Morbus Bechterew
05.12.08.
Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans)
Morbus Bechterew ist eine Erkrankung, die durch eine Entzündung im Bereich der Wirbelsäule (lat./griech. Spondylitis = Wirbelentzündung) und/oder der Gelenke charakterisiert ist. Diese Entzündung kann im Verlauf der Erkrankung zu knöchernen Versteifungen (lat. ankylosans = versteifend) führen. Viele Betroffene leiden daher unter zunehmenden Bewegungseinschränkungen und einige auch an einer starken Verkrümmung der Wirbelsäule.
Morbus Bechterew gehört zu den rheumatischen Erkrankungen
Morbus Bechterew ist eine chronisch verlaufende Krankheit, die zu den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises gezählt wird. Da die Erkrankung hauptsächlich das Achsenskelett (Wirbelsäule, Iliosakralgelenke, kleine Wirbelgelenke etc.) betrifft, wird die Spondylitis ankylosans den sog. Spondylarthropathien (SpA) zugeordnet. Charakteristisch für diese Erkrankungen sind der entzündliche Rückenschmerz und/oder eine Arthritis der peripheren Gelenke (z. B. der Kniegelenke). Morbus Bechterew kann sich in seltenen Fällen jedoch auch an Augen, Lunge, Herz oder anderen inneren Organen manifestieren.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde Spondylitis ankylosans erstmals beschrieben
Als Bechterew’sche Erkrankung wurde die Spondylitis ankylosans durch den russischen Neurologen, Neurophysiologen und Psychiater Wladimir Michailowitsch Bechterew (1857-1927) bekannt. Er veröffentlichte 1892 einige Berichte über Patienten, bei denen eine Versteifung und Verkrümmung der Wirbelsäule diagnostiziert wurde. Erstmals beschrieben wurde die Erkrankung jedoch vermutlich von dem deutschen Internisten Adolf von Strümpell (1853-1925), der bereits 1884 über ähnliche Erkrankungen berichtete. Im Jahr 1889 publizierte auch der französische Neurologe Pierre Marie Beobachtungen zu ähnlichen Erkrankungen. Um alle drei Ärzte zu ehren, die sich um die Erforschung des Krankheitsbildes verdient gemacht haben, wird die Spondylitis ankylosans manchmal auch als Bechterew-Strümpell-Marie-Krankheit bezeichnet.
Rund 400.000 Betroffene in Deutschland
Nach Schätzungen der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e. V. (DVMB) leben rund 0,1 bis 0,2 % der Bevölkerung in Mitteleuropa mit der Diagnose Morbus Bechterew. Für Deutschland ergäbe das bezogen auf die Gesamteinwohnerzahl rund 82.000 bis 164.000 Betroffene. Da die Diagnose der Erkrankung häufig schwierig ist, wird vermutet, dass weitaus mehr Menschen an Morbus Bechterew leiden. Der DVMB geht davon aus, dass sich die Zahl der Bechterew-Patienten zuzüglich der anzunehmenden Dunkelziffer auf rund 0,5 % beläuft. In Deutschland wären das ca. 400.000 Menschen.
Morbus Bechterew tritt in den meisten Fällen im jungen Erwachsenenalter – zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr – erstmalig auf. Früher gingen Experten davon aus, dass die Erkrankung hauptsächlich Männer betrifft. Heute ist man dagegen der Ansicht, dass beide Geschlechter ungefähr gleich häufig betroffen sind. Eine Patientenbefragung des DVMB konnte diese Hypothese belegen. Anscheinend ist die Dunkelziffer bei Frauen höher, da die Erkrankung häufig nicht diagnostiziert wird. Als Grund dafür käme die bei Frauen langsamer verlaufende Versteifung der Wirbelsäule in Betracht, vermutet der DVMB.
Antje Habekuß