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Neurodermitis

Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die von einem starken Juckreiz und trockener Haut gekennzeichnet ist. Auf der Haut entstehen rote, entzündliche, schuppende Ekzeme, die gelegentlich auch nässen. Die Ekzeme treten schubweise auf. Zwischen den einzelnen Schüben, die von unterschiedlicher Stärke und Dauer sein können, liegen symptomfreie Zeiträume. Die Symptome treten an unterschiedlichen Stellen und in verschiedener Ausprägung auf. Laut dem Bundesverband Neurodermitiskranker in Deutschland e. V. ist Neurodermitis eine „vererbte Autoimmunkrankheit bei der ernährungsbedingte, immunologische, hormonelle, neurohormonelle und psychosomatische Faktoren die Krankheit auslösen und unterhalten“.

Die trockene Haut von Neurodermitikern weist einen Mangel an bestimmten Hautfetten und eine verminderte Speicherfähigkeit für Feuchtigkeit auf. Daher ist die Haut rau und hat eine Neigung zur Schuppenbildung. Weitere Folge der Hauterkrankung ist der Verlust wichtiger Hautfunktionen. So kann die entzündete Haut nicht mehr als Barriere gegen Umwelteinflüsse wirken. Außerdem sind die Funktionen von Schweißbildung, Temperaturregulierung und Hautdurchblutung gestört. Natürlicherweise ist die menschliche Haut von zahlreichen Pilzen und Bakterien besiedelt. Die Zusammensetzung dieser Keime ist bei Neurodermitikern verändert, dadurch kann es zu einer Verschlimmerung der Krankheit kommen. Durch den Verlust der Schutzfunktion der Haut ist es für Keime außerdem einfacher, in die Haut einzudringen und Infektionen zu verursachen.

Der Begriff Neurodermitis wurde im 19. Jahrhundert geprägt, als man davon ausging, dass die Hauterkrankung durch eine Nervenentzündung verursacht wird. Der Begriff hielt sich auch noch, als man feststellte, dass diese Annahme falsch war. Heutzutage wird aber deswegen eher vom Atopischen Ekzem oder Atopischer Dermatitis gesprochen. Unter Atopie versteht man eine angeborene, häufig ererbte Veranlagung (Disposition), auf bestimmte Stoffe oder Reize mit Überempfindlichkeit zu reagieren. Dafür ist ein Defekt mehrerer Gene verantwortlich. Dieser Defekt wirkt sich auf die so genannten Suppressorzellen des Immunsystems aus. Suppressorzellen mindern normalerweise die Reaktionen des Abwehrsystems, um Überreaktionen zu vermeiden. Bei Neurodermitis und auch bei jeder anderen Form von Allergie geschieht nun das genaue Gegenteil: Die Suppressorzellen veranlassen das Immunsystem, auf eigentlich harmlose Reize mit überschießenden Reaktionen zu antworten. Diese Reize können sowohl von außen als auch von innen auf den Organismus einwirken. Bei Neurodermitis ist es die Haut, die überempfindlich auf unterschiedliche Faktoren reagiert. Außerdem neigen Neurodermitiker stärker zu anderen atopischen Krankheiten wie Asthma oder Heuschnupfen.

Die genauen Ursachen von Neurodermitis sind bis heute ungeklärt. Fest steht, dass die Disposition, nicht aber die Krankheit selbst vererbt wird. Damit die Krankheit zum Ausbruch kommt, bedarf es weiterer Faktoren, die von Patient zu Patient verschieden sein können. Daher kann die Krankheit auch nicht ursächlich behandelt werden. Als besonders belastend wird von den meisten Neurodermitikern der starke Juckreiz empfunden. Um ihn zu lindern, müssen die Ekzeme der Haut behandelt werden. Welche Therapie erfolgreich ist, hängt auch von den auslösenden Faktoren ab und muss daher für jeden Patienten individuell ausprobiert werden. Dazu ist viel Geduld nötig.

Die Krankheit tritt häufig zum ersten Mal im Kindes- oder Säuglingsalter auf. Man geht davon aus, dass etwa 10-15 % der Kinder in Europa und ungefähr 3 % der Erwachsenen in Deutschland von der Krankheit betroffen sind. In vielen Fällen verschwindet die Neurodermitis im Schulalter. Allerdings wird gerade in den letzten Jahren vermehrt eine Erstmanifestation nach der Pubertät festgestellt. Schätzungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zufolge leiden in Deutschland ca. 4,5 Millionen Menschen an Neurodermitis. Sie wird zu den so genannten Zivilisationskrankheiten gezählt, allerdings ist nicht ganz klar, ob es heute tatsächlich mehr Fälle von Neurodermitis gibt, oder ob die Krankheit einfach öfter diagnostiziert wird, weil sich die Wahrnehmung von Ärzten und Betroffenen verändert hat.

Ursachen

Bei den meisten Betroffenen liegt eine ererbte Veranlagung zu der Krankheit vor. Für den Ausbruch von Neurodermitis ist allerdings ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren nötig, die individuell sehr verschieden sein können und daher auch noch nicht alle erforscht sind. Man spricht von einer multifaktoriellen Entstehung der Krankheit. Die Auslöser werden auch Provokationsfaktoren oder Trigger genannt. Es gibt neben der genetischen Veranlagung verschiedene Theorien über Faktoren, die offenbar einen auslösenden Einfluss auf die Krankheit haben. Dabei können Umwelteinflüsse und psychische Faktoren gleichermaßen eine Rolle spielen.

Es erscheint auf den ersten Blick paradox, dass ausgerechnet übertriebene Hygiene als Erklärung für die Häufung von Neurodermitis in der modernen Zeit angeführt wird. Offenbar braucht der Körper jedoch auch den Kontakt mit Keimen und Schmutz, um zwischen harmlosen Stoffen und solchen unterscheiden zu können, auf die tatsächlich mit einer Abwehrreaktion geantwortet werden muss. Es hat sich zum Beispiel gezeigt, dass Kinder mit bestimmten Wurminfektionen fast nie an Neurodermitis erkranken. Bei diesen Infektionen erhöht sich der Immunglobulin E-Wert (IgE), der auch bei Neurodermitikern erhöht ist. Möglicherweise wird das IgE unter den modernen hygienischen Bedingungen fehlgeleitet und verursacht so die Überreaktionen. Auch das Vorgehen gegen Infektionen mit Antibiotika bereits im Säuglingsalter scheint das Immunsystem so verwirren zu können, dass es zu einer Überreaktion neigt. Der stressige westliche Lebensstil mit zunehmender Isolierung und Kontaktarmut scheint sich ebenfalls negativ auf die Krankheitsentwicklung auszuwirken. So erkranken Kinder aus Ein-Kind-Familien häufiger an Neurodermitis als Kinder mit mehreren Geschwistern. Es gibt jedoch noch keine Erkenntnisse darüber, warum das so ist.

Klinische Beobachtungen zeigen außerdem, dass Patienten mit Neurodermitis ebenso wie Asthmatiker und Allergiker fast immer eine nicht gesunde Darmflora (Dysbiose) aufweisen. Durch darmsanierende Maßnahmen kann die Krankheit dann in der Regel deutlich gelindert werden. Der Darm wird in der heutigen Medizin meist nur dann beachtet, wenn er selbst eindeutig erkrankt ist. Da aber etwa 85 % unseres Immunsystems im Dickdarm beheimatet sind, sollte es nicht überraschen, dass er bei Autoimmunkrankheiten, zu denen man auch Neurodermitis zählt, eine wichtige Rolle spielt.

Daneben können Allergien, bestimmte Nahrungsmittel, das Klima und auch physikalisch-chemische Faktoren (z. B. zu hohe Außentemperaturen, zu trockene Luft oder Irritation der Haut durch Textilien wie etwa Wolle) als Auslöser wirken. Psychische Belastungen können die Krankheit zwar nicht verursachen, aber die Hauterscheinungen verstärken. Rauchen und Passivrauchen wirken sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus.

Symptome

Ein äußerliches Symptom der Neurodermitis ist eine entzündliche Rötung der trockenen Haut, unter Umständen verbunden mit der Entstehung von Schuppen auf den betroffenen Hautstellen. Das Symptom, das die Betroffenen selbst jedoch häufig am belastensten empfinden, ist der extreme Juckreiz, der damit einhergeht. Typische Stellen für die Ekzeme sind Ellbogen, Kniekehlen, Nacken, Hals und Gesicht. Diese Stellen werden auch Prädilektionsstellen genannt. Manchmal bilden sich auch gelbliche oder rotbraune Knötchen und es kann zu Rissen hinter den Ohren oder an den Ohrläppchen kommen.

Der extreme Juckreiz, der für Neurodermitis typisch ist, und der natürliche menschliche Reflex, auf Juckreiz mit Kratzen zu reagieren, kann bei Neurodermitikern zu dem so genannten Juckreiz-Kratz-Teufelskreis führen. Dieser Teufelskreis entsteht dadurch, dass die Betroffenen sich als Reaktion auf den Juckreiz kratzen, woraufhin die ohnehin schon gereizte Haut verletzt wird oder die zuvor noch nicht betroffene Haut ebenfalls gereizt wird. Sie kann sich entzünden, das Ekzem kann beginnen zu nässen und dadurch verstärkt sich der Juckreiz, was wiederum eine Kratzreaktion zur Folge hat. Besonders nachts ist der Juckreiz meist besonders schlimm und kann so den Betroffenen den Schlaf rauben. Nachts wirken kaum andere Reize auf den Organismus ein, die von dem Juckreiz ablenken könnten. Daher wird das Jucken verstärkt wahrgenommen. Außerdem kann im Schlaf der Impuls, sich kratzen zu müssen, nicht durch ein bewusstes Unterdrücken beherrscht werden, wie das im Wachzustand der Fall ist. Das bedeutet, dass der Juckreiz-Kratz-Teufelskreis sich nachts verschlimmern kann. Das extreme Jucken kann vor allem bei Kindern mit Neurodermitis und bei ihren Eltern zu Schlafdefiziten führen. Die dadurch entstehende Müdigkeit kann die Belastung durch die Krankheit noch verstärken.

Man unterscheidet verschiedene Erscheinungsformen von Neurodermitis, die sich je nach Alter unterscheiden: Im Säuglingsalter kann Milchschorf ein erstes Anzeichen für eine spätere Neurodermitis-Erkrankung sein. Unter Milchschorf versteht man nässende, schuppende und gelbliche Krusten bildende Haut auf dem Kopf. Manchmal weiten sich die Symptome auf Gesicht, Hals, Arme, Beine und die Windelregion aus. Milchschorf hat nichts mit einer Milchallergie zu tun. Der Name entstand, weil die Hautveränderungen Ähnlichkeit mit getrockneter angebrannter Milch haben. Milchschorf kann bis zu zwei Jahre anhalten und dann spontan verschwinden. Aber nicht jeder Mensch, der als Baby Milchschorf hatte, bekommt später Neurodermitis. Zum Ausbruch der Krankheit müssen immer noch mehrere Faktoren zusammenkommen.

Ab dem Alter von ein bis zwei Jahren können Ekzeme des Kindesalters entstehen, wie sie von Ärzten genannt werden. Diese Ekzeme sind in der Regel trocken, jucken aber dafür sehr stark. Sie bilden sich vor allem an Arm- und Kniebeugen, Hand- und Fußrücken sowie Hand- und Sprunggelenken. Aber auch im Gesicht, an Hals und Nacken sowie am Rumpf kann es zu Hautveränderungen kommen.

Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen können die neurodermitischen Hautveränderungen am gesamten Körper auftreten. Besonders häufig sind das Gesicht, die Arm- und Kniebeugen und der Hals betroffen. Die trockene Haut kann zu Rissen neigen und sich lederartig verdicken.

Darüber hinaus können drei Stadien innerhalb der Erkrankung unterschieden werden: das akute, das subakute und das chronische Stadium. Jedes Stadium braucht eine individuelle Behandlung. Allerdings können sie auch alle gleichzeitig an verschiedenen Körperstellen auftreten. Während des akuten Stadiums bilden sich neue Ekzeme, die über Tage bis zu etwa einem Monat bestehen bleiben können. Durch die neuen Hautveränderungen verschlechtern sich ältere Hautschäden, wobei es zu entzündlichen Veränderungen kommen kann. Halten die Entzündungen an, spricht man vom subakuten Stadium, das bis zu einigen Monaten lang andauern kann. Die Haut rötet sich, beginnt zu schuppen und kann kleine Knötchen bilden. Das chronische Stadium kann jahrelang anhalten. Hier können verschiedene Hautveränderungen gleichzeitig auftreten. Die Haut wird meist dicker, ihre Zeichnung kann stärker hervortreten, sie kann vermehrt Schuppen bilden, stärker verhornen und tiefe Risse bekommen. Gelegentlich verändert sich auch die Hautfarbe: Bei der so genannten Depigmentierung wird sie blasser, bei der so genannten Hyperpigmentierung wird sie dunkler.

Diagnose

Es gibt keine spezielle Untersuchung, mit der Neurodermitis diagnostiziert werden kann. Der Arzt kann die Krankheit anhand der typischen Symptome stellen, wie starker Juckreiz, Ekzeme an typischen Stellen, chronischer (länger als sechs Monate) und schubweiser Krankheitsverlauf sowie Neurodermitis-, Asthma- und Heuschnupfen-Betroffene in der Familie.

Daneben gibt es weitere Kriterien, die Hinweise auf Neurodermitis sein können: Bei Neurodermitikern liegt häufig ein so genannter weißer Dermographismus vor, d. h. die Haut reagiert auf Kratzen nicht mit roten, sondern mit weißen Striemen. Dieses Phänomen wird auch paradoxe Gefäßreaktion genannt. Dazu kommen häufig Juckreiz beim Schwitzen, Blässe rund um den Mund, dunkle Augenringe, eine stärkere Zeichnung der Hautlinien und eine angeborene doppelte untere Lidfalte. Außerdem haben Neurodermitiker häufiger Hautinfektionen mit Viren als Menschen ohne Neurodermitis.

Da Neurodermitiker häufig auch unter Allergien z. B. gegen Lebensmittel leiden, sind Allergietests meist sinnvoll, um mögliche neurodermitisverstärkende Stoffe herauszufinden. Die Allergien können behandelt oder die allergenen Stoffe gemieden werden, damit sie die Erkrankung nicht mehr negativ beeinflussen können. Aufgrund der oben erwähnten nicht gesunden Darmflora bei den meisten Neurodermitikern ist es häufig auch sinnvoll, eine Stuhluntersuchung vorzunehmen.

Ist Neurodermitis diagnostiziert, gilt es die auslösenden Reize herauszufinden. Denn wenn man die Auslöser kennt, kann man sie meiden oder – im Falle von Allergien oder Dysbiose – behandeln und so die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Ausbruchs der Krankheit möglichst gering halten. Bei der Suche nach den Auslösern ist der Betroffene selbst gefragt. Je genauer er sich und den Verlauf seiner Krankheit beobachtet und dokumentiert, umso leichter fällt es, die Provokationsfaktoren zu identifizieren. Durch eine umfangreiche und ausführliche Diagnostik ist es möglich, eine individuell optimale Behandlung vorzunehmen.

Therapie

Neurodermitis ist nicht heilbar, aber bei einer konsequenten Therapie können die Symptome gelindert oder sogar Symptomfreiheit erreicht werden. Aber auch bei Erscheinungsfreiheit bleibt die atopische Veranlagung bestehen, sodass auch weiterhin besonders auf eine individuell abgestimmte Hautpflege geachtet werden muss. Generell gilt für Menschen mit Neurodermitis, dass sie Stoffe, die die Krankheit verschlimmern, meiden und ihre Allergien behandeln lassen sollten. Bis man jedoch herausgefunden hat, welche Dinge speziell die Krankheit negativ beeinflussen, kann viel Zeit vergehen und es braucht Geduld und Ausdauer, um nicht aufzugeben.

Da die Auslöser der Krankheit sehr vielfältig und individuell verschieden sind, gibt es für Neurodermitis kein einheitliches Therapieschema. Außerdem muss die Behandlung je nach Stadium, in dem sich die Krankheit gerade befindet, unterschiedlich sein. Auch weil klinische Erfahrungen zeigen, dass sich die Haut nach einiger Zeit an ein Produkt gewöhnt, das man längere Zeit benutzt, sollte man für verschiedene Hautzustände unterschiedliche Pflegeprodukte benutzen, um die Wirkung nicht zu beeinträchtigen. Tendenziell lässt sich sagen, dass für die Behandlung während der drei Krankheitsstadien und für die tägliche Pflege der Haut immer mindestens vier Präparate vorhanden sein sollten. Für die tägliche Hautpflege eignen sich Cremes, Emulsionen, Lotionen oder Milch mit einer weniger fetten Grundlage.

Ist die Haut rissig und sehr trocken, bieten sich Salben mit einer fetten Grundlage an. Bei nässender Haut können feuchte Umschläge mit abgekochtem Wasser, Kochsalzlösung oder schwarzem Tee verwendet werden. Außerdem bieten sich Schüttelmixturen an, die aus festen und wässrigen Bestandteilen bestehen, die durch Schütteln miteinander verbunden werden. Akute Entzündungen mit starkem Juckreiz können mit kortisonhaltigen Präparaten zur äußerlichen Anwendung behandelt werden. Mit der richtigen Kortisonsalbe kann die Krankheit oft erträglicher gemacht werden. Kortinsonhaltige Präparate sind für akute Vorfälle sinnvoll, eignen sich jedoch aufgrund der Nebenwirkungen nicht für eine Langzeittherapie. Generell ist bei allen verwendeten Präparaten darauf zu achten, dass keine Allergie gegen einen der Inhaltsstoffe vorliegt.

Neben Kortison gibt es noch zahlreiche andere äußerlich angewendete Mittel, die regelmäßig in der Therapie der Neurodermitis eingesetzt werden. Steinkohlenteerhaltige Präparate sollen heute nur in Ausnahmefällen verwendet werden. Ggf. können Präparate aus Schieferöl verwendet werden.

Bei der Phototherapie werden die Ekzeme mit UV-Licht bestrahlt, wodurch sie abheilen. Diese Therapieform wird nur in schweren Fällen angewendet und muss auf jeden Fall von einem erfahrenen Fachmann durchgeführt werden. Die Bestrahlung muss individuell auf den Patienten abgestimmt sein, Kinder unter zwölf Jahren dürfen nicht bestrahlt werden. Zu beachten ist auch, dass viele Medikamente (u. a. auch Kortison) die Haut lichtempfindlicher machen, daher muss der Arzt unbedingt über die Verwendung aller Medikamente informiert werden. Häufig wird die Lichttherapie durch eine Badetherapie ergänzt. Der Patient badet dazu vor der Bestrahlung in einem Salzbad.

Für die Behandlung von Neurodermitis kommen Immunsuppressiva in Form von Salben zum Einsatz. Sie unterdrücken das lokale Immunsystem der Haut selektiver als Kortison und hemmen Entzündungen, dadurch heilen die Ekzeme ab. Aufgrund der Nebenwirkungen, fehlender Langzeitstudien sowie der Tatsache, dass in Tierversuchen ein erhöhtes Krebsrisiko auftrat, hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) den Gebrauch dieser Salben eingeschränkt. Sie dürfen nur noch verwendet werden in Fällen, bei denen andere Therapien v. a. mit Kortison nicht anschlagen oder eine Kortisonbehandlung nicht möglich ist. Wenn neben den neurodermitischen Hautveränderungen noch eine bakterielle Infektion auftritt, können zusätzlich Antibiotika verabreicht werden. Ist eine Dysbiose festgestellt worden, können darmsanierende Maßnahmen zu einer Besserung der Krankheit führen.

Da es sich bei Neurodermitis um ein multifaktorielles Krankheitsgeschehen handelt, ist eine Monotherapie meist wenig wirkungsvoll. Es bietet sich daher eine Kombination aus verschiedenen Behandlungen an. Zusätzlich zu der medikamentösen Therapie gibt es z. B. eine Reihe ergänzender Maßnahmen, die die Symptome lindern können. So ist das Gel der Aloe Vera-Pflanze bei einigen Betroffenen hilfreich. Wenn die Juckreiz-Schübe von innerer Unruhe begleitet werden, kann die Gabe von Magnesium helfen. Bei bekannten Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten sind diese Stoffe selbstverständlich zu meiden. Dasselbe gilt für Reize, von denen der Betroffene aus Erfahrung weiß, dass sie negativ auf die Krankheit wirken. Viele Neurodermitis-Patienten probieren neben der Schulmedizin alternative Heilmethoden aus, auch weil sie der Schulmedizin vorwerfen, nur die Symptome, nicht aber die Krankheit zu behandeln. Ob und welche Heilmethoden hilfreich sind, muss jeder Betroffene selbst ausprobieren.

Bereits bei der täglichen Hautpflege kann man darauf achten, die Haut nicht zusätzlich zu reizen und Pflegeprodukte zu verwenden, die sich positiv auf die Neurodermitis auswirken. Kurzes lauwarmes Duschen oder Baden ist langem heißen Duschen oder Baden auf jeden Fall vorzuziehen. Je kürzer die Haut unter Wasser kommt, desto besser. Heißes oder warmes Wasser trocknet die ohnehin trockene Haut zusätzlich aus. Kaltes Wasser kann die Symptome lindern. Beim Baden können einige Spritzer reinen Schwarzkümmel- oder Sesamöls im Wasser der Haut bei der Regeneration helfen. Neurodermitische Haut leidet unter einer charakteristisch niedrigen Harnstoffkonzentration, daher fehlt ihr ein wichtiger Feuchthaltefaktor. Durch die Verwendung harnstoffhaltiger Präparate (z. B. als Duschfluid) kann der Haut geholfen werden, dieses Defizit etwas auszugleichen. Nach dem Waschen sollte die Haut auf keinen Fall kräftig trocken gerieben werden, weil dadurch Reizungen entstehen können. Stattdessen ist es besser, sie nur sanft trocken zu tupfen.

Da die Hautpflege für Neurodermitiker besonders wichtig ist, sollte man sich dafür bewusst Zeit nehmen und die Pflege als festen Bestandteil in den Tagesablauf integrieren. Wenn Salbe oder Creme sanft einmassiert wird, wird das meist als angenehm empfunden, außerdem fördert eine leichte Massage die Durchblutung und die Wirkstoffe können besser aufgenommen werden. Da in große Dosenöffnungen schneller Keime eindringen können als in kleine Tubenöffnungen, ist es günstig, Salbe und Creme aus der Tube zu verwenden. Wenn Dosen verwendet werden, sollte die Salbe oder Creme mit einem Spachtel oder Löffel entnommen werden, da sich auf den menschlichen Fingern zahlreiche Mikroorganismen befinden, die sich in den Dosen schnell vermehren und dann mit auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden und die Symptome verschlimmern können.

Kurze Fingernägel helfen, tiefe Kratzer zu vermeiden. Entspannungsübungen können hilfreich sein, um den Juckreiz zu lindern oder zumindest die Wahrnehmung des Reizes zu verändern. Die Kleidung von Neurodermitis-Betroffenen sollte hautfreundlich und luftdurchlässig sein, damit sich kein Hitzestau bilden kann, der zum Schwitzen und Juckreiz führt. Besonders geeignet ist Baumwolle oder auch Seide. Neue Kleidungsstücke sollten vor dem ersten Tragen gewaschen werden.

Zwar gibt es derzeit keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass eine Nahrungsumstellung bzw. Diät eine positive Wirkung auf die Krankheit hat, aber es nützt natürlich immer, auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten, um das allgemeine Wohlbefinden zu unterstützen. Eine spezielle Neurodermitisdiät, die für alle Betroffenen Gültigkeit hat, kann es aber schon aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Auslösefaktoren nicht geben. Diäten sollten außerdem mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, um unbeabsichtigte Mangelerscheinungen durch die Nahrungsumstellung zu vermeiden.

Ein Klimawechsel kann zumindest für einige Zeit zu einer Besserung der Krankheit führen. Eine Klimatherapie bzw. -kur sollte mindestens vier Wochen dauern. Dazu bieten sich z. B. das Tote Meer, die Kanarischen Inseln, die Nordsee oder Gebiete im Hochgebirge an. Die dort vorliegende hohe UV-Strahlung und das Reizklima können häufig schon durch einen Urlaub zu einer Erleichterung führen. Der Urlaub sollte in die Zeit gelegt werden, in der häufig neue Schübe auftreten.

Neurodermitikern wird empfohlen, Stress und psychische Belastung zu vermeiden. Aber gerade die Krankheit selbst kann zu massiver psychischer Belastung führen. Häufig reagieren die Menschen in der Umgebung aus Unwissenheit mit Ablehnung oder Ekel. So können die Hauterscheinungen, der Juckreiz und das Bedürfnis, sich ständig kratzen zu müssen, dazu führen, dass die Betroffenen sich zurückziehen und isolieren.

Da die Krankheit häufig bereits im Kindes- oder Säuglingsalter auftritt, kann sie nicht nur die Betroffenen allein, sondern ganze Familien belasten. Selbsthilfegruppen können dabei helfen, mit der Krankheit besser umzugehen. Der Kontakt mit Menschen, die unter denselben Problemen leiden, kann zudem einer sozialen Isolation vorbeugen. Außerdem gibt es spezielle Patientenschulungen, die Betroffene über ihre Krankheit informieren. Insbesondere für Eltern mit einem Kind, das an Neurodermitis leidet, sind diese Schulungen sinnvoll, weil sie dort auch lernen mit ihrer Frustration über fehlgeschlagene Therapien und ihren Ohnmachtsgefühlen umzugehen. Wenn sie selbst gelassener und optimistischer sind, fällt es ihnen auch leichter, ihrem Kind die Ruhe und Sicherheit zu vermitteln, die es während der Krankheitsschübe ganz besonders braucht.

Auf jeden Fall sollten Erzieher, Lehrer und andere Bezugspersonen über die Krankheit informiert werden, um einer Isolierung des betroffenen Kindes vorzubeugen. Wenn z. B. die Mitschüler über Neurodermitis aufgeklärt werden, fällt es ihnen leichter, mit dem Betroffenen und seiner Krankheit umzugehen. Angehörige und Freunde sollten ebenfalls über die Krankheit informiert werden, damit sie den Betroffenen und seine Situation besser verstehen können.

Eltern mit atopischer Veranlagung können darüber hinaus vorbeugend etwas tun, um das Risiko für ihre Kinder etwas zu mindern. Stillen scheint dem Ausbruch der Krankheit entgegenzuwirken. Wenn möglich, sollte mindestens sechs Monate lang gestillt werden. Zudem wird empfohlen, keine Haustiere mit Fell zu halten, wenn bei Kindern ein erhöhtes Risiko für atopische Krankheiten vorliegt. Es scheint auch günstig zu sein, zumindest während der ersten zwei Lebensjahre auf bestimmte Nahrungsmittel wie Fisch, Soja, Eier und Erdnüsse zu verzichten. Frühe allergologische Untersuchungen können außerdem einen Hinweis auf weitere Stoffe geben, die man meiden sollte, um der Krankheit keinen Vorschub zu leisten. Da Rauchen und Passivrauchen ausschlaggebende Risikofaktoren sein können, ist der Zigarettenrauch für alle Menschen mit der Disposition zu Neurodermitis zu meiden.

Jeder Neurodermitiker sollte nicht nur herausfinden, welche Reize die Krankheit negativ beeinflussen, sondern auch, welche Reize sich positiv auswirken. Zusammen mit gesunder Ernährung, positivem Denken und Geduld können sich alle Dinge, die Spaß machen und bei denen man sich gut fühlt, positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Zusammen mit individuell abgestimmten schulmedizinischen und unter Umständen zusätzlichen naturheilkundlichen Maßnahmen kann so eine Linderung und Besserung der Krankheit erreicht werden.

Myriam Spätling

07.03.13

Neurodermitis
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