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Kunsttherapie/ Gestaltungstherapie

Wo sich die Seele widerspiegelt

Künstlerischen Ausdrucksformen wie Malen, plastisches Gestalten oder Schreiben wird ein hohes therapeutisches Potenzial beigemessen, weil sie vielen schwer oder chronisch Kranken die Möglichkeit geben, ihre Krankheit besser zu verarbeiten und wenigstens für ein paar Stunden die Probleme zu vergessen, die sich aus ihr ergeben. Aus diesem Grund sind verschiedene Formen der Kunsttherapie inzwischen fester Bestandteil des psychosozialen Begleitprogramms vieler Kliniken und Reha-Einrichtungen. Künstlerisches Gestalten ist eine averbale Therapieform, die „inneren Bildern“, Gefühlen, Bedürfnissen und Vorstellungen Ausdruck verleiht und so als Spiegel für bewusste oder unbewusste Prozesse und Zustände angesehen werden kann. Jede kreative Produktion hat eine Ausdrucksseite, die einen seelischen Zustand offenbart und eine Eindrucksseite, die gleichzeitig auf den Produzenten zurückwirkt. Über sein Werk kann also der kreativ Schaffende, sei es mit sich selbst oder mit anderen, in einen Dialog treten.

Die Ursprünge

Die Kunsttherapie, auch Gestaltungstherapie genannt, hat ihre Wurzeln in tiefenpsychologisch-psychoanalytischen Therapiekonzepten. Bereits C. G. Jung hatte die heilende Wirkung künstlerischer Betätigung erkannt und bezog oft bildhafte Darstellungen in seine Therapien mit ein. Als wissenschaftliche Fundierung gelten auch die vom Biochemiker Rupert Sheldrake erforschten morphogenetischen (auch morphische) Felder. Morphogenese ist die Entwicklung der Gestalt von Organismen und ihrer Organe. Laut Sheldrake stellen diese morphischen Felder eine unsichtbare Kraft dar, die alles formt und miteinander verbindet. Sie koordiniert das Verhalten aller Organismen und sozialen Gruppen und ist so etwas wie ein kollektives Gedächtnis, das vererbt wird, durch morphische Resonanz weitergegeben wird. Die heutige Ausprägung der Kunsttherapie ist vornehmlich von Persönlichkeiten wie Jolande Jacobi, Edith Kramer oder Gisela Schmeer beeinflusst.

Theoretische Annahmen

Etwa seit Mitte der sechziger Jahre wird die „Integrative Kunstpsychotherapie“ von H. G. Petzold und Ilse Orth bei Patienten mit neurotischen, psychosomatischen oder psychiatrischen Problemen und bei Suchtpatienten angewandt. Verschiedene Techniken können dabei zur Anwendung kommen, beispielsweise Malen nach vorgegebenen Themen oder Scribbletechnik. Die kunsttherapeutische Fachliteratur unterscheidet, je nachdem, ob sich die Darstellungen auf persönliche Erfahrungen beziehen oder aus dem Vorrat des allgemeinen menschlichen Bewusstseins stammen, zwischen kollektiven und individuellen Symbolen, die für das Selbst des Menschen bedeutsam sind. Bezüglich der Wirkungen werden „lösende“ (Gestaltungsprozess) und „erlösende“ (Ergebnis der Verarbeitung) Effekte unterschieden. Bedrückende Ängste und Phantasien, denen sich Patienten vorher hilflos ausgeliefert fühlten, werden durch den kreativen Prozess häufig kleiner, überschaubarer und damit handhabbar.

Praktische Umsetzung

Die meisten Menschen, die glauben künstlerisch unbegabt zu sein, kostet es viel Überwindung, sich auf die Kunsttherapie einzulassen. Künstlerische Begabung ist jedoch keine zwingend notwendige Voraussetzung, um von der Kunsttherapie profitieren zu können. In der Kunsttherapie werden verschiedene Materialien und der künstlerische Prozess an sich genutzt, um dem Patienten die Möglichkeit zu geben, seinen Gedanken, Gefühlen und Phantasien Ausdruck zu verleihen. Während ein Künstler versucht, durch Gestaltung eines Materials Form und Inhalt bestmöglich in Einklang zu bringen, rückt bei der Kunsttherapie das spontane, unreflektierte Tun in den Vordergrund. In der Anfangsphase können beim Patienten durchaus Unlust oder Resignation, sogar „Black-outs“ auftreten. Irgendwann jedoch beginnt der Gestaltungsprozess und hat der Patient den ersten Schritt einmal geschafft, dauert es oft nicht lange, bis er ganz in den schöpferischen Akt vertieft ist und alles um sich herum vergisst.

Evaluation

Fast ebenso wichtig wie der gestalterische Prozess selbst und das Resultat ist deren Evaluation zusammen mit dem Therapeuten. Diese geht jedoch keinesfalls so vonstatten, dass der Therapeut nach festgelegten Schemata etwas ‚hineininterpretiert’. Er versucht also nicht, Motive oder Farben nach seinem Verständnis zu deuten, sondern begibt sich gemeinsam mit dem Patienten auf den Weg, das Werk und seine Bedeutung für die betreffende Person zu entdecken. Dabei ist zu beachten, dass Farben und Formen für jede Person eine eigene Symbolik besitzen, die im therapeutischen Gespräch herausgearbeitet werden soll. Der Kunsttherapeut kann dabei seine pädagogischen, psychologischen und medizinischen Kenntnisse nutzen, um die künstlerischen Produktionen und Prozesse in Beziehung zur Persönlichkeit des Patienten zu setzen und die Therapie entsprechend aufzubauen. Eine Liste mit Therapeuten in Deutschland (nach Postleitzahlen geordnet), in der Schweiz, Österreich und Belgien ist auf der Seite www.therapeuten.de abrufbar.

Michaela Schiebe

29.06.06

Ich habe Multiple Sklerose
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