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Lebensmittelallergie

Lebensmittelallergien sind auf dem Vormarsch. Das European Center For Allergy Research Foundation (ECARF) geht davon aus, dass zwischen 4 % und 8 % der Menschen allein in Deutschland eine Nahrungsmittelallergie oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit aufweisen. Zu den Gründen gehören laut ECARF sowohl die zunehmende Verbreitung sog. exotischer Nahrungsmittel als auch die vermehrte Verordnung von Arzneimitteln, die die Herstellung von Magensäure hemmen.

Denn eine Studie einer Wissenschaftlerinnengruppe um Dr. Susanne C. Diesner, veröffentlicht in der Wiener Medizinischen Wochenschrift, hat ergeben, dass eine verringerte Magensäureproduktion die Verdauung von bestimmten Allergie auslösenden Eiweißen (Proteine) hemmt. Dies, so die Forscherinnen, habe zur Folge, dass eine stärkere Sensibilisierung des Körpers für diese Proteine stattfinde und das Risiko für eine Allergie steige.

Eine Allergie entsteht immer dadurch, dass das Immunsystem des menschlichen Körpers durch einen bestimmten Stoff gereizt wird und auf diese Reizung mit Abwehr reagiert. Viele Allergiker reagieren auf Pollen im Frühjahr, auf Tierhaare oder auf Nickel, der häufig in Modeschmuck enthalten ist. Sehr verbreitet sind aber auch Lebensmittelallergien, die sich sogar häufig als Kreuzallergien bemerkbar machen. Die Allergie wird in diesen Fällen durch Intoleranzen gegen bestimmte Nahrungsmittel oder Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln ausgelöst.

Allergie oder Unverträglichkeit?

Reagiert der Körper nach dem Verzehr eines bestimmten Nahrungsmittels (z. B. Nüsse oder Schalentiere) mit juckendem Hautausschlag, Übelkeit, Atemnot oder Durchfall kann eine Allergie die Ursache sein, muss es aber nicht. Denn nicht jede unangenehme körperliche Reaktion auf ein bestimmtes Nahrungsmittel oder eine bestimmte Nahrungsmittelgruppe ist auch wirklich eine Allergie. Die Mediziner sprechen nur dann von einer echten Allergie, wenn das Immunsystem einen an sich ungefährlichen Stoff als körperfremden, gefährlichen Eindringling behandelt und versucht, diesen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln unschädlich zu machen. Der Körper stellt bei einer Allergie spezielle Antikörper her, die zur Abwehr des als gefährlich eingestuften Stoffs u. a. entzündliche Prozesse auslösen. Die Folge sind die bekannten körperlichen Reaktionen wie Schnupfen oder Hautausschlag. Und nur, wenn diese als Immunglobulin E bezeichneten Antikörper – abgekürzt IgE-Antikörper – an der Reaktion beteiligt sind, spricht die Medizin von einer Allergie.

Doch auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten können zu schwerwiegenden körperlichen Reaktionen führen. Nur liegt dann eine andere Ursache vor. Bei der Laktoseintoleranz etwa kann der Körper einen bestimmten Stoff, ein Enzym, das für die Verdauung von Laktose notwendig ist, nicht oder nur in verringerter Menge herstellen. Aber auch bestimmte Zusatzstoffe, die z. B. zur Haltbarmachung von Nahrungsmitteln verwendet werden oder den Eigengeschmack eines Nahrungsmittels verstärken, können Unverträglichkeiten hervorrufen.

Symptome und Auslöser einer Lebensmittelallergie

Eine Lebensmittelallergie macht sich in der Regel direkt nach dem Essen bemerkbar. Der Organismus der Betroffenen reagiert mit unterschiedlichen Symptomen wie beispielsweise heftige Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder Durchfall. Es kann aber auch zu Symptomen wie einem Anfall von Asthma kommen, zu plötzlichem Schnupfen oder zu Reaktionen der Haut. Die häufigsten Lebensmittelallergien werden durch Milchprodukte oder Nüsse ausgelöst. Viele Menschen reagieren aber auch allergisch auf Eier, Schalentiere oder Fisch. Nicht selten treten Kreuzallergien auf, davon spricht man dann, wenn das Immunsystem auf ein bestimmtes Allergen in einem Nahrungsmittel reagiert und auch auf ein ähnliches Allergen in einem anderen Nahrungsmittel. Bsp.: Menschen, die allergisch auf Gräser reagieren, zeigen z. B. häufig auch allergische Reaktionen gegenüber bestimmte Getreidesorten.

Sehr häufig zeigen sich Lebensmittelallergien schon im Säuglingsalter, bilden sich jedoch in vielen Fällen während der Wachstums- und Entwicklungsphase wieder zurück. Eine Lebensmittelallergie und gegebenenfalls sogar eine Kreuzallergie kann sich jedoch auch im Erwachsenenalter noch bilden. In diesem Fall müssen die allergischen Reaktionen des Organismus fast immer lebenslang berücksichtigt werden. Die Lebensmittelallergie sollte nicht mit einer Intoleranz gegen bestimmte Nahrungsmittel verwechselt werden. Menschen, die beispielsweise an einer Laktoseintoleranz leiden, vertragen lediglich den in Milch und Milchprodukten enthaltenen Milchzucker nicht. Dabei handelt es sich jedoch keinesfalls um eine Allergie, vielmehr ist der Organismus nicht in der Lage, das Enzym Laktase zu produzieren, um Milchzucker zu verarbeiten. Eine allergische Reaktion hingegen wird durch eine Überempfindlichkeit des Immunsystems ausgelöst. Zu einer Kreuzallergie kann es auch kommen, wenn Lebensmittel vor dem Verzehr mit bestimmten Stoffen in Berührung kamen, auf die der Organismus allergisch reagiert.

Die häufigsten Allergie auslösenden Nahrungsmittel

Wenn man nach dem Verzehr einer bestimmten Speise Durchfall oder Hautausschlag bekommt, heißt das noch lange nicht, dass eine Nahrungsmittelallergie vorliegen muss. Von einer Nahrungsmittelallergie spricht man erst, wenn sich die körperliche Reaktion nach dem Verzehr des jeweiligen Lebensmittels wiederholt hat und sich auch erneut reproduzieren ließe.

Theoretisch kann jedes Nahrungsmittel eine allergische Reaktion hervorrufen. Doch es gibt Nahrungsmittel, die ein höheres Allergiepotenzial besitzen als andere. Sie sind für neun Zehntel aller Nahrungsmittelallergien verantwortlich. Deshalb müssen sie laut einer Richtlinie der Europäischen Union auf der Zutatenliste von Lebensmittelverpackungen immer genannt werden, sind sie im jeweiligen Lebensmittel enthalten. Unabhängig davon, ob sie nur in geringen Mengen verarbeitet wurden. Diese Nahrungsmittel sind:

  • Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut oder Hybridstämme davon, sowie aus ihnen hergestellte Erzeugnisse),
  • Krebstiere und aus ihnen gewonnene Erzeugnisse,
  • Eier und aus ihnen gewonnene Erzeugnisse,
  • Fische und aus ihnen gewonnene Erzeugnisse,
  • Erdnüsse und aus ihnen gewonnene Erzeugnisse;
  • Sojabohnen und aus ihnen gewonnene Erzeugnisse,
  • Milch und aus ihr gewonnene Erzeugnisse (einschließlich Laktose)
  • Schalenfrüchte, d. h., Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Cashewnüsse, Pekannüsse, Paranüsse, Pistazien, Macadamia- oder Queenslandnüsse sowie aus ihnen gewonnene Erzeugnisse,
  • Sellerie und aus ihm gewonnene Erzeugnisse,
  • Senf und aus ihm gewonnene Erzeugnisse,
  • Sesamsamen und aus ihnen gewonnene Erzeugnisse,
  • Schwefeldioxid und Sulfite in bestimmten Konzentrationen,
  • Lupinen und aus ihnen gewonnene Erzeugnisse,
  • Weichtiere (Schnecken, Muscheln) und aus ihnen gewonnene Erzeugnisse.

Steht auf der Verpackung eines Lebensmittels jedoch ein Hinweis wie „Kann Spuren von … enthalten“, heißt das nicht, dass das Allergie auslösende Nahrungsmittel verarbeitet wurde. Lebensmittelhersteller, die in einem Teil ihres Unternehmens z. B. Nüsse verarbeiten, in einem anderen nicht, lassen dies für Allergiker vorsichtshalber auf der Packung verzeichnen, weil sie eine Verunreinigung mit Spuren des Allergie auslösenden Lebensmittels nicht ausschließen können.

Kreuzallergien

Menschen, die gegen bestimmte Pollen allergisch sind, entwickeln manchmal eine weitere Allergie gegen Nahrungsmittel. Der Grund: Einige Substanzen in bestimmten Nahrungsmitteln ähneln den Allergie auslösenden Stoffen in den Pollen. Die Antikörper, die das Immunsystem gebildet hat, um die Pollenallergene zu „bekämpfen“, sprechen daher auf diese Nahrungsmittelstoffe nach einer Weile manchmal ebenfalls an. Der Mensch, der auf Pollen allergisch reagiert, entwickelt als Folge eine Allergie, eine Kreuzallergie, gegen bestimmte Nahrungsmittel. Diese Kreuzallergien werden manchmal auch als pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien bezeichnet.

Menschen, die gegen Birken-, Haselnuss- und/oder Erlenpollen allergisch sind, entwickeln beispielsweise häufig eine Kreuzallergie gegen roh verzehrte Äpfel, Kirschen, Pflaumen, gegen roh verzehrten Sellerie oder Möhren, gegen Erd- und Haselnüsse und Mandeln, aber auch gegen Sojabohnen und Produkte daraus. Auch roh verzehrte Tomaten und Birnen sowie Walnüsse können u. U. Probleme bereiten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Kreuzallergie für Birkenpollenallergiker mit 60 % bis 80 % an.

Wer eine Allergie gegen Beifußpollen aufweist, trägt ein erhöhtes Risiko für eine Kreuzallergie auf Möhren, Paprika und Sellerie (alle roh verzehrt). Bei einer Gräserpollenallergie besteht die Gefahr, allergisch auf Sojabohnen und Sojaprodukte sowie auf Erdnüsse oder Getreidemehl zu reagieren. Daneben können u. U. auch noch andere Nahrungsmittel allergische Reaktionen hervorrufen. Nicht selten weitet sich die Allergie im Laufe der Zeit auch auf andere Nahrungsmittel aus.

Kinder häufiger betroffen

Bei Kindern sind Nahrungsmittelallergien häufiger als im Erwachsenenalter. Sie reagieren häufiger auf sog. Grundnahrungsmittel wie Weizen, Milch oder Eier allergisch, während bei Erwachsenen häufig Kreuzallergien zu finden sind. Vielfach verschwindet die Allergie auf Milch oder Eier jedoch nach dem dritten Lebensjahr – der Körper reagiert dann nicht mehr so empfindlich auf diese Nahrungsmittel. Reagiert ein Kind jedoch allergisch auf Nüsse, Fisch, Krebs- oder Weichtiere, ist das Risiko besonders groß, eine Nahrungsmittelallergie auch nach dem dritten Lebensjahr beizubehalten.

Ohnehin sind manche Nahrungsmittelallergien problematischer als andere. Der Grund: Bereits der Verzehr minimaler Mengen des Allergie auslösenden Lebensmittels reicht aus, um Symptome hervorzurufen. Zu diesen Nahrungsmitteln gehören z. B. Erdnüsse, so der Deutsche Allergie- und Asthmabund. Menschen mit einer Erdnussallergie sollten deshalb die Zutatenliste verarbeiteter Lebensmittel besonders gut lesen. Denn manchmal enthalten auch Lebensmittel Erdnüsse, von denen man es gar nicht vermutet. Vor allem bei Lebensmitteln ohne Kennzeichnung (wie Schulessen oder Eis in der Eisdiele) sollte man deshalb besonders vorsichtig sein.

Wie erkenne ich eine Nahrungsmittelallergie?

Nahrungsmittelallergien sind meistens Allergien vom sog. Soforttyp. D. h., allergische Symptome treten sehr rasch nach dem Verzehr des Allergie auslösenden Nahrungsmittels auf. Beim allerersten Verzehr des jeweiligen Nahrungsmittels geschieht normalerweise nichts, denn der Körper muss die Antikörper erst bilden, die verantwortlich für die körperlichen Beschwerden sind. Doch beim zweiten Verzehr des Nahrungsmittels kann bereits nach wenigen Sekunden bis Minuten eine u. U. heftige Reaktion erfolgen. Zu den Symptomen zählen Reaktionen der Haut (Quaddelbildung, Juckreiz), Schnupfen, Bindehautentzündung, das Anschwellen von Haut und Schleimhäuten, allergisches Asthma und Atemnot, Anschwellen des Kehlkopfs sowie im schlimmsten Fall der sog. anaphylaktische Schock, der zum Kreislaufschock und dem Versagen der Organe und in der Folge zum Tod führen kann.

Doch selbst, wenn eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, ist i. d. R. noch nicht gleich klar, wogegen der Betroffene allergisch ist. Die Suche nach dem Nahrungsmittel gestaltet sich oft schwierig, da viele Lebensmittel aus mehreren Zutaten bestehen und manche Nahrungsmittel in bestimmten Speisen nur in geringen Mengen vorkommen. Sinnvoll ist es bei dem Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, über einen gewissen Zeitraum ein Ernährungstagebuch zu führen, in dem man auflistet, was man wann isst und wann welche Beschwerden auftreten. Der Arzt wird anschließend voraussichtlich einen Hauttest, auch Pricktest genannt, durchführen, bei dem in einer Flüssigkeit gelöste Spuren verschiedener Nahrungsmittel oberflächlich in die Haut eingebracht werden. Bei einer körperlichen Reaktion (Quaddelbildung, Rötung) besteht der Verdacht auf eine Allergie auf das jeweilige Allergen. Gesichert ist er damit jedoch noch nicht. Ein Bluttest, mit dem der Arzt prüft, ob IgE-Antikörper im Blut vorliegen und daran anschließende, weitere Laboruntersuchungen müssen den Verdacht auf eine Allergie bestätigen. In manchen Fällen ist auch ein sog. Provokationstest notwendig, bei dem das Nahrungsmittel verabreicht wird, das als Allergieauslöser verdächtigt wird – unter ärztlicher Aufsicht versteht sich. Denn es kann u. U. zu heftigen körperlichen Reaktionen kommen, die sofortiger medizinischer Hilfe bedürfen.

Für den Fall, dass der Arzt eine Laktose- oder Fruktoseintoleranz oder eine Histaminunverträglichkeit als Ursache der körperlichen Beschwerden vermutet, sind andere Tests notwendig. Bei der Laktose- und Fruktoseintoleranz z. B. Atemtests, bei der Histaminunverträglichkeit u. a. eine Diagnostik, bei der andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden. Histamin ist ein Stoff, der vor allem in vergorenen Nahrungsmitteln, z. B. Alkohol, vorkommt.

Behandlung und Notfallset

Die Behandlung besteht in erster Linie darin, das Allergie auslösende Nahrungsmittel zu meiden. Bei Kreuzallergien hilft es oft schon, das jeweilige Nahrungsmittel nicht roh zu verzehren, sondern zu erhitzen und erst dann zu essen. Doch bei bestimmten Allergien, z. B. gegen Nüsse, hilft auch das Kochen oder Braten nicht. In manchen Fällen hilft bei Kreuzallergien jedoch eine sog. Hyposensibilisierungsbehandlung, bei der das Immunsystem langsam an den Allergieauslöser gewöhnt wird.

Bei einer bekannten Nahrungsmittelallergie ist es jedoch unbedingt sinnvoll, immer auch ein sog. Notfallset bei sich zu tragen, das Medikamente enthält, die der allergischen Reaktion entgegen wirken. Besonders wichtig ist das für Menschen, die sehr stark allergisch reagieren. Denn so sehr man auch aufpasst, es kann immer einmal passieren, dass man eine Speise verzehrt, die geringe Mengen des Allergie auslösenden Nahrungsmittels enthält, obwohl man dies nie vermutet hätte. Mit dem Notfallset beugt man den unliebsamen Folgen solcher Situationen vor.

Quelle: Allergikus 3/2014

03.12.14

Lebensmittelallergie
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