- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Hauterkrankungen - Neurodermitis - Kinder - Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist häufigste Hauterkrankung im Kindesalter

Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist häufigste Hauterkrankung im Kindesalter

Neurodermitis gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen im Kindesalter. Besonders quälend für das Kind ist der damit verbundene Juckreiz, so berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Internetseite zur Kindergesundheit.

In Deutschland leidet etwa jedes sechste bis zwölfte Kind unter sechs Jahren an Neurodermitis. Bei ungefähr einem Drittel der Kinder verringern sich die Symptome im Laufe der Jahre und verschwinden schließlich ganz. Bei anderen verschiebt sich die Symptomatik von den Hauterscheinungen zu anderen allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma.

Die Ursachen der Neurodermitis sind nicht eindeutig geklärt. Als wesentlicher Faktor gilt jedoch eine angeborene Veranlagung. Wegen der familiär gehäuft auftretenden Veranlagung zur Entwicklung von Überempfindlichkeitsreaktionen und weil häufig ein Zusammenhang mit anderen allergischen Erkrankungen besteht, wird die Neurodermitis auch als „atopische Dermatitis“ oder „atopisches Ekzem“ bezeichnet. So liegt das Erkrankungsrisiko eines Kindes mit einem betroffenen Elternteil bei fast 40 %, wenn beide Eltern unter Neurodermitis leiden, sogar bei 67 %.

Neben dieser genetischen Veranlagung spielen aber auch Umweltfaktoren und körperliche Belastungen, Infekte und Allergene (z. B. Lebensmittel, Pollen, Hausstaub, Tierhaare) eine Rolle. Belastende aber auch aufregende Ereignisse, wie z. B. die bevorstehende Einschulung, können einen Krankheitsschub auslösen oder die Symptome verstärken.

Säuglinge sind von Neurodermitis besonders betroffen

Neurodermitis kann grundsätzlich zu jeder Zeit auftreten, am häufigsten beginnt sie aber schon im Säuglingsalter. Ausschließliches Stillen in den ersten vier Lebensmonaten und die Einführung von Beikost nicht vor Vollendung des vierten Lebensmonats können jedoch das Risiko stark verringern. Wenn in der Familie (Eltern oder Geschwisterkinder) bereits Allergien vorkommen, empfiehlt es sich, sich bereits vor der Geburt über Möglichkeiten der Vorbeugung zu informieren.

Erstes Anzeichen einer Neurodermitis kann sog. Milchschorf im Gesicht und an den Außenseiten von Armen und Beinen sein. (Eine fettige gelbliche Schuppung der Kopfhaut hat nichts mit Milchschorf zu tun.) Die Haut ist gerötet, nässt und ist mit Schuppenkrusten bedeckt. Besonders quälend für das Kind ist der damit verbundene Juckreiz. Im späteren Verlauf entwickeln sich aus diesen Hautrötungen stark juckende schuppige Ekzeme (auffällige Hautbereiche), die sich bei Säuglingen vermehrt im Gesicht, an den Ohren und anderen Bereichen des Kopfes zeigen. Im Kleinkindalter sind oft die Gelenkbeugen der Arme und Beine, der Hals und die Hände betroffen.

Im akuten Schub können sich die Ekzeme auf die gesamte Haut ausdehnen. Da der Juckreiz oft schwer zu beherrschen ist, können durch das Kratzen Bakterien und Viren in die geschädigte Haut eindringen und Infektionen verursachen.

Nicht jede Hautreizung ist Anzeichen für eine Neurodermitis

Nicht jede Hautreizung ist gleich eine Neurodermitis. Wenn Sie jedoch Hautveränderungen bei Ihrem Säugling oder Kind feststellen, sollten Sie das Kind über einige Zeit genau beobachten.

Auf eine Neurodermitis kann hindeuten,

  • wenn Sie als Eltern oder Geschwister des Kindes schon eine allergische Erkrankung haben oder in der Vergangenheit hatten,
  • wenn sich Ihr Kind häufig kratzen muss und die Hautstellen auffällig jucken,
  • wenn die Ekzeme über einen längeren Zeitraum immer wieder auftreten,
  • wenn Stress und andere Einflussfaktoren, wie z. B. Wetter, Impfungen, Zahnen, Infekte, Schwitzen, Kleidung, besondere Lebensmittel, Cremes oder Waschmittel das Hautbild verschlechtern.

Wenn einzelne oder alle genannten Anzeichen auf Ihr Kind zutreffen, sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin sprechen. Dabei wäre es von Vorteil, wenn diese zusätzlich Allergologen sind.

Geduld und Aufmerksamkeit sind gefragt

Die Suche nach den Faktoren, durch die sich die Neurodermitis verbessert oder verschlechtert, erfordert sehr viel Geduld und Aufmerksamkeit. Da die Erkrankung bei jedem Menschen anders verläuft, gestaltet sich auch die Behandlung unterschiedlich. Nur gemeinsam mit dem Arzt kann festgestellt werden, ob tatsächlich eine Neurodermitis vorliegt, und ein Behandlungsplan aufgestellt werden soll.

Eventuell wird Ihnen empfohlen, einen sog. Neurodermitis-Beobachtungsbogen zu führen. Dieser ist hilfreich, um die für Ihr Kind entscheidenden Faktoren für die Verschlechterung der Neurodermitis herauszufinden. Genaueres besprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Etwa jedes dritte Kind mit Neurodermitis leidet zusätzlich unter einer Lebensmittelallergie. Hier kann eine fachkundige Ernährungsberatung helfen, die Auslöser zu identifizieren und durch geeignete Lebensmittel zu ersetzen.

Zur Linderung können Sie einiges tun

Kinder mit Neurodermitis haben generell eine sehr trockene Haut. Bei ihnen sind der Harnstoffgehalt, der für den Feuchtigkeitsgehalt der Haut wichtig ist, und die Talgproduktion, die einen schützenden Fettfilm bildet, stark verringert. Auch aus diesem Grund reagieren sie sehr empfindlich auf äußere Reize, wie beispielsweise Wolle, Seide, zu enge Kleidung, Schweiß, Chlorwasser, Badezusätze und anderes.

Wenn Ihr Kind an Neurodermitis leidet, können Sie deshalb zur Linderung beitragen, wenn Sie einige grundsätzliche Verhaltensweisen beachten:

  • Besonders wichtig ist die tägliche Hautpflege; die Haut sollte täglich, besonders nach dem Duschen oder Baden, mit einer rückfettenden Pflegesalbe eingecremt werden. Kurze, nicht zu heiße Ölbäder oder rückfettende Badezusätze können ein Austrocknen der Haut verringern.
  • Wenn Ihr Kind alt genug ist, sollten Sie es lieber duschen als baden, da hierbei die Haut weniger austrocknet.
  • Zu enge Kleidung sowie Wolle, Seide oder Kunstfasern können die Haut reizen. Ziehen Sie Ihrem Kind deshalb möglichst weite Kleidung aus Baumwolle oder Leinen an.
  • Waschen Sie neue Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen mehrmals und spülen Sie diese gründlich aus.
  • Achten Sie darauf, dass die Fingernägel des Kindes immer kurz geschnitten sind, um zusätzliche Hautinfektionen durch Kratzen zu verhindern.
  • Vermeiden Sie Überwärmung, denn Schwitzen verstärkt den Juckreiz.

Belastungen für Kind und Eltern mindern

Wenn ein Kind Neurodermitis hat, bedeutet dies oft eine besondere Belastung für das Kind selbst wie auch für die gesamte Familie und beide können Einbußen der Lebensqualität erleben. Hier finden Sie einige Hinweise, was häufig besonders belastend empfunden wird und wie Sie dem entgegenwirken können:

  • Säuglinge haben – bedingt durch das nächtliche Kratzen – oft Schlafproblemen und sind häufig unruhiger am Tag. Die Eltern der betroffenen Säuglinge leiden – neben der belastenden Erkrankung ihres Kindes – ebenfalls oft an Schlafmangel. Hier ist es hilfreich, klare Vereinbarungen zu treffen, wer sich nachts um den Säugling kümmert. Es sollte für jeden Partner mindestens einmal die Woche möglich sein durchzuschlafen.
  • Außenstehende, die die äußerlichen Verletzungen des Säuglings sehen, sprechen die Eltern darauf an und erteilen häufig Ratschläge. In einem solchen Fall sollten Eltern klar aber bestimmt ihre Meinung äußern können und ggf. darauf hinweisen, dass man bereits in Behandlung ist.
  • Darüber hinaus setzen Eltern häufig sehr viel Energie in die Suche nach einem erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker. Wichtig ist, einen qualifizierten Ansprechpartner zu finden, der das Vertrauen der Eltern wie auch des Kindes hat. Alternative Verfahren können zwar u. U. den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen, jedoch ist Vorsicht geboten. Es gibt viele Angebote, die hohe Kosten verursachen, aber nicht hilfreich sind.
  • Kleinkinder haben evtl. häufig mit Hänseleien durch andere Kinder zu kämpfen. Wichtig ist es, den Kindern so früh wie möglich ein Krankheitsverständnis zu vermitteln.
  • Jugendliche schämen sich meist, ihren Körper zu zeigen. Auch hier ist es wichtig, dass sich die Betroffenen aktiv mit ihrer Erkrankung auseinander setzen und in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden.

Qualitätsgesicherte Schulungen

Die genannten Belastungen und viele andere Auswirkungen der Neurodermitis machen es betroffenen Kindern und Jugendlichen oft schwer, im täglichen Leben mit ihrer Erkrankung umzugehen. Aber es gibt Wege, die trotz der Erkrankung ein erfülltes Leben ermöglichen. So gibt es in fast allen Städten qualitätsgesicherte Schulungen für betroffene Eltern, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Erkundigen Sie sich in der Kinderklinik, bei Ihrer Krankenkasse oder in der Arztpraxis danach. Hilfreich kann auch der Austausch mit anderen Betroffenen sein, z. B. in Selbsthilfegruppen oder Internetforen.

Quelle: Patient und Haut 2/2011

16.12.11

Neurodermitis bei Kindern
Newsletter An-/Abmeldung

Code: BYAA