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Wie entsteht Neurodermitis?

17.05.06.

Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit. Sie ist in Abhängigkeit von ihrer Schwere z. B. gekennzeichnet durch trockene Haut, quälenden Juckreiz, gerötete und geschwollene Hautbereiche sowie aufgeplatzte Bläschen bzw. trockenen Schorf. Die Krankheit verläuft schubweise und ist auf eine Überreaktion des Immunsystems zurückzuführen. Neurodermitis entsteht durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Diese multifaktorielle Entstehung der Krankheit ist noch nicht abschließend erforscht. Neben einer genetischen Disposition spielen vermutlich Umwelteinflüsse und psychische Faktoren eine Rolle.

Die im 19. Jahrhundert geprägte Bezeichnung „Neurodermitis“ suggeriert eine Nervenentzündung („Neuro“ = Nerven, „derma“ = Haut, „-itis“ = Entzündung) – welche allerdings nach heutiger Erkenntnis nicht Ursache der Hautkrankheit ist. Heutzutage spricht man daher eher vom „atopischen Ekzem“ oder von der „atopische Dermatitis“. Der Begriff „Atopie“ beschreibt die Veranlagung zu überempfindlichen und allergischen Reaktionen, „Dermatitis“ die schubweise auftretenden Entzündungsvorgänge. Entzündung und Juckreiz sind die Hauptsymptome der Erkrankung. Akute Phasen, mit extrem juckender Haut, die z. T. blutig gekratzt wird, und chronische Phasen mit sehr trockener und verdickter Haut wechseln sich ab.

Als Auslöser („Trigger“) der Neurodermitis bzw. der akuten Phasen der Erkrankung kommen viele unterschiedliche Faktoren in Frage. Die Betroffenen können z. B. auf Schimmelpilze, Viren, und Bakterien allergisch reagieren. Auch Hausstaubmilben können einen Symptomschub provozieren. Darüber hinaus gehören Tierhaare, bestimmte Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln, klimatische Bedingungen oder aber auch mechanische Reizungen der Haut, z. B. durch Textilien wie Wolle zu den potentiellen Auslösefaktoren. Diverse Chemikalien, die z. B. zur Herstellung von Kleidungsstücken verwendet werden, können dem Erkrankten ebenfalls unangenehme Überraschungen bereiten. Auch die geringe Luftfeuchtigkeit beheizter Räume kann die Haut des Patienten weiter austrocknen. Rauchen bzw. Passivrauchen sowie Stress können einen negativen Einfluss auf das Hautbild von Neurodermitispatienten haben. Generell wird davon ausgegangen, dass psychische Belastungen die Krankheit nicht verursachen, aber die Symptome verstärken können.

Derzeit geht man von ca. 2,5-3 Millionen Betroffenen in Deutschland aus. Als Erklärung für die Zunahme atopischer Erkrankungen in den Industrieländern wird häufig die sog. „Hygiene-Hypothese“ angeführt. Demnach haben sehr hohe Hygienestandards den Nebeneffekt, dass das Immunsystem sich zu wenig mit Mikroben und Parasiten auseinandersetzten muss. Als „Ersatzgegner“ werden nun an sich harmlose Stoffe zu Antigenen, auf die das Immunsystem überstark reagiert. Es gibt hierzu Untersuchungen, nach denen z. B. Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen oder früh Kindertagesstätten besuchen, seltener an Neurodermitis, Heuschnupfen und allergischem Asthma erkranken. Anderen Studien zufolge scheinen Infektionserkrankungen in früher Kindheit jedoch das Risiko für atopische Erkrankungen zu steigern. Die Hygiene-Hypothese ist daher differenziert zu betrachten. Nur bei frühzeitigem Kontakt mit den „richtigen“ Mikroorganismen scheint das Immunsystem in der Lage zu sein, eine normale Immuntoleranz aufzubauen.

Für Neurodermitisbetroffene ist es in jedem Fall wichtig herausfinden, welche Reize die Krankheit negativ bzw. positiv beeinflussen. Intensive ärztliche Betreuung und genaue Beobachtung des Krankheitsverlaufs können die individuell unterschiedlichen Auslöser der Erkrankung nachvollziehbar machen und entsprechende Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

Werner Sebastian Krämer

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