Tabakprävention: Raucherberatung in Rettungsstellen
02.06.08.
Tabakkonsum ist immer noch der größte vermeidbare Gesundheitsrisikofaktor in Deutschland. Rund ein Drittel aller Krebserkrankungen sowie viele Herz-Kreislauf- und Atemwegskrankheiten sind auf das Rauchen zurückzuführen. An den Folgen des Rauchens sterben in Deutschland jährlich etwa 140.000 Menschen. Die Deutsche Krebshilfe setzt sich daher auf allen Ebenen der Gesundheitspolitik und der medizinischen Versorgung dafür ein, dass Raucher Hilfe beim Ausstieg aus der Nikotinsucht bekommen. “In unserer Studie konnten wir erstmals zeigen, dass eine qualifizierte Raucherberatung in der Rettungsstelle einer Klinik wirksam ist”, berichtet Frau Professor Dr. Claudia D. Spies von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die Studie wurde von der Deutschen Krebshilfe mit 317.000 Euro unterstützt.
Fast zwei Drittel aller Raucher möchten von ihrer Sucht befreit werden, wissen aber nicht, wie sie den Ausstieg schaffen können. Denn Nikotin ist eines der stärksten Suchtmittel – stärker als Heroin oder Alkohol. Wer psychisch und körperlich von der Droge Nikotin abhängig ist, braucht Hilfe bei der Entwöhnung. Ein solches Hilfsangebot wurde nun in Berlin im Rahmen einer Studie untersucht.
Dabei wurden von Oktober 2006 bis Dezember 2007 1.012 Raucherinnen und Raucher, die in der Rettungsstelle der Chartité Universitätsmedizin in Berlin-Mitte eingeliefert wurden, hinsichtlich ihrer Rauchgewohnheiten befragt. 128 Patienten (entspricht 13 Prozent) waren hoch motiviert, innerhalb von vier Wochen ihr Rauchen aufzugeben. 327 Patienten (32 Prozent) waren ambivalent und wollten innerhalb der nächsten sechs Monate mit dem Rauchen aufhören. 557 Patienten (55 Prozent) wollten nicht aufhören zu rauchen.
Die Studienteilnehmer wurden zufällig auf zwei Gruppen verteilt: Die eine Gruppe erhielt vor Ort ein im Durchschnitt 13-minütiges Beratungsgespräch, an das sich Erinnerungstelefonate anschlossen (Interventionsgruppe). Die andere Gruppe der Studienteilnehmer erhielt keine Beratung (Kontrollgruppe).
Nach 12 Monaten wurden 685 Studienteilnehmer erneut befragt. 50 Prozent der für einen Ausstieg hoch motivierten Raucher, die eine Beratung erhielten, hatten mit dem Rauchen aufgehört. In der dazu gehörigen Kontrollgruppe hatten es 32 Prozent geschafft, das Rauchen einzustellen. Bei den ambivalenten Studienteilnehmern lag die Erfolgsquote in der Interventionsgruppe bei 22 Prozent gegenüber 17 Prozent in der Kontrollgruppe. Bei den Studienteilnehmern, die überhaupt nicht vorhatten, mit dem Rauchen aufzuhören, konnte die Beratung nichts ausrichten: Hier fand sich zu allen Untersuchungszeitpunkten kein Unterschied zwischen den Gruppen mit und ohne Beratung.
“Ärztliche Beratungsgespräche tragen demnach dazu bei, aufhörwilligen Rauchern beim Ausstieg aus der Sucht zu helfen”, fasst Professor Spies zusammen. “Die Ergebnisse dieser Berliner Studie können dazu beitragen, die flächendeckenden Entwöhnungsangebote für Raucher zu verbessern”, so Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, anlässlich der Vorstellung der Studienergebnisse heute, am 30. Mai 2008, in Berlin.
Konsequentes Handeln ist nötig, um die Gesundheitsgefahren durch das Rauchen zu bannen. Um die Raucherquoten deutlich zu senken und besonders Kinder und Jugendliche vor dem Griff zur Zigarette zu schützen, setzt sich die Deutsche Krebshilfe für eine umfassende Tabakkontrollpolitik ein. Dazu gehören neben den Angeboten für Entwöhnungsmaßnahmen auch Tabakwerbeverbote, die Abschaffung aller Zigarettenautomaten, die Bekämpfung des Tabakschmuggels und lückenlose Rauchverbote in öffentlichen Räumen.
Quelle: Deutsche Krebshilfe e. V.
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