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Neurodermitis: Vorbeugende Behandlung reduziert Krankheitsschübe

Neurodermitis (atopisches Ekzem) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, von der besonders und in steigender Zahl Kinder betroffen sind. 15–30 % der Kinder und Jugendlichen in den Industrieländern sind daran erkrankt. Die Patienten leiden unter einer entzündeten Haut, vor allem am Hals und in den Gelenkbeugen, und einem oftmals fast unerträglichen Juckreiz. Erkrankte können wegen des heftigen Juckreizes schlecht schlafen und haben Probleme, sich in Schule bzw. Beruf zu konzentrieren. Mit ihnen leidet häufig die ganze Familie.

„Neue Studien zeigen, dass eine vorbeugende antientzündliche Behandlung Rückfälle längerfristig verhindern kann“, berichtet Dr. Frank Ahrens, Oberarzt in Hamburg und Koordinator der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe (WAG) Atopisches Ekzem der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA).

Gestörte Barrierefunktion der Haut

Bei Neurodermitis ist die Barrierefunktion der Haut gestört. Ursache dafür sind neueren Erkenntnissen zufolge häufig Mutationen des Gens für das Protein Filaggrin, das eine wichtige Rolle für die Barrierefunktion der Haut spielt und für eine ausreichende Hautfeuchtigkeit sorgt. Bei gesunden Menschen schützen die Hornzellen der obersten Hautschicht wie eine Barriere gegen schädliche Einflüsse und verhindern durch einen Wasser-Fettfilm Feuchtigkeitsverlust. Ist diese Barriere gestört, können Schadstoffe, Allergieauslöser und Krankheitskeime leichter in die Haut eindringen. Zudem verliert die Haut viel Feuchtigkeit.

Standardbehandlung

Standardtherapie und entscheidende Basis einer erfolgreichen Behandlung der Neurodermitis sind daher pflegende Mittel zur Befeuchtung der trockenen Haut. Eine schubartige Verschlechterung kann mit Kortisoncreme gelindert werden. Kortison wirkt stark entzündungshemmend. Dabei ist die Auswahl des richtigen Kortisonpräparates wichtig. Es können das schwache Hydrokortison oder auch andere Präparate mit einem günstigen Wirkungs-Nebenwirkungsverhältnis eingesetzt werden. Werden solche Medikamente wie vom Arzt verordnet angewendet und wird die Behandlung überwacht, haben sie kaum Nebenwirkungen.

Proaktive Intervalltherapie

Eine Reihe von Untersuchungen zeigen inzwischen, dass eine proaktive Intervalltherapie mit entzündungsmodulierenden Wirkstoffen wie Kortison hilft, Krankheitsschübe zu verhindern. Damit ist die vorbeugende Behandlung häufig betroffener Ekzembereiche auch in Zeiten, in denen aktuell kaum Beschwerden bestehen, gemeint. „Trägt man Kortison nach dem Abheilen eines Krankheitsschubes vorbeugend zweimal in der Woche über einen Zeitraum von mehreren Monaten auf, kann das Risiko für einen Rückfall verringert und die beschwerdefreie Zeit signifikant verlängert werden“, erläutert der Kinderallergologe Dr. Ahrens. Mit einer proaktiven Kortisonbehandlung kann langfristig vermutlich sogar Kortison eingespart werden, da die vorbeugende Behandlung die Häufigkeit von Krankheitsschüben verringert. Auch die antientzündlich wirkenden Calcineurininhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus senken vorbeugend eingesetzt das Risiko für Krankheitsschübe. Diese Substanzen sind allerdings bei Kindern erst ab dem dritten Lebensjahr indiziert. Sie sollten nur als Therapiealternative angewendet werden, z. B. an problematischen Hautstellen wie im Gesicht oder im Bereich von Hautfalten.

Triggerfaktoren meiden

Auslöser für Krankheitsschübe sind individuell unterschiedliche Faktoren wie Allergene, Stress, starkes Schwitzen, zu intensive Hautreinigung oder bestimmte Textilien. „Bei Kindern mit Neurodermitis sollte ein Kinder- und Jugendarzt mit Spezialisierung auf allergische Erkrankungen die auslösenden Triggerfaktoren feststellen. Diese müssen konsequent gemieden werden“, erläutert Dr. Ahrens. Gerade bei Kleinkindern löst eine Allergie auf Nahrungsmittel häufig Neurodermitis aus. Der Kinderallergologe rät jedoch davon ab, auf eigene Faust bestimmte Lebensmittel wegzulassen. „Wenn Lebensmittel eine Neurodermitis triggern, kann der Arzt dies mit einem Test feststellen. Diäten ohne nachgewiesene Allergie können dem Kind mehr schaden als nutzen“, so Ahrens.

Dr. Ahrens rät Eltern, deren Kinder an Neurodermitis erkrankt sind, sich möglichst genau an die vom Kinderarzt empfohlene Behandlung zu halten – und keine Angst vor Kortison zu haben. „Denn Kinderärzte stellen für das Kind entsprechend der Hautbeschaffenheit und den nachgewiesenen Triggerfaktoren einen individuellen Behandlungsplan auf. Die heute eingesetzten Kortisonpräparate sind sehr sicher. Ohne Rücksprache mit dem Kinderarzt sollten sie nicht weggelassen werden. Das kann zu erneuten Krankheitsschüben führen“, warnt Ahrens.

Quelle: Patient und Haut 1/2011

05.07.11

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