”, erklärt Tonn. Ein anderer Marker zeigt an, ob eine Chemotherapie erfolgversprechend ist. Zudem wurden im Tumor spezifische Strukturen entdeckt, die Ansätze zur Entwicklung neuer Therapien liefern.
Als Angriffspunkte bieten sich Moleküle auf der Oberfläche der Tumorzellen an, über die diese Wachstumssignale empfangen. Gliome senden aber auch Signale aus, die die Bildung von Blutgefäßen anregen. Diese stellen die Energiezufuhr des Tumors sicher. Auch diese Prozesse könnten zu Ansatzpunkten für eine maßgeschneiderte Therapie werden.
Obwohl Gliome in vieler Hinsicht einzigartig sind, gibt es häufig auch Parallelen zu Krebserkrankungen in anderen Organen: „Gliome sind zu Mustertumoren geworden, an denen Mechanismen des Tumorwachstums und Konzepte einer personalisierten Therapie entwickelt werden“, erklärt Tonn.
Fortschritte hat es auch im Bereich der bildgebenden Diagnostik gegeben. Dank der Weiterentwicklung der Magnetresonanztomographie (MRT) lässt sich die Ausdehnung von Gliomen heute viel exakter bestimmen als noch vor wenigen Jahren. Mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können Ärzte besonders bösartige Herde im Inneren des Tumors nachweisen. So können viele Patienten heute bereits frühzeitig eine gezielte Therapie erhalten.
Wichtig sei jedoch, Gliome künftig noch intensiver zu beforschen, so der Experte. „Auch wenn die Ansätze für eine personalisierte Tumortherapie vielversprechend sind, bleiben noch viele Fragen offen. Nur durch eine umfangreiche Beforschung dieser sehr aggressiven Tumorerkrankung werden wir Therapiekonzepte entwickeln können, die das Überleben der Betroffenen verlängern“, betont Tonn. Vor diesem Hintergrund sei auch ein vermehrter wissenschaftlicher Austausch notwendig.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie
05.05.11