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Lymphödem bei Brustkrebs – was tun?

Bei den Anfragen, die in den letzten Jahren an mich gerichtet wurden, haben die Frauen neben Arm oder Handödeme auch häufiger Brust- und Brustwandödeme. Mein Rückschluss ist, dass sich die Lokalisationen des Lymphödems seit der flächendeckenden Einführung der Sentinel-OP-Technik, der i. d. R. brusterhaltenden Operation mit anschließender Bestrahlung verändern. Auch bei einem (Teil) Brust- und Brustwandödeme können alle bekannten Therapien der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) angewendet werden, nur mit dem Fokus Brustkorb und/oder Brust.

Unklarheit über Entstehung der Lymphödeme

Die meisten Empfehlungen für Patientinnen bezüglich der Oberkörperbelastung beruhen mehr auf Befürchtungen, Schlimmeres verhüten zu wollen, als auf nachgewiesener Wirksamkeit. Vielfach ist in den Köpfen verankert, den betroffenen Bereich zu schonen. Neue Erkenntnisse gehen aber davon aus, dass dies eher von Nachteil ist. Regelmäßige individuelle sportliche Betätigung durch Kraft- und Ausdauertraining (ein- bis dreimal in der Woche) mit niedrigem Gewicht, langsamen Steigerungen und normalen Übungssätzen sind i. d. R. positiv. Dabei sollten die Frauen darauf achten, die Kompressionsbestrumpfung zu tragen.

Das Lymphsystem im Zusammenhang

Das Lymphsystem ist ein eigenständiges System, das mit anderen Funktionen des Körpers eng verbunden ist. Die Muskulatur und der Blutkreislauf sind hierbei besonders hervorzuheben. Je aktiver und trainierter beide sind, desto positiver sind die Auswirkungen auf das Lymphsystem, vor allem in Kombination mit anderen Lymphödemtherapien, wie z. B. der Kompressionsbestrumpfung und der Atemtherapie. (Bei der Kompressionsbestrumpfung wird von außen Druck auf das Lymphsystem ausgeübt und damit werden der Fluss und Transport der Lymphe passiv verbessert.

Mit der Atemtherapie und der tiefen Bauchatmung kann ggf. auch der passive Transport der Lymphe verstärkt werden). Wichtig ist es, beim Krafttraining die Vorgaben zum Training und das Verhalten bei Veränderungen im Lymphödembefund zu beachten. Das Lymphsystem reagiert träge auf Veränderungen, es kann bis zu 14 Tage dauern bis positive / negative Auswirkungen sichtbar werden.

Therapie sinnvoll einsetzen

Nicht neu, aber immer wichtiger sind die frühzeitige Diagnose und der richtige Einsatz der Therapiemöglichkeiten. Die Lymphödemtherapie setzt sich aus vielen Bausteinen zusammen. Alle Beteiligten bei der Therapie des Lymphödems (z. B. Arzt, Pflegekräfte, Physiotherapeut und Sanitätsfachkraft) sollten gemeinsam im Sinne der Patientin eng zusammenarbeiten. Nach einer oft schweren und kräfteraubenden Brustkrebstherapie scheint es für die meisten Patientinnen auf den ersten Blick unmöglich, sich dabei aktiv einzubringen. Ziel muss es sein, Reserven zu nutzen und zu schaffen, damit sich die Patientin dieser zusätzlichen Belastung stellen kann. So können die Effektivität und die Akzeptanz der Lymphödemtherapien um ein Vielfaches verbessert werden.

Meine Erfahrungen

Mein Oberkörper, vor allem aber die Hände und Arme haben ein Leistungskonto, von dem ich pro Tag abbuchen kann. Mein Guthaben muss ich mir einteilen und Schwerpunkte setzen. Geduld mit mir und anderen habe ich lernen müssen. Ohne Loslassen und Annehmen kann ich aber im Alltag nicht bestehen. Das ist nicht nur ein ganz praktischer Spagat, sondern auch immer wieder eine psychische Herausforderung. Leben mit einem Lymphödem muss auch Lebensqualität haben; aber auch das Ödem braucht Behandlung und Therapie.

Nach inzwischen fast zehn Jahren konsequenter Lymphödemtherapie kommt es nun zu bis dahin ungeahnten Freiräumen und einer Stabilisierung des Ödems bei Reduzierung der Lymphödemtherapie. Von Anfang an gehörte zu meinem Programm auch immer ein speziell auf mich abgestimmtes Kraft- und Ausdauertraining. Oft habe ich vergeblich nach guten, praktikablen und verständlichen Informationen zum Lymphödem nach Brustkrebs gesucht. Auch andere erkrankte Frauen haben mir von ihren Schwierigkeiten berichtet. So ist der Wunsch gewachsen, einen Ratgeber für Patientinnen, aber auch für andere Interessierte zu schreiben.

Christine Bernsen

Quelle: Leben? Leben! 3/2012

08.06.17

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