Die medizinische Versorgung von Migrantenkindern ist in Deutschland nicht optimal. Um an den für sie notwendigen Leistungen des Gesundheitswesens teilhaben zu können, müssen ihre Familien vermehrt Hindernisse ausräumen. Häufig sind diese Barrieren für sie aber aus eigener Kraft kaum zu überwinden. Darauf weist nun die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) hin.
Kinder mit Migrationshintergrund sind verglichen mit deutschen Heranwachsenden häufiger von starkem Übergewicht (Adipositas) betroffen und leiden öfter an Blutarmut (Anämien). Außerdem treten bei ihnen in vielen Fällen – auch bedingt durch ihren Status – psychischen Störungen auf. Kinder- und Jugendärzten kommt nach Einschätzung von Dr. Erika Sievers vom Fachausschuss Transkulturelle Pädiatrie in der DGSPJ eine Schlüsselrolle zu, um alle Migrantenkinder auf der Grundlage der UN-Kinderrechtskonvention gut medizinisch versorgen und in ihrer Entwicklung fördern zu können.
In der Praxis gestaltet sich dies allerdings schwierig. Unmittelbar nach dem Einwandern bestehen zumeist sprachliche und kulturelle Teilhabebarrieren. Den Menschen ist oftmals nicht bekannt, dass es Angebote für die Vorsorge, Früherkennung und Prävention gibt. Darüber hinaus fehlen in etlichen kinderärztlichen Praxen oder anderen gesundheitlichen Einrichtungen, in denen Kinder betreut werden, grundlegende Möglichkeiten zur (fremd)-sprachlichen Kommunikation. Noch seltener gibt es Dolmetscher- und Kulturmittlerdienste.
Vor allem Familien mit chronisch kranken oder behinderten Kindern oder kranken Eltern aus Minderheiten und Migrantengruppen stehen besonders bürokratischen Herausforderungen gegenüber, die nur schwer zu bewältigen sind. Es existiert demnach in vielen Bereichen Nachbesserungsbedarf, um die medizinische Versorgung der betroffenen Menschen und insbesondere der Migrantenkinder in Deutschland zu verbessern.
Quelle: Medical Press
08.12.10