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Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) fordert in einer Stellungnahme neue Qualitätsstandards für Säuglingsnahrungen, berichtet die Deutsche Haut- und Allergiehilfe. Das betrifft u. a. den Gehalt und die Zusammensetzung des Milchproteins (Milcheiweiß): Beides sollte sich so weit wie möglich an der Muttermilch orientieren. Für HA-Nahrungen (hypoallergene Säuglingsnahrungen) fordern die Experten, dass ihre allergievorbeugende Wirkung in wissenschaftlichen Studien belegt werden.

Eiweiß ist einer der wichtigsten Körperbausteine: Als Strukturprotein ist es für den Aufbau von Muskeln, Organen und Nervenfasern verantwortlich. In Form von Antikörpern, Hormonen und Enzymen steuert Eiweiß sämtliche Stoffwechselvorgänge des Körpers. Gerade für Säuglinge, bei denen viele Körperfunktionen noch reifen müssen, ist Eiweiß daher von größter Bedeutung. Gestillte Kinder erhalten mit der Muttermilch automatisch zu jedem Zeitpunkt der Stillphase die richtige Menge und Qualität an Eiweiß, die sie für ihre Entwicklung benötigen. Industrielle Säuglingsnahrung kann diese kontinuierliche Anpassung an den kindlichen Organismus nicht ganz erreichen. Dennoch bekommen auch Kinder, die nicht gestillt werden können, mit den heutigen Anfangs- und Folgenahrungen alles, was sie für ein gesundes Wachstum brauchen.

Auf die Zusammensetzung kommt es an

Nach den Forderungen der EFSA liegt der Eiweißgehalt idealerweise bei durchschnittlich 1,8 Gramm pro 100 kcal und ist damit dem der Muttermilch bestmöglich angepasst. Mehr Eiweiß ist nicht nötig und birgt sogar die Gefahr späteren Übergewichts. Doch nicht nur die Eiweißmenge ist entscheidend, sondern auch die Qualität. So sollte sich die Zusammensetzung der Eiweißbausteine, wissenschaftlich als Aminosäureprofil bezeichnet, ebenfalls an der Muttermilch orientieren. Diese Empfehlungen gelten für herkömmliche Säuglingsnahrung genauso wie für hypoallergene (HA) Nahrung, die für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko konzipiert wurde. HA-Nahrung ist allergenarm, d. h., der Anteil an potenziell allergieauslösendem Milcheiweiß ist durch gezielte Spaltung der Eiweißketten reduziert. Die Größe der entstehenden Bruchstücke lässt allerdings keine Rückschlüsse darauf zu, wie gut das Allergierisiko erblich vorbelasteter Kinder tatsächlich gesenkt wird. Dies sollte jeder Hersteller von HA-Nahrung in klinischen Studien beweisen, so die Forderung der EFSA-Experten.

Von Arzt oder Hebamme beraten lassen

Bisher gibt es nur sehr wenige Babynahrungen, die alle Anforderungen an Eiweißquantität, Eiweißqualität und Allergieschutz erfüllen. Welche das sind, ist anhand der Verpackung meist nur schwer zu erkennen. Deshalb sollte die Hebamme oder der Kinderarzt um Rat gefragt werden.

Quelle: Allergikus 1/2015

20.07.15

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