Morbus Bechterew: Therapie
05.12.08.
Morbus Bechterew ist eine Erkrankung, deren Ursache bislang nicht gefunden werden konnte. Aus diesem Grund zielt die momentan angewandte Therapie bei Morbus Bechterew darauf, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen bzw. zu verhindern.
Krankengymnastik hat in der Bechterew-Therapie hohen Stellenwert
Eine wesentliche Säule der Behandlung bei Morbus Bechterew ist Krankengymnastik unter fachlicher Anleitung. Mit regelmäßigem, an den Patienten und dessen Gesundheitszustand angepasstem Training kann die Beweglichkeit weitestgehend erhalten werden. Am effektivsten ist das Training morgens, denn so können die Übungen Morgensteifigkeit lösen und Schmerzen lindern helfen. Patientenorganisationen wie die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew oder die Deutsche Rheuma-Liga bieten z. T. Sportgruppen an, in denen individuell auf das Krankheitsbild abgestimmte Bewegungsübungen gelehrt und trainiert werden.
Medikamentöse Therapie
In der medikamentösen Therapie des Morbus Bechterew werden u. a. kortisonfreie Antirheumatika (sog. nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR) eingesetzt. Diese Arzneimittel wirken sowohl gegen Entzündungen als auch gegen Schmerzen und verzichten dabei auf das entzündungshemmende Nebennierenhormon Kortison. Bei schweren Verläufen mit hoher Entzündungsaktivität können jedoch auch kortisonhaltige Medikamente angewandt werden.
Darüber hinaus können Patienten mit Morbus Bechterew von neuentwickelten Biologicals profitieren. Dies sind biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, die wie körpereigene Proteine gezielt in Prozesse wie beispielsweise Entzündungen eingreifen können. Für die Behandlung von Spondylitis ankylosans werden u. a. TNF-alpha-Blocker eingesetzt. Der Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) ist ein entzündungsfördernder Signalstoff. Wird er blockiert, können Signalwege unterbrochen werden, die Entzündungen auslösen bzw. begünstigen.
Schmerzmittel (Analgetika) wirken – anders als NSAR – nur gegen den Schmerz, nicht aber die Entzündung. Dennoch werden sie in manchen Fällen in der Behandlung eingesetzt, z. B. dann, wenn die Schmerzen nicht auf entzündliche Prozesse zurückzuführen sind, sondern Symptome von Folgeerkrankungen sind.
Physikalische und operative Verfahren in der Therapie
Ebenfalls schmerzlindernd können sich Thermoanwendungen (Kälte oder Wärme) auswirken und dadurch die Therapie sinnvoll unterstützen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Auch andere physiotherapeutische Maßnahmen (z. B. Massagen) können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. In Ausnahmefällen können auch operative Verfahren zum Einsatz kommen, z. B. gelenkersetzende Maßnahmen oder die Aufrichtung der Wirbelsäule bei stark gekrümmtem Rücken.
Radium-Therapie wird von der DGRh nicht mehr empfohlen
Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München stellten kürzlich im Rahmen einer epidemiologischen Studie fest, dass es bei Patienten mit Morbus Bechterew, die mit dem radioaktiven Isotop Radium-224 behandelt wurden, vermehrt zu Fällen von Leukämieerkrankungen kam. Da diese Therapie nur der Schmerzlinderung dient und für diesen Zweck andere Therapiemethoden angewandt werden können, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) aufgrund des ungünstigen Risiko-Nutzen-Verhältnisses die Radium-Therapie nicht mehr.
Antje Habekuß
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